Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Protest gegen Gaza-Krieg: Niederländer gibt israelische Auszeichnung zurück

Seine Familie versteckte ein jüdisches Kind vor den Nazis. Dafür wurde Henk Zanoli in der Gedenkstätte Jad Vaschem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. Nun gibt der Niederländer die Auszeichnung zurück. Israels Armee soll Angehörige des Mannes in Gaza getötet haben.

Tel Aviv/Amsterdam - Der 91 Jahre alte Niederländer Henk Zanoli gibt seine Auszeichnung als "Gerechter unter den Völkern" zurück. Er protestiert dagegen, dass sechs seiner Familienmitglieder bei einem israelischen Angriff im Gaza-Streifen getötet worden seien.

Zanoli und seine verstorbene Mutter Johana waren im Jahr 2011 von der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem geehrt worden, weil sie während der Nazi-Besatzung der Niederlande einen jüdischen Jungen versteckt hatten. Elhanan Pinto lebte vom Frühjahr 1943 bis zur Befreiung der Niederlande durch die Alliierten bei der Familie Zanoli. Die Eltern des Jungen kamen im KZ ums Leben.

Zanolis Vater war bereits 1941 von den Nazis im KZ Dachau interniert worden, weil er gegen den Einmarsch der Wehrmacht protestiert hatte. Er starb im Februar 1945 im KZ.

Zanoli wirft Israel Mord vor

Zanolis Großnichte, die niederländische Diplomatin Angelique Eijpe, ist mit einem Palästinenser verheiratet. Am 20. Juli bombardierte die israelische Luftwaffe das Haus der Familie in Buraidsch im Gaza-Streifen. Dabei wurden sechs Familienmitglieder getötet, unter ihnen ein zwölfjähriger Junge. Weder die Großnichte noch ihr Ehemann seien zu dem Zeitpunkt in Gaza gewesen.

Als Henk Zanoli von dem Angriff erfuhr, habe er sich dazu entschlossen, die Medaille und die Urkunde, die er als "Gerechter unter den Völkern" erhielt, an die israelische Botschaft zurückzuschicken. In einem Brief an Botschafter Haim Davon warf Zanoli dem israelischen Staat Mord vor.

"Die Ur-Urenkel meiner Mutter haben ihre palästinensische Oma, drei Onkel, eine Tante und einen Cousin durch die israelische Armee verloren", schrieb Zanoli. Unter diesen Umständen sei es "eine Beleidigung für das Andenken meiner mutigen Mutter und ihrer Kinder", an der Auszeichnung festzuhalten.

Die israelische Armee ließ eine Anfrage der Zeitung "Haaretz" zu den Umständen des Angriffs auf das Haus in Buraidsch unbeantwortet. Das Militär sprach lediglich allgemein davon, dass man sich sehr darum bemühe, zivile Opfer zu vermeiden.

syd/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: