Bruch der Waffenruhe Hamas feuert wieder auf Israel

Israel beklagt den Bruch der Waffenruhe im Gaza-Konflikt: Noch vor Ablauf der 72-Stunden-Frist soll die Hamas neue Raketen abgefeuert haben, was diese dementiert. Eine Verlängerung der Feuerpause lehnt die radikale Palästinensergruppe ab.

Abschuss von Hamas-Rakete auf Israel (Archivbild): Ende der Waffenruhe
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Abschuss von Hamas-Rakete auf Israel (Archivbild): Ende der Waffenruhe


Berlin/Tel Aviv - Radikale Palästinenser haben nach Angaben der israelischen Armee die Waffenruhe im Gaza-Konflikt gebrochen. Zwei aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen seien im Süden Israels niedergegangen, teilte ein Sprecher der Streitkräfte am frühen Freitagmorgen mit. "Terroristen haben die Feuerpause missachtet." Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Die radikalislamische Hamas dementierte dies und sprach von israelischer Propaganda.

Eine 72-stündige Waffenruhe zwischen Israel und radikalen Palästinenserorganisationen im Gaza-Streifen war bis Freitagmorgen um 7 Uhr (MESZ) angesetzt.

Die Hamas verkündete, dass sie die Feuerpause nicht verlängern wird. Das teilten zwei ranghohe Vertreter der Organisation in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mit, wo indirekte Verhandlungen mit Israel über eine dauerhafte Waffenruhe liefen. "Wir lehnen es ab, die Waffenruhe zu verlängern, das ist eine endgültige Entscheidung, Israel hat nichts vorgeschlagen", sagte ein Hamas-Mitglied, das zur Palästinenserdelegation in Kairo gehört, der Nachrichtenagentur AFP.

Hamas droht mit neuen Angriffen

Zuvor hatte der bewaffnete Arm der Hamas damit gedroht, im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen in Kairo die Angriffe auf Israel wieder aufzunehmen. "Wir rufen die palästinensische Delegation auf, keinen Waffenstillstand zu akzeptieren, falls die Forderungen unseres Volks nicht erfüllt werden", sagte ein Sprecher der Essedin-al-Kassam-Brigaden am Donnerstag in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung.

Ägyptische Unterhändler ringen mit Israelis und Palästinensern in Kairo um eine dauerhafte Beruhigung des Konflikts. Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gaza-Streifens. Dabei nennen sie den Bau eines See- und Flughafens in Gaza, eine Aufhebung von Einschränkungen bei der Geldüberweisung und eine Ausweitung der Fangzone für Fischer. Sie verlangen auch die Freilassung von Häftlingen.

Israel fordert als Bedingung für einen Wiederaufbau des zerstörten Gaza-Streifens eine Entmilitarisierung des schmalen Küstengebiets und eine Entwaffnung der militanten Organisationen. Dies lehnt die Hamas bislang kategorisch ab.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beklagte eine verzerrte Wahrnehmung des Gaza-Konflikts in Deutschland und anderen europäischen Ländern. "Ich weiß, was viele Menschen in Deutschland sagen. Da gibt es viele Tote in Gaza, aber sie sehen nicht die 3500 Raketen, die auf israelisches Gebiet gefeuert werden und Zivilisten töteten", sagte Netanjahu in einem am Donnerstagabend im ZDF-"heute journal" ausgestrahlten Interview.

In einem Gespräch mit dem US-Sender Fox News betonte der Regierungschef, die Angriffe Israels richteten sich nicht gegen die Bevölkerung im Gaza-Streifen. "Wir wollen den Leuten im Gaza-Streifen helfen, die unter der Tyrannei (der Hamas) leiden."

Seit dem Beginn einer israelischen Offensive vor etwa einem Monat sind im Gaza-Streifen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 1886 Menschen getötet und mehr als 9800 verletzt worden. Auf der israelischen Seite kamen bei Kämpfen und Raketenbeschuss 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben, mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

flo/AFP/dpa

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