Gaza-Krieg: USA fordern von Israel längere Feuerpausen

Es ist ein dringender Appell eines Verbündeten: Die USA rufen Israel auf, mehr Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen zuzulassen und die tägliche Feuerpause zu verlängern. Die humanitäre Lage sei "schrecklich".

Washington/Gaza - In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es in Washington, die US-Regierung sei sehr besorgt über die Vorgänge in Gaza, die humanitäre Lage dort sei offensichtlich "schrecklich".

Israel hatte am Mittwoch erstmals seit Beginn seiner Militäroffensive im Gaza-Streifen eine dreistündige Feuerpause eingelegt, um die Lieferung von Hilfsgütern für die 1,5 Millionen dort lebenden Palästinenser zu ermöglichen. Diese Pause sollte täglich von 12 Uhr bis 15 Uhr MEZ eingehalten werden. "Wir denken, dass diese Zeiten verlängert werden müssten", sagte der Außenamtssprecher Robert Wood. Die US-Regierung stehe darüber mit Israel in Verhandlungen.

Der US-Senat signalisierte in dem Nahost-Konflikt klare Unterstützung für Israel. Die Kongress-Kammer verabschiedete am Donnerstag eine von beiden Parteien getragene Resolution, die das israelische Recht auf Selbstverteidigung gegenüber der radikal-islamischen Hamas betonte. Man möge sich vorstellen, wenn die USA in der gleichen Lage wie Israel wäre, sagte der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid. "Raketen und Granaten, die aus dem kanadischen Toronto auf Buffalo in New York fallen. Wie würden wir als Staat reagieren?" fragte er. Der republikanische Minderheitsführer Mitch McConnell betonte, die USA würden genauso handeln wie Israel.

Der Senat sprach sich zudem für einen Waffenstillstand aus und forderte Präsident George W. Bush auf, darauf hinzuarbeiten. Es wurde erwartet, dass das Repräsentantenhaus eine ähnliche Resolution verabschieden würde.

In dem Kriegsgebiet verschärfte sich die Notlage der palästinensischen Zivilbevölkerung: Nach dem Tod zweier Uno-Mitarbeiter stellten die Vereinten Nationen am Donnerstag ihre Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen vorerst ein. Etwa 750.000 Menschen im Gaza-Streifen werden von der Uno mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern versorgt. Die seit zwei Wochen anhaltenden Gefechte zwischen der israelischen Armee und der radikal-islamischen Hamas haben bislang mehr als 700 Menschen das Leben gekostet.

Nach Uno-Angaben tötete eine israelische Panzergranate zwei palästinensische Gabelstaplerfahrer in einem Konvoi der Hilfsorganisation UNRWA. Zudem berichteten Ärzte von Angriffen der Armee auf von der Uno betriebene Schulen im Gaza-Streifen.

Dabei seien mehr als 45 Palästinenser ums Leben gekommen. "Die UNRWA hat entschieden, alle ihre Operationen im Gaza-Streifen zu stoppen, weil ihre Einrichtungen und Mitarbeiter immer mehr Angriffen ausgesetzt sind", sagte ein UNRWA-Sprecher in Gaza.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den israelischen Beschuss des Konvois mit ungewöhnlich scharfen Worten. "Dass die Vereinten Nationen in der immer größeren humanitären Krise keine Hilfe leisten können, ist einfach inakzeptabel", sagte Ban. Der Uno-Generalsekretär forderte erneut eine sofortige Waffenruhe, damit die Helfer ungehinderten Zugang zu den notleidenden Menschen bekämen.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus protestierten am Donnerstag mehrere hunderttausend Menschen gegen die israelische Offensive im Gaza-Streifen. Es war die größte Demonstration in Syrien seit Beginn der Militäraktion. Laut Berichten des syrischen Fernsehens und der staatlichen Nachrichtenagentur Sana folgten sogar über eine Million Menschen dem Protestaufruf der Gewerkschaften. Beobachter sprachen indes von mehreren hunderttausend Teilnehmern.

Demonstranten schwenkten syrische sowie palästinensische Flaggen und hielten Bilder von Staatspräsident Baschar Assad und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Ägyptens Präsident Husni Mubarak wurde von Demonstranten wegen der anhaltenden Blockade der Grenze zum Gaza-Streifen und seiner Zusammenarbeit mit den Israelis heftig kritisiert.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte

hen/dpa/AP/Reuters

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