Gewalt in Nahost: Uno-Generalsekretär Ban verlangt sofortige Waffenruhe in Gaza

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich in den Gaza-Konflikt eingeschaltet: Israel und die Hamas sollten schnellstmöglich eine Feuerpause vereinbaren. Das Sterben im Gaza-Streifen geht weiter. Bei neuen israelischen Angriffen kamen Berichten zufolge mehrere Menschen ums Leben.

New York/Tel Aviv - Der gewaltsame Konflikt zwischen Israel und palästinensischen Extremisten im Gaza-Streifen kostet immer mehr Menschen das Leben. Jetzt schaltet sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ein. Er will sich bei seiner Reise in die Region persönlich für ein Ende der Kämpfe zwischen der radikal-islamischen Hamas und Israel einsetzen. Das erklärte Ban nach Angaben eines Uno-Sprechers in New York.

Der Südkoreaner forderte Israel und die Hamas nachdrücklich zu einer umgehenden Waffenruhe auf. Die beiden Konfliktparteien sollten mit Ägypten als Vermittler kooperieren. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden. Ban wird am Montag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet.

Der israelische Vize-Außenminister Dani Ajalon sagte dem Zweiten Israelischen Fernsehen am Montag: "Unsere kategorische Forderung ist ein vollständiger Stopp der Raketenangriffe." Es müsse im Rahmen einer Waffenruhe auch dafür gesorgt werden, dass die Hamas sich nach Ende der Konfrontationen nicht wieder neu bewaffnen könne.

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Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten
Die Hamas fordert als Bedingung für eine Waffenruhe wiederum ein Ende der israelischen Angriffe im Gaza-Streifen und der gezielten Tötungen sowie eine Aufhebung der Blockade des Palästinensergebiets. Die Verhandlungen zwischen Hamas und Israel in Kairo hätten zwar Fortschritte gemacht, aber dennoch sei eine Feuerpause in den kommenden Tagen unwahrscheinlich, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan unter Berufung auf den PLO-Politiker Nabil Schaath, der vom Hamas-Exilchef Chalid Maschaal unterrichtet worden war.

Immer mehr palästinensische Zivilisten kommen ums Leben

Die israelischen Streitkräfte bombardieren unterdessen weiter Ziele im Gaza-Streifen. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete am frühen Montagmorgen, Luftwaffe und Kriegsmarine hätten ihre Angriffe in der Nacht fortgesetzt. Zwei Häuser wurden Berichten zufolge vollständig zerstört. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben. 42 weitere Menschen seien verletzt worden. Rettungsmannschaften suchten noch nach zwölf bis 15 weiteren Menschen, die unter den Trümmern vermutet wurden.

Israelische Kampfflugzeuge hätten am Montag auch die Reste einer ehemaligen Anlage der nationalen Sicherheitsbehörden in Gaza bombardiert, sagte ein palästinensischer Sprecher. Dabei sei ein Kind von herumfliegenden Granatsplittern tödlich verletzt worden.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, seit Beginn des Militäreinsatzes am Mittwoch seien mehr als 80 Palästinenser getötet und rund 700 weitere verletzt worden. Unter Berufung auf Sanitäter berichtete Maan weiter, dass alleine seit Mitternacht neun Menschen getötet worden seien. Auf der israelischen Seite kamen bis Sonntagabend drei Zivilisten ums Leben.

In den israelischen Städten im Umkreis des Gaza-Streifens blieb es in der Nacht zu Montag überwiegend ruhig. Am Morgen gab es jedoch in nahe gelegenen Ortschaften wieder Luftalarm.

Obama bekräftigt Israels Selbstverteidigungsrecht

Beim bislang blutigsten Angriff der israelischen Streitkräfte seit Beginn der jüngsten Offensive waren am Sonntag mindestens elf palästinensische Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern waren palästinensischen Angaben zufolge vier Kinder und fünf Frauen. Sie starben, als eine israelische Rakete in einem zweigeschossigen Haus in einer Wohngegend von Gaza-Stadt einschlug, in dem das israelische Militär einen Extremisten vermutete.

Bis Sonntagabend hat Israel Armeeangaben zufolge 1100 Ziele in dem von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen angegriffen. Von dort seien fast 1000 Raketen auf Israel abgefeuert worden. 540 seien eingeschlagen, 287 im Flug abgefangen worden.

Parallel gingen internationale Bemühungen um eine Waffenruhe weiter. Ein israelischer Unterhändler kam zu Gesprächen mit der Hamas nach Kairo. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will in Kürze nach Israel reisen. Am Sonntag telefonierte er mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Die Außen- und Verteidigungsminister der EU wollen an diesem Montag in Brüssel über den Gaza-Konflikt beraten.

