Gaza-Konflikt Israels Militär zerstört Moschee, Hamas feuert auf Tel Aviv

Der Uno-Sicherheitsrat fordert ein Ende der Gewalt in Nahost. Doch am fünften Tag der israelischen Offensive scheint eine Waffenruhe weit entfernt. Israels Bomben haben eine Moschee getroffen, die Hamas hat Raketen auf Tel Aviv gefeuert.


Gaza/Tel Aviv - Seit fünf Tagen bombardiert Israels Armee den Gazastreifen. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte kamen seit Beginn der israelischen Offensive am Dienstag mindestens 135 Menschen ums Leben, 930 wurden verletzt. Am Samstag weiteten die Streitkräfte die Luftangriffe noch einmal aus - und trafen neben einer Wohlfahrtsorganisation für Behinderte auch eine Moschee. Ein weiterer Angriff löschte nach Angaben der Hamas einen großen Teil der Familie des Polizeichefs von Gaza aus.

Die Wut über den Tod Dutzender Zivilisten ist groß. Das israelische Militär gab an, mehr als 1100 Ziele getroffen zu haben, darunter auch Vorrichtungen zum Raketenabschuss und Kontrollzentren der radikalislamischen Hamas. Außerdem seien Waffenschmieden und Warenlager zerstört worden. In der zentral gelegenen Moschee seien Raketen versteckt gewesen, wie sie die Hamas auf Israel gefeuert habe, teilte das Militär mit. Es sei Taktik der Milizen, Moscheen zum Verstecken von Waffen zu benutzen.

Kritiker verurteilen die Argumentation als zu pauschal, Israels Bombardement des dichtbesiedelten Küstengebiets sei das größte Risiko. Die Hamas hofft, dass ihnen die getroffene Moschee Unterstützung in der muslimischen Welt bringt. Die Attacke zeige, "wie barbarisch dieser Feind vorgeht und wie feindlich er gegenüber dem Islam ist", sagte ein Sprecher.

Bei einem Luftangriff auf das Haus des Polizeichefs von Gaza wurden nach palästinensischen Angaben 15 Menschen getötet. Damit handelt es sich um den schwersten Angriff seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen. Polizeichef Tajsir al-Batsch befinde sich in einem kritischen Zustand, hieß es aus Kreisen der Hamas. Die meisten Todesopfer stammten aus seiner Familie. Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte den Angriff zunächst nicht. Man prüfe die Angaben.

Im Norden von Israel schlugen erneut mindestens zwei Raketen aus dem Libanon ein. Die israelische Armee reagierte nach Militärangaben mit Artilleriebeschuss. Durch die Raketen sei niemand verletzt worden.

Die Arabische Liga kündigte an, am Montag zu einem Krisengipfel in Kairo zusammenkommen zu wollen. Mit den neuen Angriffen werden die Rufe der internationalen Gemeinschaft nach einem Ende des ausgebrochenen Konflikts immer lauter. Der Uno-Sicherheitsrat hat beide Seiten aufgefordert, die Waffen niederzulegen. Das Gremium sprach sich einstimmig für die Einhaltung der im November 2012 geschlossenen Waffenruhe aus.

Neue Raketen Richtung Tel Aviv

Zuvor hatte der Sicherheitsrat in einer ersten Stellungnahme für die Wiederherstellung der Ruhe plädiert. "Dieses Ziel wird erreicht werden, ob es nun militärisch oder diplomatisch geschieht", kommentierte dies ein israelischer Behördensprecher.

Der palästinensische Uno-Gesandte betonte, er verstünde die Aufforderung der Uno als unmittelbar umzusetzende Anordnung und werde genau beobachten, wie Israel reagiere.

Momentan scheint es allerdings nicht so, als fahre Israel die Offensive zurück. Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, seine Land solle sich auf einige weitere Tage des Kampfs einstellen. Man habe die Hamas erfolgreich getroffen und wolle weitermachen. "Wir werden Gaza weiter bestrafen - bis es ruhig ist und die Sicherheit im Süden Israels sowie im Rest des Landes wieder hergestellt ist", sagte Jaalon.

Kurz danach heulten auch in israelischen Städten wieder Sirenen, darunter in Tel Aviv. Nach eigenen Angaben feuerte die Hamas im Gazastreifen mehrere Raketen vom Typ J-80 auf die Stadt ab. Das israelische Fernsehen berichtete, die Raketen seien über der Stadt abgefangen worden. Zuvor waren auch drei Raketen in Richtung Jerusalem geschossen worden. Sie gingen im Westjordanland nieder. Ein Haus wurde dabei zerstört, aus Israel gibt es keine Berichte über Todesopfer.

gam/dpa/AP/AFP

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Addams 12.07.2014
1. Es ist zum Verzweifeln!
Zitat von sysopdpaDer Uno-Sicherheitsrat fordert ein Ende der Gewalt in Nahost. Doch am fünften Tag der israelischen Offensive scheint eine Waffenruhe weit weg. Israels Bomben haben eine Moschee getroffen, die Hamas hat Raketen auf Tel Aviv gefeuert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-israels-militaer-zerstoert-moschee-hamas-feuert-auf-tel-aviv-a-980734.html
Es ist doch unfassbar, wie ein Volk, dass selbst schon so viel Schlimmes hat durchleben müssen und unter dem Joch fremder Mächte stand, einem anderen Volk genau das Gleiche antut. Man könnte nur verzweifeln.
eisenhower2.0 12.07.2014
2. Frage mich
warum ein geistlicher erlaubt Waffen in einem Gotteshaus zu verstecken.
barabbaschen 12.07.2014
3.
Zitat von sysopdpaDer Uno-Sicherheitsrat fordert ein Ende der Gewalt in Nahost. Doch am fünften Tag der israelischen Offensive scheint eine Waffenruhe weit weg. Israels Bomben haben eine Moschee getroffen, die Hamas hat Raketen auf Tel Aviv gefeuert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-israels-militaer-zerstoert-moschee-hamas-feuert-auf-tel-aviv-a-980734.html
Dass er das Wort "bestrafen" verwendet, sagt mehr über ihn aus als er wohl möchte.
gmbr 12.07.2014
4. Die Begründungen erinnern an...
angeblichen Satellitenbildernachweise in dem Irak-Krieg! Man kann viel behaupten. Nur eines ist sicher: Politiker sind an Frieden in dieser Region nicht intressiert. Traurig aber wahr.
Leser1000 12.07.2014
5. Mag sein
Zitat von eisenhower2.0warum ein geistlicher erlaubt Waffen in einem Gotteshaus zu verstecken.
...aber haben Sie Belege dafür, dass die Meldung stimmt? Im Krieg strirbt bekanntlich die Wahrheit zu erst. Eine blosse Meldung des israelischen Militärs schön und gut, aber es fehlt noch die unabhängige Überprüfung. Erst dann wird man urteilen können.
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