Raketen aus dem Gaza-Streifen: Volltreffer aufs Dach

Aus Be'er Tuvia berichtet

Mehr als 50 Palästinenser und drei Israelis sind durch den gegenseitigen Beschuss schon getötet worden - die Menschen in Israel können sich viel besser gegen Angriffe schützen. So wie der Bauunternehmer Haim Gabso, in dessen Haus eine Rakete aus dem Gaza-Streifen einschlug.

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Die Nachbarn nennen Haim Gabso einen glücklichen Mann. Denn er ist noch am Leben, obwohl eine Rakete aus dem Gaza-Streifen sein Haus getroffen hat. Der 42-Jährige steht in weißem T-Shirt, Flip-Flops und Jeans vor seinem Haus, von dem ein Teil des Daches fehlt. Er glaubt weniger an Glück als an seinen Bauplan.

"Als ich hierher zog, wusste ich doch, wie die Lage ist", sagt Gabso, der als Bauunternehmer gutes Geld verdient. "Ich habe Metall in die Wände einbauen lassen und eine 30 Zentimeter dicke Betonwand unter die Dachziegel."

Die Rakete, die am Donnerstag sein Haus traf, deckte die Hälfte des Daches ab und legte die Balken frei. Doch die dicke Betonschicht konnte sie nicht durchdringen. Sie prallte ab. Die Raketenteile landeten ein paar hundert Meter weiter im offenen Feld.

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Raketenbeschuss in Israel: Volltreffer aufs Dach
Gabso war zum Zeitpunkt des Einschlags in seinem Landrover unterwegs ins Büro. Seine Frau und die vier Kinder waren zu Hause. "Sie waren zum Glück im Schutzraum, als die Rakete das Haus traf", erzählt er. Danach hat er sie vorsorglich zu seinen Eltern nahe Tel Aviv geschickt.

Zwischen 30 und 45 Sekunden hat man in Be'er Tuvia Zeit, in einen Schutzraum zu flüchten, wenn die Alarmsirenen heulen. Häufig gelingt es dem israelischen Raketenabwehrsystem "Iron Dome" in dieser halben Minute noch, die anfliegenden Geschosse abzufangen. Ein Drittel der rund 750 Raketen, die seit Mittwoch aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgeschossen wurden, konnte in der Luft zerstört werden. So wie am Sonntag in Tel Aviv. Dort wurden laut Polizei zwei aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen abgefangen. Zuvor hatten in der Stadt erneut Sirenen vor einem Luftangriff gewarnt.

Schlägt eine Rakete dennoch ein, ist man in einem Schutzraum wie bei Gabso ziemlich sicher. "Es sieht aus wie ein normales Zimmer, aber rundherum ist Stahl", sagt Gabso und zeigt in das Kinderzimmer. Das Fenster ist durch eine Stahlluke abgedeckt. In der Ecke steht ein Luftfiltergerät. "Gott möge verhindern, dass es einen chemischen Angriff gibt. In einem solchen Fall hätten wir mit dem Gerät Luft zum Atmen."

"Sie wollen, dass meine Familie und ich sterben"

Die meisten Menschen im Gaza-Streifen haben diesen Schutz nicht. Zwar zielt die israelische Armee laut eigenen Angaben auf die Hamas-Infrastruktur. Doch wenn sie die mächtigen Raketen und Bomben aus Kampfhubschraubern und Kampfjets in das dicht besiedelte Gebiet abwirft, trifft sie immer wieder auch Zivilisten. Im bettelarmen Gaza-Streifen warnen in der Regel keine Sirenen die Bewohner vor der heranfliegenden Gefahr. Es gibt kein Raketenabwehrsystem und einen Schutzraum im Haus, wie er in Israel zur Pflichtausstattung gehört, hat kaum einer.

Nach Angaben der Uno wurden seit Beginn der Gaza-Offensive am Mittwoch 16 palästinensische Zivilisten getötet, darunter sechs Kinder, und über 380 Palästinenser, hauptsächlich Zivilisten, verletzt. In Israel starben drei Zivilisten und 58 wurden verletzt. Unter den Verletzten sind auch hier viele Kinder.

"Natürlich bedauere ich, was der Bevölkerung in Gaza zustößt", sagt Gabso. "Aber ich habe kein Mitgefühl für die Hamas-Kämpfer und die politische Führung. Die sollen in der Hölle brennen. Sie wollen, dass meine Familie und ich sterben."

Gabso versteht nicht, warum man im Gaza nicht einfach "ein neues Kapitel aufschlagen" könne, "das Leben genießen" wie er in seinem großen Haus in Be'er Tuvia mit Swimmingpool neben der Terrasse. Er sieht nicht ein, dass dies für die Menschen im Gaza-Streifen nahezu unmöglich ist, weil sie in einer Art "Freiluft-Gefängnis" leben, wie es der Uno-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, 2010 aufgrund der israelischen Blockade bezeichnete. Daran hätten auch die geringfügigen israelischen Lockerungen der Einfuhrbeschränkungen seitdem nichts wesentlich geändert, urteilte die Uno-Behörde der Nothilfekoordination im besetzten Palästina (OCHA-OPT) zuletzt vor wenigen Wochen in ihrem Monatsbericht.