Die andauernde Gewalt nährt Sorgen vor einer israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Operation im Gaza-Streifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Tausende Reservisten werden nach Armeeangaben auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet. Bis zu 75.000 Israelis müssen mit einer Einberufung rechnen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Sonntag, eine Fortsetzung der Militäroperation sei "selbstverständlich".

US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Selbstverteidigungsrecht Israels. Kein Land würde es tolerieren, dass von außerhalb seiner Grenzen immer wieder Raketen auf sein Territorium abgefeuert würden, sagte er am Sonntag. Zuvor hatte ein hochrangiger US-Sicherheitsberater gesagt, die israelische Regierung habe die Entscheidung über eine Bodenoffensive selbst in der Hand.

anr/dpa/AFP/dapd

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1. herzlichen Dank
Spiegelleserin57 19.11.2012
Zitat von sysopREUTERSUno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich in den Gaza-Konflikt eingeschaltet: Israel und die Hamas sollten schnellstmöglich eine Feuerpause vereinbaren. Das Sterben im Gaza-Streifen geht weiter. Bei neuen israelischen Angriffen starben mehrere Menschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-ban-ki-moon-verlangt-sofortige-waffenruhe-a-867964.html
an Ban Ki Moon. Endlich jemand der dem Krieg ein Ende setzen will. Man fragt sich oft ob hier nicht die Waffenindustrie mal wieder aktiv ist und die Staaten gegeneinder aufhetzt was wohl leicht sein dürfte. Es ist schon bedenklich dass gemeldet wurde dass Obama die Kriegsführung der Israelis für gut heißt mit dem Argument der Verteidigung. Kein Krieg ist gut Herr Obama, egal wer ihn führt.
2. Warum
Toe Jam 19.11.2012
verlangte Ban nicht schon vor Wochen das Einstellen des Raketenbeschusses auf Israel? Warum sagt er nichts gegen die Juden-Hetze in Schulbüchern, was dagegen, dass die Hilfsgelder an die Palästinenser für Raketen ausgegeben werden? Warum nichts gegen die menschlichen Schutzschilde, das Unterbringen von Abschussrampen inmitten von Wohngebieten und Krankenhäusern? Warum nichts gegen Repressalien und die Folter gegenüber den Palästinensern, die sich gegen die Hamas aussprechen?
3. Wie oft...
grafwagner 19.11.2012
hat in den letzten Jahrzehnten ein hoher Diplomat in diesem Dauerkonflikt eine Waffenruhe gefordert? Selbst US-Präsidenten mit und ohne Friedensnobelpreis haben das bisher nicht geschafft! Zwischen der Diplomatie und einem Krieg existieren Zwischenstufen, die scheinen aber nun endgültig erschöpft zu sein. Auf beiden Seiten.
4. Liebe Redaktion,
sappelkopp 19.11.2012
Zitat von sysopREUTERSUno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich in den Gaza-Konflikt eingeschaltet: Israel und die Hamas sollten schnellstmöglich eine Feuerpause vereinbaren. Das Sterben im Gaza-Streifen geht weiter. Bei neuen israelischen Angriffen starben mehrere Menschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-ban-ki-moon-verlangt-sofortige-waffenruhe-a-867964.html
...warum schreiben Sie UN-General? Der Mann ist genausowenig General wie ein Generalintendant! Er ist allenfalls ein Sekretär. Schreiben Sie doch einfach Ban Ki Moon. Jeder weiß, wer gemeint ist. Ach, Sie trauen Ihren Lesern nicht zu zu wissen, wer Ban Ki Moon ist? Nun, ich finde solche Leser sollten Sie dann nicht auch noch bedienen. Mir jedenfalls machen solche unsauberen Überschriften keinen Spaß!
5. Kein Krieg ist gut, Herr Obama!
zettelpapier 19.11.2012
zumindest nicht für die, die nicht an ihm verdienen! Und wenn ein Krieg unter der schützenden Hand der USA geführt wird, ist das doch ok? Aber mal im Ernst, dieser Konflikt zieht sich ja schon seit Ewigkeiten hin und ist nun mal wieder angefacht worden. Ich wage zu behaupten, dass Israel dies als "Übung" für eine weitaus größere Sache ist. Wir wollen ja nicht vergessen, dass es einige Leute gibt, die darauf drängen, den Iran anzugreifen, damit er niemals eine Atommacht werden kann. Auch nicht, wenn sie den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben haben und somit versicherten, dass sie die Technologie nicht zum Bau atomarer Waffen verwenden wollen. Aber das ist ja völlig egal... Palestinenser... Iraner... SCHURKENSTAATEN! Wo mag das noch hinführen?
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Reichweite der Hamas-Raketen Zur Großansicht
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Reichweite der Hamas-Raketen


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Raketenbeschuss in Israel: Volltreffer aufs Dach

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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Raketenabwehr "Iron Dome": Israels Eisenkuppel
Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
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Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
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Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.