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Vermisster Leutnant: Israelische Soldaten durchkämmen südlichen Gaza-Streifen

Gaza-Streifen: Suche nach vermisstem israelischen Soldat Fotos
DPA

Mit einem Großeinsatz sucht die israelische Armee ihren verschwundenen Leutnant. 200 Ziele im Gaza-Streifen wurden in 24 Stunden bombardiert. Die Waffenstillstandsgespräche sind geplatzt.

Gaza/Tel Aviv - Israel sucht mit einem massiven Armeeeinsatz nach einem Soldaten, den vermutlich militante Palästinenser am Freitag entführt haben. Ganze Truppenformationen durchkämmten im südlichen Gaza-Streifen Häuser und verdächtige Orte, unterstützt von massivem Artilleriefeuer, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Samstag online. Eine Militärsprecherin bestätigte, dass Israel in den vergangenen 24 Stunden 200 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer angegriffen hat.

Die meisten dieser Ziele lagen in der südlichen Stadt Rafah und ihrem Umland. Dort hatten militante Islamisten den israelischen Soldaten am Freitagmorgen entführt. Bei den Angriffen wurden in der Nacht mindestens 50 Palästinenser getötet, teilte Aschraf al-Kidra, der Sprecher des örtlichen Gesundheitsministeriums, mit.

Israelische Flugzeuge bombardierten am Samstag auch die der Hamas nahestehende Islamische Universität in der Stadt Gaza. Die Armee habe dort ein Waffenlabor lokalisiert, sagte eine israelische Militärsprecherin. Die Hochschuleinrichtung war auch im Gaza-Konflikt zur Jahreswende 2008/09 mit einer ähnlichen Begründung bombardiert worden.

Anwohner in Nord-Gaza dürfen in Häuser zurückkehren

Am Samstagnachmittag gab die Armee bekannt, Anwohner der Stadt Beit Lahija im Norden des Gaza-Streifens könnten in ihre Häuser zurückkehren - möglicherweise ein Signal, dass die Offensive dort zurückgefahren werden könnte. "Haaretz" zitierte einen hochrangigen Armeevertreter mit den Worten, es seien "fast alle Tunnel der Hamas" im Gaza-Streifen zerstört.

Am frühen Samstagmorgen setzte auch die palästinensische Seite ihre Angriffe auf Israel fort. In Tel Aviv heulten um 5 Uhr die Warnsirenen. Nach Angaben des israelischen Militärs schoss die Raketenabwehr zwei Raketen über Tel Aviv und eine über der südlichen Stadt Beerscheva ab. Am Tag zuvor hatten die Militanten rund 40 Geschosse aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert.

Schicksal des vermissten Soldaten ungewiss

Das Schicksal des vermissten 23 Jahre alten Leutnants Hadar Goldin ist unklar. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, bestritt am Samstagmorgen, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben. "Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem (nachfolgenden israelischen) Bombardement getötet wurden", hieß es in einer Mitteilung. Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen.

Nach einer Meldung der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan hatten die Kassam-Brigaden zuvor noch bestätigt, Goldin gefangen genommen zu haben.

Die in Kairo geplanten Waffenstillstandsgespräche scheinen nach der Entführung geplatzt. Israel wird nach Regierungsangaben vorerst keine Delegation nach Kairo schicken. In Kairo werden am Samstag Vertreter verschiedener Palästinenserorganisationen zu Gesprächen erwartet. Ägyptens Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hatte am Vormittag deutlich gemacht, dass er die Verhandlungen nicht verloren gibt.

fab/AFP/dpa/Reuters

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