Gaza-Krieg Luftangriffe, Raketen und große Ratlosigkeit

Neue Kämpfe in Nahost: Israel fliegt Angriffe auf Gaza, Hochhäuser stürzen ein, zwei Menschen sterben auf einem Motorrad, aus Syrien und aus dem Libanon werden Raketen abgefeuert. Droht nun eine Ausweitung des Konflikts?


Gaza/Tel Aviv/Hamburg - Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben palästinensischer Behörden am Sonntagmorgen in Gaza-Stadt zwei Menschen getötet, die auf einem Motorrad unterwegs waren. Israel lehnte zunächst eine Stellungnahme zu dem Luftangriff ab. Es blieb unklar, ob es sich bei den Toten um Angehörige einer militanten Organisation handelte.

Fünf aus Syrien abgefeuerte Raketen sind in der Nacht zum Sonntag auf den Golanhöhen eingeschlagen. Die israelische Armee teilte mit, sie seien an verschiedenen Orten niedergegangen. Es gab keine Berichte zu möglichen Opfern oder Sachschäden.

Das sind nur zwei der jüngsten Meldungen aus dem Nahost-Konflikt, dessen Ende oder zumindest Milderung nicht absehbar ist. Allein die israelische Offensive gegen den von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gaza-Streifen dauert nunmehr seit fast sieben Wochen an.

Seitdem wurden insgesamt mehr als 2100 Palästinenser getötet. Die Uno schätzt den Anteil der zivilen Opfer auf 70 Prozent. Die israelische Armee erklärte hingegen, bei 40 bis 50 Prozent der Getöteten handele es sich um "bewaffnete Kämpfer". Auf israelischer Seite gab es 68 Tote, darunter vier Zivilisten.

Weitet sich der Konflikt aus?

Die neuen Raketen-Angriffe von syrischem Boden aus nährten die Sorge, der Konflikt könne sich noch ausweiten. Nur Stunden zuvor hatten Extremisten im Libanon zwei Raketen auf den Norden Israels abgefeuert. Ein Haus in Galiläa sei getroffen worden, teilte der israelische Rundfunk mit.

Die radikalislamische Hamas wiederum verfolgt im Gaza-Streifen weiter mutmaßliche Kollaborateure. Hamas-Kämpfer erschossen am Samstag vor Dutzenden Zeugen im Hof einer Moschee in Dschabalija vier Männer, die der Zusammenarbeit mit Israel bezichtigt wurden, wie die Nachrichtenagentur Maan meldete. Die israelische Armee warf zwei Bomben auf ein Hochhaus in Gaza-Stadt ab und machte das 13-stöckige Gebäude dem Erdboden gleich. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 17 Menschen verletzt.

Zwei Stunden vor der Bombardierung des Hochhauses in Gaza-Stadt warnte das Militär die Bewohner mit Flugblättern und Telefonanrufen. Sie wurden aufgefordert, das Gebäude zu räumen. Grund war laut Armee, dass Hamas-Kämpfer daraus operiert hätten.

Israel warnte am Samstag auch die gesamte Bevölkerung im Gaza-Streifen vor neuen Angriffen. Die Armee warf Flugblätter ab, auf denen sie die Menschen aufrief, sich von Orten fernzuhalten, an denen militante Palästinenser Raketen abschießen. Jedes Haus, das Ausgangspunkt militärischer Aktionen sei, werde attackiert.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte ein Ende der Kämpfe. Die Konfliktparteien müssten sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte Abbas in Kairo. Zuvor hatte er sich mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi getroffen, dessen Regierung in dem Konflikt zu vermitteln sucht.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonierte erneut mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und forderte, die Konfliktparteien müssten bald eine dauerhafte Feuerpause vereinbaren sowie erneut "ernsthafte Verhandlungen" über eine Zwei-Staaten-Lösung aufnehmen.

Mit einer großen Anzeige in der"New York Times" prangerten Überlebende des Holocaust den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen als "Massaker an den Palästinensern" an. Die 327 Unterzeichner aus den USA und vor allem Europa bezeichnen sich selbst als Überlebende oder Nachkommen von Opfern des Nazi-Völkermords, die den Einsatz der israelischen Armee "unmissverständlich verurteilen". Die Anzeige ist eine Reaktion auf eine Aktion des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Wiesel und Unterstützer hatten in einer Annonce die Hamas mit den Nazis in Verbindung gebracht.

otr/dpa/Reuters

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