Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Nahost-Konflikt: Israel fordert deutsche Inspektoren in Gaza

Deutschland soll sich im Gaza-Konflikt stärker einbringen, fordert Israels Außenminister Avigdor Lieberman. US-Präsident Obama äußert sich mit harten Worten zur Hamas: "Ich habe kein Mitleid."

Zerstörung: Khuzaa im Gaza-Streifen Zur Großansicht
REUTERS

Zerstörung: Khuzaa im Gaza-Streifen

Berlin - Noch ruhen die Waffen im Gaza-Konflikt - vorläufig bis Freitagmorgen 8 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ) haben sich die Israelis und Palästinenser auf eine Feuerpause verständigt. Doch wird die Waffenruhe verlängert? Bisher gibt es keine Einigkeit, den ägyptischen Vermittlern bleiben nur noch rund 24 Stunden, um eine Lösung zu finden.

Der israelische Vize-Premier und Außenminister Avigdor Lieberman machte nun klar, wen er in den Vermittlungen in der Pflicht sieht. Er rief Deutschland zu mehr Engagement in dem Konflikt auf. "Die Deutschen als politische Führungsnation in Europa müssen eine ganz entscheidende Rolle im Gaza-Konflikt einnehmen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Berlin müsse die Regierungen der EU an einen Tisch bringen und eine Lösung entwickeln, um die wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe in Gaza abzuwenden.

Lieberman forderte die Entsendung von Inspektoren aus Deutschland und der EU nach Gaza. Diese sollten den Handel der Palästinenser mit den Nachbarstaaten kontrollieren. Die Bundesregierung müsse "als Anführer einer solchen Mission Verantwortung übernehmen", sagte Lieberman. Es gehe darum, eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern.

"Ich habe kein Mitleid mit der Hamas"

US-Präsident Barack Obama sagte am Mittwoch in Washington zum Ende des dreitägigen Afrika-Gipfels in Washington zur Gaza-Krise: "Ich habe kein Mitleid mit der Hamas. Ich habe viel Mitleid mit den gewöhnlichen Menschen, die sich in Gaza abmühen." Wenn Gaza dauerhaft vom Rest der Welt abgeschnitten werde, könne das Gebiet sich nicht allein tragen. Den Menschen können dann weder zu Jobs noch zu Wirtschaftswachstum verholfen werden.

Obama fügte hinzu, die USA unterstützten die ägyptischen Bemühungen um eine längerfristige Beruhigung des Gaza-Konflikts. Allerdings zeichnet sich in den Verhandlungen kein Durchbruch ab. Während Israel die Bereitschaft zu einer "bedingungslosen Verlängerung" der seit Dienstag bestehenden Feuerpause betonte, erklärte die Hamas, es gebe keine Einigung. Die radikalislamische Palästinenserorganisation will Zugeständnisse erreichen. "Es gibt keine Einigung, die Waffenruhe zu verlängern", schrieb Hamas-Vize Mussa Abu Marsuk auf Twitter.

Bei den Verhandlungen geht es auch um die Frage, wie die Grenzen des Gaza-Streifens künftig kontrolliert werden können, um neue Waffenlieferungen an die Hamas zu verhindern.

In Israel wird befürchtet, dass mit Ende der vorläufigen Feuerpause die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen wieder beginnen können. "Wir nehmen diese Bedrohung ernst", sagte Kommunikationsminister Gilad Erdan dem israelischen Rundfunk am Donnerstag. Sollten die militanten Palästinenserorganisationen in Gaza ihre Attacken wiederaufnehmen, drohte er: "Die Armee wird dann wieder aktiv werden, und ich denke mit größerer Wucht."

EU will Beamte zum Grenzübergang Rafah schicken

Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten am Mittwoch gemeinsam Hilfen für eine dauerhafte Lösung in dem Konflikt angeboten. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, es werde unter anderem vorgeschlagen, die EU-Grenzmission Eubam am Übergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen wieder aufzunehmen. Zudem könne eine internationale Überwachungsmission bei einer Vereinbarung zur Entwaffnung radikaler Gruppen im Gaza-Streifen helfen.

Bei den vierwöchigen erbitterten Kämpfen waren in dem Konflikt fast 1900 Palästinenser, der Großteil davon Zivilisten, getötet worden. Auf israelischer Seite gab es 67 Todesopfer.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verteidigte das militärische Vorgehen im Gaza-Streifen als "gerechtfertigt" und "verhältnismäßig". Auf einer Pressekonferenz in Jerusalem sagte er, jeder getötete Zivilist sei "eine Tragödie", für die aber allein die Hamas verantwortlich sei. Sie habe die Opferzahl gezielt in die Höhe getrieben, indem sie Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchte habe.

heb/dpa/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL
Fotostrecke
Israel vs. Hamas: Atemholen in der Feuerpause

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 8,358 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Israel-Reiseseite


Fotostrecke
Erneute Waffenruhe: Rückzug aus dem Gaza-Streifen

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: