Konflikt in Gaza: Ägypten zieht Botschafter aus Israel ab

Die arabischen Länder haben mit heftigen Protesten auf den israelischen Militärschlag gegen die Hamas reagiert. Die ägyptische Regierung zog ihren Botschafter aus Israel ab. Der Uno-Sicherheitsrat berief eine Sondersitzung ein.

Trümmer in Gaza-Stadt: Israel will Militäroperation gegen Hamas fortsetzen Zur Großansicht
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Trümmer in Gaza-Stadt: Israel will Militäroperation gegen Hamas fortsetzen

Jerusalem/Gaza - Aus Protest gegen die Militäroperation gegen die Hamas in Gaza hat die ägyptische Regierung ihren Botschafter aus Israel abgezogen. Zudem wurde auf Initiative Ägyptens eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats einberufen, der sich noch in der Nacht zum Donnerstag mit der Krise im Gaza-Streifen befassen will.

Zuvor hatte die Hamas andere arabische Staaten, insbesondere Ägypten, dazu aufgerufen, Israel von weiteren "barbarischen" Militärschlägen abzuhalten. Die Arabische Liga berief eine Dringlichkeitssitzung für Samstag ein, sagte der Vertreter des Libanon der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Außenminister des Emirats Katar, Scheich Hamad Bin Dschasim al-Thani, forderte, das "schmutzige Verbrechen" dürfe nicht unbestraft bleiben: "Der Uno-Sicherheitsrat muss nun Verantwortung übernehmen und Frieden und Sicherheit in der Welt sicherstellen." Auch der russische Außenminister Sergei Lawrow rief Israel zu einem Ende der Gewalt im Gazastreifen auf.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dagegen ist bereit, die Operation auszuweiten. "Wir haben heute eine klare Botschaft an die Hamas und andere Terrororganisationen übermittelt und sind bereit, den Einsatz auszuweiten, sollte dies notwendig werden", sagte Netanjahu am Mittwochabend in einer Fernsehansprache. Die Kämpfe dürften sich noch Tage hinziehen, sagte ein Militärsprecher in Jerusalem und schloss eine Bodenoffensive nicht aus.

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Angriff im Gaza-Streifen: Israel tötet Hamas-Militärchef
Am Mittwochmorgen hatte Israel den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabari, durch einen Raketenangriff getötet. Nach Angaben der radikal-islamischen Organisation wurde dabei auch der Sohn des Kommandeurs getötet. Bei insgesamt mehr als 20 Luftangriffen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen sieben weitere Palästinenser. Zudem seien 37 Menschen verletzt worden, davon zehn schwer.

Als Reaktion auf die israelischen Attacken feuerten militante Palästinenser mindestens 20 Raketen Richtung Israel. Das sagte der Mickey Rosenfeld, der Sprecher der israelischen Polizei. In der Stadt Beerscheva seien mehrere Autos durch Raketeneinschläge in Brand geraten und zwei Gebäude getroffen worden. Opfer habe es in Israel zunächst nicht gegeben. Das israelische Militär teilte mit, insgesamt 13 Geschosse aus dem Gazastreifen seien von der Raketenabwehr noch in der Luft zerstört worden.

Unterstützung erhielt Israel von den USA. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, das die USA unterstützten, sagte US-Außenamtssprecher Mark Toner. Zugleich rief er Israel allerdings dazu auf, zivile Opfer zu vermeiden. Außerdem verurteilte er den Raketenbeschuss auf südisraelische Gebiete durch Extremisten der Hamas.

max/Reuters/AP/dpa

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1. Und schon wieder Katar
topodoro 14.11.2012
Katar forderte eine Bestrafung Israels für die Attacke. "Diese schmutzige Verbrechen darf nicht unbestraft bleiben", sagte der Außenminister des Emirats, Scheich Hamad Bin Dschasim al-Thani, zu den Militäraktionen der IDF. So weitet Katar seinen Aktionsradius nicht nur in Syrien bis zum Mittelmeer aus.
2.
Rodri 14.11.2012
Zitat von sysopDie arabischen Länder haben mit heftigen Protesten auf den israelischen Militärschlag gegen die Hamas reagiert. Die ägyptische Regierung zog ihren Botschafter aus Israel ab. Die arabische Liga berief eine Dringlichkeitssitzung ein. Gaza-Konflikt: Ägypten zieht Botschafter aus Israel ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-aegypten-zieht-botschafter-aus-israel-ab-a-867333.html)
Es wird Zeit, dass man der Terrorherrschaft in Katar ein Ende bereitet. Die Nato sollte auf die erneuten Agressionen aus Katar entsprechend reagieren !
3. Heuchlerisch
shareman 14.11.2012
Ich kann mich nicht erinnern, dass Katar oder andere Araber gegen die Raketen Angriffe der Hamas protestiert haben.
4. Katar?
graphicdog 14.11.2012
Zitat von RodriEs wird Zeit, dass man der Terrorherrschaft in Katar ein Ende bereitet. Die Nato sollte auf die erneuten Agressionen aus Katar entsprechend reagieren !
Ein paar Fragen: Was hat Katar getan, außer das Maul aufzureißen? Welche Agression ging bisher von Katar aus? Was hat die Nato damit zu tun? graphicdog
5. Objektiv bleiben
laziale1290 14.11.2012
Wieso wird immer automatisch Partei für Israel genommen in solchen Fällen? Es wurde ja noch nicht mal berichtet wieso dieser Angriff überhaupt stattgefunden hat. War er gerechtfertigt?
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Israels gezielte Tötungen: Raketen, Gift und Schokolade

Geschichte Israels

Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.
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Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht