Gaza-Krieg Deutsche Familie bei israelischem Luftangriff getötet

Im Zentrum des Gazastreifens ist eine deutsche Familie bei einem israelischen Luftangriff getötet worden. Sie soll erst kurz zuvor dorthin geflüchtet sein - um sicherer zu sein.

Rauchwolken über Gaza: Immer wieder greift Israel Ziele in der Stadt an
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Rauchwolken über Gaza: Immer wieder greift Israel Ziele in der Stadt an

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Gaza - Unter den inzwischen über 500 Todesopfern im Gazastreifen soll sich auch eine deutsche Familie befinden. Nach Angaben palästinensischer Medien sind sieben palästinensischstämmige Deutsche am Montagabend bei einem Luftangriff im Zentrum Gazas umgekommen: Ibrahim Kilani, seine Frau und ihre fünf Kinder.

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Heft 30/2014
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Auf Anfrage im Auswärtigen Amt (AA) hieß es, man gehe den Hinweisen intensiv nach, allerdings seien die Nachforschungen wegen der Lage im Gazastreifen schwierig. Am frühen Nachmittag ergänzte eine Sprecherin des AA, aufgrund der übereinstimmenden Berichte mehrerer Quellen gehe das Ministerium mittlerweile davon aus, dass die palästinensischstämmige Familie bei dem Angriff ums leben gekommen ist.

Es gehört zum diplomatischen Vorgehen bei solchen Fällen, dass das Ministerium von Frank-Walter Steinmeier den Tod von Deutschen im Ausland erst offiziell bestätigt, wenn ein deutscher Beamter oder Diplomat die Toten selbst in Augenschein genommen hat.

Eigentlich lebten die Kilanis im Nordwesten Gazas, heißt es aus palästinensischen Quellen. Doch wegen der israelischen Evakuierungsaufforderung waren sie weiter ins Zentrum gezogen, um vor den Angriffen sicher zu sein.

Noch immer sind Deutsche in Gaza und können nicht heraus

Bei dem Luftschlag sollen außer den Kilanis mindestens drei weitere Menschen ums Leben gekommen sein, Dutzende wurden verletzt. Der israelische Angriff hatte ein oberes Stockwerk eines Hochhauses getroffen. Daraufhin waren vier weitere Etagen zusammengebrochen. Die Bewohner wurden unter ihnen begraben und zerdrückt. Was genau das Ziel der Attacke war, ist bisher unklar. Die israelische Luftwaffe fliegt seit Tagen Angriffe, allein in der vergangenen Nacht wurden mehr als 70 Ziele ins Visier genommen.

Das Auswärtige Amt hatte alle im Gazastreifen lebenden Deutschen - die meisten von palästinensischstämmig - schon vor Tagen zur Ausreise aus der Krisenzone aufgefordert. Viele kamen dem Aufruf auch nach. Allerdings sollen sich noch rund 60 deutsche Staatsbürger im Gazastreifen befinden. Vor kurzem konnten 33 Deutsche im Rahmen einer achtstündigen Uno-Evakuierung nach Jordanien gebracht werden.

Mehr als die geretteten 33 hatten um eine Evakuierung gebeten. Aber sie konnten in solch kurzer Zeit nicht alle herausgebracht werden. Wer im Gazastreifen lebt, darf derzeit weder auf israelischer noch ägyptischer Seite heraus, auch wenn er deutscher Staatsbürger ist.

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