Gaza Israel greift erneut an - vier Tote

Die israelische Regierung tut offenbar alles, um den von US-Präsident George W. Bush forcierten Nahost-Friedensplan zu torpedieren. Am Morgen starben bei einem Anschlag auf Hamas-Führer Rantisi drei Menschen, nur wenige Stunden später wurden vier Palästinenser durch die israelische Armee getötet.




Israelischer Anschlag in Gaza: Ziel verfehlt, drei Menschen tot
AP

Israelischer Anschlag in Gaza: Ziel verfehlt, drei Menschen tot

Washington/Gaza - Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident George W. Bush den israelischen Premierminister Ariel Scharon unter immensem Druck auf die so genannte "Road Map", den Friedensplan für Nahost, eingeschworen. Seine Kompromissbereitschaft am Verhandlungstisch versucht Scharon nun offenbar durch militärische Härte wettzumachen. Am Morgen feuerten israelische Kampfhubschrauber Raketen auf das Auto des militanten Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi ab. Rantisi und 30 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, drei Palästinenser - darunter eine Mutter und ihre kleine Tochter - starben.

Ungeachtet scharfer Kritik aus Washington schlug die israelische Armee nur wenige Stunden später erneut zu. Nach Augenzeugenberichten feuerten Panzer nördlich von Gaza mehrere Granaten auf palästinensische Autos. Vier Palästinenser wurden getötet und weitere 30 zum Teil schwer verletzt. Zuvor hatten palästinensische Extremisten als Reaktion auf den Anschlag auf Rantisi fünf Kurzstreckenraketen auf die israelische Stadt Sderot östlich des Gazastreifens abgefeuert. Dabei erlitten fünf Israelis einen Schock.

Israels Außenminister Silwan Schalom rechtfertigte in Moskau die israelischen Angriffe. Die Palästinensische Autonomiebehörde müsse den Terrorismus bekämpfen. Solange sie dies nicht tue, werde es auch keinen Frieden geben.

Bushs Kritik ohne Wirkung

Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi: Anschlag überlebt
AP

Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi: Anschlag überlebt

Die israelische Regierung führte mit den Angriffen zugleich die US-Regierung vor. Präsident Bush hatte unmittelbar nach dem Anschlag auf Hamas-Führer Rantisi durch seinen Sprecher Ari Fleischer mitteilen lassen, er sei "zutiefst erschüttert". Bush befürchte, dass damit die Anstrengungen, dem Terrorismus in Israel ein Ende zu machen, untergraben werden könnten. Jedenfalls sei nicht gerade zur Sicherheit des Landes beigesteuert worden, sagte Fleischer. Zwar habe Israel ein Recht, sich zu verteidigen, jedoch nur in angemessener Weise.

Auch US-Außenminister Colin Powell hatte die israelische Regierung für die Attacke auf Rantisi kritisiert. "Wir sind sehr besorgt über die Ereignisse vom heutigen Tage in Gaza", sagte Powell. "Solche Aktionen den von uns erhofften Fortschritt bei der Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans verzögern."

Der Anschlag in der Innenstadt von Gaza ereignete sich nur wenige Tage nachdem Bush zusammen mit Scharon und dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas einen Nahost-Friedensplan auf den Weg gebracht hatte. Bei dem Gipfel im jordanischen Akaba hatte der US-Präsident deutlich seine Entschlossenheit gezeigt, im Nahen Osten hart durchzugreifen und Scharon überraschend stark unter Druck gesetzt.



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