Gaza-Krieg Israel meldet Festnahme wegen Schülermord

Die Ermordung dreier israelischer Teenager markierte den Beginn der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten. Nun gibt Israel bekannt: Der mutmaßliche Drahtzieher ist seit Wochen gefasst, zwei Komplizen sind noch auf der Flucht.

Beerdigung eines der getöteten Jungen (am 1. Juli): Drahtzieher in Haft
DPA

Beerdigung eines der getöteten Jungen (am 1. Juli): Drahtzieher in Haft


Jerusalem - Die israelische Polizei hat die Festnahme des mutmaßlichen Drahtziehers der Entführung und Ermordung von drei jungen Israelis Mitte Juni bekannt gegeben. Hossam Kawasmeh sei bereits vor einem Monat unter dem Verdacht festgenommen worden, das Verbrechen geplant und organisiert zu haben, hieß es in einer Erklärung. Der Palästinenser sei im Flüchtlingslager Schuafat im Westjordanland nördlich von Jerusalem aufgegriffen worden.

Wie israelische Medien berichteten, gab Kawasmeh in der Haft an, er habe Geld von der radikalislamischen Hamas erhalten, Waffen gekauft und diese an zwei Verdächtige weitergegeben, die die Tat ausgeführt hätten. Die beiden mutmaßlichen Mittäter sind noch auf der Flucht. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte der Hamas schon kurz nach dem Verschwinden der Religionsschüler vorgeworfen, für deren Entführung verantwortlich zu sein.

Die drei Teenager im Alter zwischen 16 und 19 Jahren waren am 12. Juni im Süden des Westjordanlandes gekidnappt und getötet worden. Daraufhin startete Israel eine groß angelegte Militär- und Polizeioffensive gegen die Hamas im Westjordanland, woraufhin die Hamas wiederum mit einem verstärkten Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen reagierte. Dies führte zu israelischen Luftangriffen auf das Küstengebiet mit mehr als 1800 Todesopfern.

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Erneute Waffenruhe: Rückzug aus dem Gaza-Streifen
Die von Ägypten vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern wurde bis zum Mittwochmorgen offensichtlich eingehalten. Die Waffenruhe hatte am Dienstagmorgen nach vier WochenGaza-Krieg begonnen.

US-Außenminister John Kerry rief Israelis und Palästinenser zu grundlegenden Verhandlungen zur Überwindung des Konfliktes auf. Das Schweigen der Waffen müsse Gespräche ermöglichen "über die langfristigen Schlüsselfragen, wie wir Frieden schaffen können", sagte er am Dienstagabend dem Sender BBC.

Neben einer Demilitarisierung des Gaza-Streifens müsse Israel auch die Blockade des palästinensischen Küstengebietes aufheben, forderte Kerry. "Zwei Staaten, mit der Sicherheit für Israel und Garantien für ein besseres Leben und mehr Freiheiten für die Palästinenser: Das ist die Formel." Kurz zuvor hatte das Außenministerium erklärt, an den Verhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis unter ägyptischer Schirmherrschaft in Kairo würden vermutlich auch Vertreter der USA teilnehmen.

In Kairo wollen die Konfliktparteien ab Mittwoch über einen längeren Waffenstillstand beraten. Vertreter der im Westjordanland regierenden gemäßigten Fatah, des Islamischen Dschihad und der Hamas-Exilführung aus Ägypten und Katar hielten sich schon seit dem Wochenende in der ägyptischen Hauptstadt auf. Am Dienstag trafen dann auch israelische Vertreter sowie eine Delegation der Hamas aus dem Gaza-Streifen in der ägyptischen Hauptstadt ein. Das israelische Sicherheitskabinett beriet am Abend sechs Stunden lang über die anstehenden Verhandlungen, wie israelische Medien in der Nacht berichteten.

Ausführliche Hintergründe zur folgenden Infografik finden Sie in unserem Datenlese-Blog.

phw/AFP/dpa/Reuters

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