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Gaza: Menschliche Schutzschilde sterben bei Kampf um Moschee

Blutiges Drama im Gazastreifen: Etwa 50 Frauen haben sich als menschliche Schutzschilde vor eine Moschee gestellt, in der sich ein Trupp palästinensische Kämpfer verschanzt hatte. Die israelische Armee rückte an, dann fielen Schüsse. Zwei Frauen starben.

Gaza/New York – Es war einer der blutigsten Angriffe seit dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005. Die stärksten Auseinandersetzungen gab es in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens. Dort hatten sich 60 bewaffnete Palästinenser in einer Moschee verschanzt. Rund 50 verschleierte Frauen waren einem Aufruf im Radio gefolgt und hatten sich vor das Gotteshaus postiert. Fernsehbilder zeigten, wie die israelische Armee das Feuer eröffnete und eine Frau tot zusammenbrach. Die Männer in der Moschee konnten rechtzeitig fliehen, bevor das Dach einstürzte. Die israelische Armee hatte zuvor Bulldozer eingesetzt, um das Haus zu zerstören.

Menschliche Schutzschilde in Beit Hanun: Frauen fliehen, nachdem zwei von ihnen getroffen wurden
REUTERS

Menschliche Schutzschilde in Beit Hanun: Frauen fliehen, nachdem zwei von ihnen getroffen wurden

Der palästinensische Regierungschef Ismail Hanija bezeichnete den Einsatz als "Massaker, angeordnet von den höchsten Stellen der israelischen Regierung". Die israelische Armee erklärte hingegen, die Palästinenser hätten die Frauen als menschliche Schutzschilde missbraucht. In einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hieß es von Seiten der Israelis, die Armee habe auf bewaffnete Palästinenser geschossen und man prüfe, ob sie auch Frauen getroffen habe.

Israels Militärführung will mit der Offensive nach eigenen Angaben palästinensische Raketenangriffe auf israelische Ortschaften verhindern. Seit Beginn der Aktion am Mittwoch kamen bereits 33 Palästinenser ums Leben.

Im Flüchtlingslager Dschebalija wurden fünf Menschen getötet. Nach Angaben des Roten Halbmonds waren unter den Toten zwei Rettungskräfte. Sie kümmerten sich um Opfer eines Raketenangriffs, als sie von einem weiteren Geschoss tödlich getroffen wurden. In der Nähe von Rafah im Süden des Gazastreifens beschossen israelische Truppen das Fahrzeug einer Miliz des Hamas-Innenministeriums. Dabei wurden vier Insassen schwer verletzt. Im Westjordanland erstürmten israelische Soldaten das Haus des palästinensischen Ministers für öffentliche Aufgaben, Abdul Rahman Seidan, und nahmen ihn fest. Er ist das fünfte Mitglied der Hamas-Regierung, das von der israellischen Armee verhaftet wurde.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas forderte den Uno-Sicherheitsrat in einer Stellungnahme auf, augenblicklich einzugreifen und den israelischen Überfall auf den Gazastreifen zu beenden.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich besorgt über die Lage im Krisengebiet. "Die andauernde Gewalt macht einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Region schwieriger", sagte Annan am Abend in New York. Zwangsläufig gebe es Opfer unter der Zivilbevölkerung in den dicht besiedelten Gebieten. Er forderte Israel zur höchst möglichen Zurückhaltung auf. Zugleich mahnte er die Palästinenser, Raketenangriffe auf zivile Ziele in Israel zu unterlassen.

reh/AFP/Reuters/dpa

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