Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gaza-Israel-Konflikt: Vermittler dringend gesucht

Aus Tel Aviv und der Grenze zum Gazastreifen berichtet

Die Situation zwischen Palästinensern und Israelis ist verfahren, Verhandlungen wären dringend nötig. Doch es gibt niemanden, der sie führen kann - oder will.

Im israelischen Grenzgebiet zu Gaza ist ständig ein Donnergrollen zu hören. Es sind Kampfjets, die Richtung Gaza fliegen, um dort ihre Bomben abzuwerfen. In Israel sind selbst in Tel Aviv immer wieder Sirenen zu hören. Am Mittwochmorgen warnen Lautsprecherdurchsagen - Alarmstufe Rot. Vier Raketen aus Gaza sind im Anflug, doch Israels Raketenabwehrsystem schießt sie ab.

Es ist der neunte Tag seit Beginn des jüngsten Krieges, und ein Ende der Gewalt ist nicht absehbar. Rund 200 Palästinenser wurden inzwischen getötet, drei Viertel von ihnen Zivilisten. Über eintausend Menschen wurden verletzt. Am Dienstagabend wurde ein israelischer Familienvater getötet. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte an, er werde den Einsatz ausweiten. Wie, verriet er nicht. Die Beteiligung von Bodentruppen ist bisher unwahrscheinlich.

Die Positionen der beiden Konfliktparteien liegen weit auseinander: Netanjahu will die Macht der Hamas drastisch begrenzen. Doch die Radikalislamisten wiederum fordern Zugeständnisse vom israelischen Premier. Die Hamas will das Feuer auf israelische Ziele nicht einstellen, bis sie Zusagen für konkrete Erleichterungen erhält. Das Abkommen von 2012 sah zwar eine Lockerung der israelischen Grenzbeschränkungen vor, die das Leben der Menschen im Gazastreifen unerträglich machen. Doch passiert ist bisher wenig.

Die Meinungsverschiedenheiten und das Misstrauen sind groß auf beiden Seiten. Umso mehr bräuchte es in dieser Stunde Diplomaten, die eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien schaffen. Doch genau da liegt das Problem: Es gibt bisher niemanden. Die traditionellen Vermittler haben wenig Lust oder kaum Einfluss:

  • Ägypten: Das arabische Land ist traditionell Vermittler zwischen Hamas und Israel. Doch Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hat bisher keine große Lust gezeigt, aktiv zu werden. Er hält die Hamas für einen Erzfeind und freut sich, wenn Israel den Gazastreifen noch länger bombardiert. Auf Druck der USA sprach Sisi mit Netanjahu am Dienstag eine Waffenruhe ab. Allerdings informierte Kairo nicht die Hamas darüber - kein Wunder, dass aus dem Plan vorerst nichts wurde.
  • Türkei: Ankara hatte lange guten Kontakte zu Palästinensern und Israelis. Doch unter Premierminister Recep Tayyip Erdogan hat sich das Verhältnis zu Israel rapide verschlechtert - vor allem wegen Gaza. Unvergessen ist der Vorfall von 2010: Israel erschoss türkische Aktivisten, die per Schiff Hilfsgüter nach Gaza bringen und Israels Seeblockade durchbrechen wollten. Als Vermittler fällt die Türkei deshalb aus.
  • Mahmud Abbas: Der palästinensische Präsident sieht die Hamas als Rivalen an, auch wenn seine Fatah-Fraktion sich vor Kurzem pro forma mit ihr versöhnt hat. Der Einfluss von Abbas ist gering im Gazastreifen, vor allem auf den militärischen Flügel der Hamas.
  • USA: Außenminister John Kerry hat zwar seine Hilfe beim Vermitteln angeboten. Doch Ägypter und Israelis wollen davon bisher nichts wissen. Sie möchten den Eindruck verhindern, dass sie auf Drängen Washingtons einlenken. Kerrys Einfluss ist deshalb begrenzt. Mit seiner neunmonatigen Friedensmission zwischen Netanjahu und Abbas ist er gescheitert.
  • Nahost-Quartett: Die Gruppe wurde 2002 ins Leben gerufen, um zwischen Palästinensern und Israelis zu vermitteln. Ihr gehören Russland, die USA, die Uno und die EU an. Ihr Sondergesandter ist der frühere britische Premier Tony Blair. Doch er hat nicht viel zu melden. Immer öfter wird gefordert, den erfolglosen Gesandten endlich abzusetzen.
  • Deutschland: Außenminister Frank-Walter Steinmeier war am Montag und Dienstag in der Region. Er sagte allerdings, dass er für eine Vermittlerrolle nicht zu haben sei.

Am Mittwoch will Mahmud Abbas nach Ägypten fliegen, am Freitag geht es für ihn in die Türkei. Der unwillige Vermittler muss nun das scheinbar Unmögliche schaffen und eine Rückkehr zur Waffenruhe aushandeln. Schnell gehen wird dies wahrscheinlich nicht.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Da fällt mir nur...
juergw. 16.07.2014
Zitat von sysopAP/ dpaDie Situation zwischen Palästinensern und Israelis ist verfahren, Verhandlungen wären dringend nötig. Doch es gibt niemanden, der sie führen kann - oder will. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-israel-konflikt-vermittler-fehlen-fuer-verhandlungen-a-981299.html
Steinmeier ein.Er hatte das Abkommen mit Janukowisch ausgehandelt.Nun gut ,hat nur 48 Stunden gehalten...
2. Wer hat Interesse
dr.nick 16.07.2014
einen Job zu machen, der weder wirklich funktionieren wird noch länger als eine Woche hält? Keiner von beiden Parteien möchte Frieden. Das Volk wird eh nicht gefragt und somit sollen sie mal ruhig so weiter machen. Die Leute Vorort tun mir leid. Die Politiker nicht. Da kann man seine Zeit besser verschwenden. Neue Steuern "erfinden".:-)
3. Vermittlung
darthmax 16.07.2014
Die eine Partei möchte Samaria und Judäa ohne Bewohner, die andere die Rückabwicklung von 49. Da gibt es nichts zu vermitteln, solange die Hardliner auf beiden Seiten regieren.
4. Aussichtslos
WernerS 16.07.2014
Solange Israel nicht einmal auf das unmoralisch logische Niveau eines Macchiavelli oder Sun Tzu zurückfällt, ist jede Vermittlung aussichtslos. Wie kann man so beschränkt bescheuert sein und glauben, man müsse den Feind, einschließlich der Zivilisten nur lange genug demütigen, entrechten, bombardieren, beschießen, damit der merkt, dass man nur sein Bestes und Frieden will?
5. Vermittlung
Bücherleser2014 16.07.2014
Eine Vermittlung kann nur unter massivem Druck erfolgen: Sofortige Einstellung aller Finanz- und Waffenhilfen an beide Konfliktparteien. Einbezug der gesamten Konfliktsituation, inclusive Westjourdanland (Siedlungen, Mauer, ...). Es geht nicht an, dass der Gaza/Hamas-Konflikt aus der Gesamtlage herausgelöst wird, da Israel ansonsten im Westjordanland die Politik des Weiterso und der permanenten Nadelstiche verfolgt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Gaza-Krieg: Erneute Eskalation in Nahost

Karte

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 8,358 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Israel-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: