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Gaza-Krieg: Israelische Geschosse treffen erneut Uno-Schule

REUTERS

Die israelischen Bodentruppen haben mit einem Teilrückzug aus Gaza begonnen. Das bedeutet jedoch kein Ende der Kämpfe: Beim Beschuss der Stadt Rafah starben Dutzende Menschen. Die internationale Kritik an Israel hält an.

Hamburg - Bei Luftschlägen der israelischen Armee gegen die Stadt Rafah im Gaza-Streifen sind Dutzende Menschen gestorben. Das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) erklärte, die Geschosse seien in einer Schule mit 3000 Schutzsuchenden eingeschlagen. Allein in dieser Schule starben zehn Menschen.

Israel hatte am Sonntagmorgen erklärt, mit dem Rückzug von Bodentruppen aus dem Gaza-Streifen zu beginnen. Armeesprecher Peter Lerner sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass zudem andere Truppenteile innerhalb des palästinensischen Küstengebiets verlegt würden. "Wir ziehen Truppenteile zurück, andere verändern ihre Position innerhalb des Gebiets, diese Operationen dauern derzeit an", sagte Lerner.

Zugleich kündigte der Sprecher an, dass "schnelle Einsatzkommandos vor Ort bleiben werden, die bei Bedarf gegen die Hamas vorgehen können". Innerhalb von 24 Stunden solle diese Umgruppierung abgeschlossen sein, sagte Lerner. "Dann wird es eine andere Art von Bodenoperation sein, aber wir werden dort weiter im Einsatz sein", ergänzte er. Die Armee sei nahe an der Erfüllung des Ziels, alle nach Israel führenden Angriffstunnel zu zerstören.

Eine Feuerpause war am Freitag abgebrochen worden, nachdem Israel meldete, der Leutnant Hadar Goldin, 23, sei entführt worden. Die Hamas bestätigte dies zunächst und vermeldete dann, der Soldat müsse bei einem Gefecht getötet worden sein. Seitdem steigerte Israel nochmals die Intensität der Angriffe auf Gaza, es gab Dutzende Tote.

In der Nacht zum Sonntag gab Israel bekannt, dass Hadar Goldin bei einem Angriff militanter Palästinenser getötet worden sei. Laut "Jerusalem Post". zündete einer von ihnen eine Sprengstoffweste, wie sie Selbstmordattentäter verwenden. Goldin habe bei der Explosion direkt neben den beiden gestanden, sagte ein hoher israelischer Offizier.

Kritik aus Großbritannien

In Großbritannien ist die Empörung über die Lage im Gaza-Streifen groß. "Die Öffentlichkeit ist der Überzeugung, dass die Lage der Menschen im Gaza-Streifen unerträglich sei und dass darauf reagiert werden müsse", sagt der britische Außenminister Philip Hammond in einem Interview mit der Zeitung "Daily Telegraph". "Wir sind der gleichen Meinung." Tausende E-Mails hätten ihn erreicht. Dabei habe ihn am meisten beeindruckt, dass nicht nur die muslimische Bevölkerung auf die Vorfälle reagiere. Es sei die breite Öffentlichkeit, die betroffen ist von den Bildern aus dem Gaza-Streifen auf den TV-Bildschirmen.

Fast vier Wochen nach Beginn der Offensive im Gaza-Streifen forderte Hammond einen sofortigen Waffenstillstand ohne Bedingungen. Die Regierung könne die Bedenken Israels wie der Hamas nachvollziehen. "Wir sagen nicht, dass uns diese nicht interessieren", sagte er. "Wir können ihnen jedoch nicht erlauben, einem Waffenstillstand aus humanitären Gründen im Weg zu stehen. Wir müssen das Töten beenden."

Auf die Frage, ob der Krieg im Gaza-Streifen zu mehr Übergriffen auf britische Juden führen könnte, sagte der Außenminister: "Sicherlich ist das eine Sorge. Wir sehen bereits einen Anstieg in antisemitischer Rhetorik." Am Donnerstag hat der Community Security Trust, der die 260.000 Juden in Großbritannien in Sicherheitsfragen berät, berichtet, dass es im Juli eine Rekordzahl von 130 antisemitischen Vorfällen im Land gegeben habe.

Steinmeier fordert dauerhafte Waffenruhe

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte eine umfassende Lösung für den Gaza-Streifen, damit eine Waffenruhe dauerhaft werden kann. "Der Status quo, das zeigen die immer wiederkehrenden militärischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre, ist nicht haltbar", schrieb der SPD-Politiker in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag".

Eine langfristige Lösung könne es nur geben, wenn die Waffen der Hamas in Gaza für Israel nicht mehr eine ständige militärische Bedrohung darstellten und wenn die Menschen in Gaza auf eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen hoffen könnten. Steinmeier forderte eine Öffnung von Grenzübergängen unter internationaler Überwachung, um den Waffenschmuggel zu unterbinden. Dazu solle eine EU-Grenzmission reaktiviert werden.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit dem 8. Juli mehr als 1700 Palästinenser getötet, darunter Hunderte Kinder. Über 9000 Menschen wurden demnach verletzt. Laut Uno-Nothilfeorganisation Ocha hat die Gewalt fast jeden vierten Einwohner im Gaza-Streifen in die Flucht getrieben. Mehr als 254.000 der 1,8 Millionen Palästinenser hätten Zuflucht in einer der 90 Uno-Unterkünfte gesucht. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Die von den Palästinensern verbreitete Zahl ziviler Opfer hat Israel als stark übertrieben zurückgewiesen. Vizeaußenminister Tsachi Hanegbi sagte, die Zahlen der Armee zeigten, dass rund die Hälfte der auf palästinensischer Seite Getöteten "Terroristen" seien. Die israelische Regierung beteuert immer wieder, alles zu unternehmen, um zivile Opfer bei den Angriffen auf Gaza zu vermeiden.

Zuletzt hatte aber auch die US-Regierung ungewöhnlich deutliche Kritik am engen Verbündeten geübt und erklärt, es müsse mehr unternommen werden, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

abl/Reuters/AP/dpa/AFP

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