New York/Tel Aviv - Der gewaltsame Konflikt zwischen Israel und palästinensischen Extremisten im Gaza-Streifen kostet immer mehr Menschen das Leben. Jetzt schaltet sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ein. Er will sich bei seiner Reise in die Region persönlich für ein Ende der Kämpfe zwischen der radikal-islamischen Hamas und Israel einsetzen. Das erklärte Ban nach Angaben eines Uno-Sprechers in New York.
Der Südkoreaner forderte Israel und die Hamas nachdrücklich zu einer umgehenden Waffenruhe auf. Die beiden Konfliktparteien sollten mit Ägypten als Vermittler kooperieren. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden. Ban wird am Montag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet.
Der israelische Vize-Außenminister Dani Ajalon sagte dem Zweiten Israelischen Fernsehen am Montag: "Unsere kategorische Forderung ist ein vollständiger Stopp der Raketenangriffe." Es müsse im Rahmen einer Waffenruhe auch dafür gesorgt werden, dass die Hamas sich nach Ende der Konfrontationen nicht wieder neu bewaffnen könne.
Immer mehr palästinensische Zivilisten kommen ums Leben
Die israelischen Streitkräfte bombardieren unterdessen weiter Ziele im Gaza-Streifen. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete am frühen Montagmorgen, Luftwaffe und Kriegsmarine hätten ihre Angriffe in der Nacht fortgesetzt. Zwei Häuser wurden Berichten zufolge vollständig zerstört. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben. 42 weitere Menschen seien verletzt worden. Rettungsmannschaften suchten noch nach zwölf bis 15 weiteren Menschen, die unter den Trümmern vermutet wurden.
Israelische Kampfflugzeuge hätten am Montag auch die Reste einer ehemaligen Anlage der nationalen Sicherheitsbehörden in Gaza bombardiert, sagte ein palästinensischer Sprecher. Dabei sei ein Kind von herumfliegenden Granatsplittern tödlich verletzt worden.
Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, seit Beginn des Militäreinsatzes am Mittwoch seien mehr als 80 Palästinenser getötet und rund 700 weitere verletzt worden. Unter Berufung auf Sanitäter berichtete Maan weiter, dass alleine seit Mitternacht neun Menschen getötet worden seien. Auf der israelischen Seite kamen bis Sonntagabend drei Zivilisten ums Leben.
In den israelischen Städten im Umkreis des Gaza-Streifens blieb es in der Nacht zu Montag überwiegend ruhig. Am Morgen gab es jedoch in nahe gelegenen Ortschaften wieder Luftalarm.
Obama bekräftigt Israels Selbstverteidigungsrecht
Beim bislang blutigsten Angriff der israelischen Streitkräfte seit Beginn der jüngsten Offensive waren am Sonntag mindestens elf palästinensische Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern waren palästinensischen Angaben zufolge vier Kinder und fünf Frauen. Sie starben, als eine israelische Rakete in einem zweigeschossigen Haus in einer Wohngegend von Gaza-Stadt einschlug, in dem das israelische Militär einen Extremisten vermutete.
Bis Sonntagabend hat Israel Armeeangaben zufolge 1100 Ziele in dem von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen angegriffen. Von dort seien fast 1000 Raketen auf Israel abgefeuert worden. 540 seien eingeschlagen, 287 im Flug abgefangen worden.
Parallel gingen internationale Bemühungen um eine Waffenruhe weiter. Ein israelischer Unterhändler kam zu Gesprächen mit der Hamas nach Kairo. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will in Kürze nach Israel reisen. Am Sonntag telefonierte er mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Die Außen- und Verteidigungsminister der EU wollen an diesem Montag in Brüssel über den Gaza-Konflikt beraten.
Die andauernde Gewalt nährt Sorgen vor einer israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Operation im Gaza-Streifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Tausende Reservisten werden nach Armeeangaben auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet. Bis zu 75.000 Israelis müssen mit einer Einberufung rechnen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Sonntag, eine Fortsetzung der Militäroperation sei "selbstverständlich".
US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Selbstverteidigungsrecht Israels. Kein Land würde es tolerieren, dass von außerhalb seiner Grenzen immer wieder Raketen auf sein Territorium abgefeuert würden, sagte er am Sonntag. Zuvor hatte ein hochrangiger US-Sicherheitsberater gesagt, die israelische Regierung habe die Entscheidung über eine Bodenoffensive selbst in der Hand.
anr/dpa/AFP/dapd
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