Angriffe auf Schulen Israel bringt Uno gegen sich auf

Der Gaza-Krieg belastet die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinten Nationen. Die Uno wirft der Armee den Beschuss von Flüchtlingslagern vor, spricht von Kriegsverbrechen. Die Regierung in Jerusalem reagiert empört.

Aus Tel Aviv berichtet


Es ist eines der Bilder, die vom Krieg in Gaza bleiben werden. Chris Gunness, Sprecher des Uno-Hilfswerks für die palästinensischen Flüchtlinge (UNRWA), bricht im Interview mit Al Jazeera in Tränen aus. Er soll sich zur Lage der Kinder in dem Kriegsgebiet äußern, doch dem erfahrenen Uno-Mitarbeiter versagt die Stimme. "Es ist entsetzlich in Gaza", mehr bringt Gunness nicht heraus.

Zurzeit scheint sich an der Lage im Gaza-Streifen auch nicht viel zu ändern: Die für drei Tage angesetzte Waffenruhe hat Israel bereits für gescheitert erklärt. Beide Seiten hatten die vereinbarte Feuerpause gebrochen. Mehrere Menschen wurden durch israelische Schüsse getötet.

Seit Jahrzehnten kümmert sich die UNRWA um palästinensische Flüchtlinge, doch die aktuelle Situation in Gaza überfordert die Helfer. Mehr als 250.000 Menschen suchen Schutz in Uno-Einrichtungen - in Schulen, Waisenhäusern, Hospitälern. Doch sicher sind sie dort nicht. Mehrfach griff die israelische Armee in den vergangenen Wochen UNRWA-Häuser an. Zuletzt wurden am Mittwoch beim Beschuss einer Mädchenschule in Dschabalja mindestens 15 Flüchtlinge getötet.

Die vorherigen Angriffe auf die UNRWA-Häuser werden nun zu einer ernsten Belastung für die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinten Nationen. "Der Beschuss und die Bombardierung von Uno-Schulen, bei denen Frauen, Kinder, männliche Zivilisten und Uno-Mitarbeiter getötet wurden, sind erschreckende Taten und könnten möglicherweise Kriegsverbrechen darstellen", sagte die Uno-Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay. "Wenn Zivilisten in Uno-Schulen keinen Schutz finden, wo dann?"

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Westjordanland: Blut und Protest für Gaza
Israel weist die Vorwürfe zurück. Die Regierung betont, dass die Hamas mehrfach aus der unmittelbaren Nähe von Uno-Einrichtungen Raketen auf Israel abfeuerte. Zudem musste auch die UNRWA selbst einräumen, dass mindestens zwei Mal Raketen in Uno-Schulen gefunden wurden. Am Mittwoch starben nach Angaben des israelischen Militärs drei Soldaten durch eine Sprengfalle, die in einer UNRWA-Schule versteckt war.

UNRWA als Hamas-Helfer verspottet

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Beschuss im Gaza-Streifen: Schulen in Trümmern
Auch wegen dieser Vorfälle hat das Uno-Hilfswerk in Israel einen äußerst schlechten Ruf. Die Mitarbeiter werden von den Kommentatoren als naive Gutmenschen dargestellt, die entweder nicht merken, wenn sie als Waffenversteck missbraucht werden, oder bewusst weggucken. Spöttisch wird die UNRWA auch als "bewaffneter Arm der Uno" bezeichnet.

Mitarbeiter der Vereinten Nationen in Gaza weisen daraufhin, dass Israel trotz der perfiden Taktik der Hamas den Schutz der Zivilisten achten müsse. Die Koordinaten der Uno-Einrichtungen seien der israelischen Armee mehrfach mitgeteilt worden, trotzdem habe das Militär zahlreiche Gebäude beschossen. Daher dürften diese Vorfälle nicht einfach lapidar als "bedauernswerte Zwischenfälle" abgetan werden.

Nicht zum ersten Mal lässt Israel die nötige Rücksicht auf Uno-Einrichtungen vermissen. 1996 griff die Armee während einer Offensive im Südlibanon einen Uno-Posten an, in dem Hunderte Zivilisten Schutz gesucht hatten. Zuvor hatte die Hisbollah-Miliz von der Umgebung aus Raketen auf Israel abgefeuert. Mehr als hundert Menschen wurden bei dem israelischen Angriff getötet. Israels Regierung behauptete später, das Militär habe nicht gewusst, dass sich auf dem Gelände so viele Zivilisten aufhielten, außerdem seien die Karten der Armee veraltet gewesen.

Israels Vorgehen ist geprägt von einem tiefen Misstrauen gegenüber den Vereinten Nationen. Der jüdische Staat sieht sich in der Generalversammlung umzingelt von feindlich gesinnten islamischen Staaten und südamerikanischen Regierungen, die Israel als Terrorstaat brandmarken. Zu Unrecht sieht sich Israel etwa regelmäßig vom Uno-Menschenrechtsrat kritisiert, in dem Länder wie Iran und Kuba mitbestimmen.

Zwar blockieren die USA mit ihrem Veto-Recht zahlreiche Resolutionen gegen Israel. Doch für die Regierung in Jerusalem lautet seit jeher die Devise: Im Notfall können wir uns nur selber helfen.

Egal ob gegen die Hamas in Gaza oder die Uno in New York.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
Pfaffenwinkel 01.08.2014
1. Man kann die Ängste
der Israelis nachvollziehen. Aber jetzt gehen sie einfach zu weit.
kosaptes 01.08.2014
2. Wo?
Wo war eigentlich die UN als bekannt wurde dass die Hamas Kampfmittel in UN Schulen lagert?
RalfHenrichs 01.08.2014
3. Das Problem Israels ist,
dass dieses Vorgehen bestenfalls kurzfristig eine Lösung ist. Sie sollten sich mal ernsthaft fragen: wenn sie durch dieses Vorgehen selbst mit Israel gutmeinende Menschen gegen sich aufbringen, wie wird wohl die Wirkung sein bei mit Israel nicht-gutmeinenden Menschen. Und wird Israel wirklich immer und für alle Zeiten stärker als all ihre Feinde sein? Israel kann vielleicht auch diesen Gaza-Krieg gewinnen. Und dann?
sound67 01.08.2014
4. Die Rollen klar vereteilt
"Zudem musste auch die UNRWA selbst einräumen, dass mindestens zwei Mal Raketen in Uno-Schulen gefunden wurden." - Eben. Die Hamas hält sich an keinerlei Spielregeln. Ihre Terroristen verstecken sich hinter Frauen, Kindern und Greisen, benutzen UN-geschützte Gebäude als Waffendepots und Hinterhalt. Israel kann sich das nicht bieten lassen. Es ist völlig klar, wer hier "der Böse" ist.
carranza 01.08.2014
5. Schätze mal, dann gibt's bald eine Resolution,
Zitat von sysopAPDer Gaza-Krieg belastet die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinten Nationen. Die Uno wirft der Armee den Beschuss von Flüchtlingslagern vor, spricht von Kriegsverbrechen. Die Regierung in Jerusalem reagiert empört. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gaza-konflikt-neue-spannungen-zwischen-uno-und-israel-a-983997.html
... die freilich von den USA mit einem Veto belegt werden dürfte.
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