Gabsos Handy klingelt kurz, eine SMS. Er schaut aufs Display und sagt: "Meine Einheit wird einberufen von der Armee." In einer Stunde muss er sich melden, wo, will er nicht verraten. Gepackt hat er vorsorglich schon alles. Stiefel und Uniform liegen im Rucksack in seinem Landrover bereit.

Eigentlich müsste er als 42-Jähriger nicht mehr als Reservist bereitstehen. Mit 40 ist normalerweise Schluss. Aber er hat seinen Freiwilligendienst bis zum Alter von 45 verlängern lassen. "Meine Frau zählt schon die Jahre bis dahin", sagt er und lacht. Gabso will weiter bereitstehen, weil er das Gefühl hat, damit etwas Sinnvolles zu tun. Er will sein Land verteidigen. "Es ist nicht leicht, in dieser Welt Israeli oder Jude zu sein."

Er steht fest hinter der jüngsten Gaza-Offensive. "Die israelische Regierung tut das Richtige. Sie mussten etwas tun nach den Raketenangriffen." Doch dass es in diesem Krieg irgendetwas zu gewinnen gibt, glaubt er nicht. "Was jetzt passiert, ist keine Lösung. Es wird vielleicht danach ein paar Monate wieder ruhiger werden, aber aufhören wird es nicht." Die Raketen, die Kriege - "Das ist unser Schicksal", sagt er resigniert.

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1. Nachvollziehbar
franks meinung 18.11.2012
Es herrscht eine verfahrene Situation, in der vermutlich nur die internationale Politik eine Lösung finden kann. Alle wollen Frieden, davon kann man ausgehen. Die Palästinenser wehren sich gegen die Drangsalierungen der Israelis und die Israelis wehren sich gegen die Raketen aus dem Gazastreifen. Es wäre müßig, nun zu klären, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war. Man muss zu einer für beide Seiten lebenswerten Lösung friedlicher Koexistenz kommen. Solange aber muslimische Fundamentalisten aus aller Welt, insbesondere aus dem Iran die Hamas einen Stellvertreterkrieg führen lassen, wird es zu keiner Lösung kommen. Würden unsere Nachbarn deutschland täglich mit Raketen beschießen, wäre es auch eine Frage der Zeit, bis wir dort einmarschieren. Würde man uns mit einer Mauer einmauern und drangsalieren, würden wir uns auch zur Wehr setzen. Jede Seite hat also nachvollziehbare Gründe. Leiden tut wie immer die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten.
2.
McMathew 18.11.2012
Der Autor sollte sich vielleicht mal direkt im Gaza-Streifen umsehen und herausfinden, wo die Aber-Millionen Euro der EU bleiben. Die PA-Angestellten residieren in Eigenheimen mit Swimming-Pool. Würden die Palästinenser das Geld nicht für Raketen und ihren militären Aggressions-Wahnsinn ausgeben, könnten sich eine Vielzahl der Bewohner alle ordentliche Häuser leisten.
3. Ägypten
icleng 18.11.2012
Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Israel die Palästinenser im Gaza- Streifen einsperrt. Hält aber Ägypten seine Grenze nicht auch bis heute geschlossen, oder verstehe ich da etwas grundlegend falsch?
4. Eigenartig
snickerman 18.11.2012
Natürlich wird auch die Zivilbevölkerung im extrem dicht besiedelten Gaza-Streifen immer wieder Opfer, die meisten jubeln aber trotzdem (offiziell) den Terroristen zu, die ihre ungesteuerten Raketen und Geschosse blindlings losballern und hoffen, möglichst viel Schaden anzurichten. Die israelische Armee HAT wenigstens klare Ziele, da die Abschussbasen, Raketenwerkstätten und -lager aber nicht auf dem freien Feld stehen, werden auch Unbeteiligte mitgetroffen. Die haben nicht die Mittel, um sich so zu schützen wie der interviewte Siedler und sie können auch nirgendwohin ausweichen. Das tut nur die Hamas-Führung, die sich eingebuddelt haben und ungerührt ihre eigenen Leute verrecken lassen, um damit Israel vor der Weltöffentlichkeit anzuklagen. Insgesamt ist dieser Artikel recht einseitig und polemisch.
5. Operzahlen
hxk 18.11.2012
Zitat von sysopMehr als 50 Palästinenser und drei Israelis sind durch den gegenseitigen Beschuss schon getötet worden - die Menschen in Israel können sich viel besser gegen Angriffe schützen.
1. Die Angaben aus Gaza kommen von der Hamas. Ein unabhängige Überprüfung ist nicht möglich. 2. Die Israelis werden im Gegensatz zur Bevölkerung Gazas von ihrer Regierung NICHT als menschliche Schutzschilde misbraucht. Das sind die Gründe für die unterschiedlichen Opferzahlen, die wieder mal verschwiegen werden. Stattdessen wird der Unfug vom "Freiluft-Gefängnis" wiederholt und der Grund für die Blockade wird ebenfalls verschwiegen.
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Reichweite der Hamas-Raketen


Fotostrecke
Eskalation in Nahost: Israels Luftoffensive gegen Gaza

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite


Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
DPA
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.