Gaza Mitbegründer der Fatah-Miliz ermordet

Neues Blutvergießen im Gazastreifen: Anhänger der radikal-islamischen Hamas haben einen ranghohen Fatah-Funktionär mit 45 Schüssen vor seinem Haus getötet. Mindestens drei weitere Männer starben bei einer Schießerei in einem Krankenhaus.


Gaza - Bewaffnete Hamas-Mitglieder zerrten den ranghohen Fatah-Vertreter aus seinem Haus im Gazastreifen und töteten ihn - mit 45 Kugeln, berichteten Sanitäter. Bei dem Ermordeten handle es sich um den Fatah-Generalsekretär und Mitbegründer der Al-Aksa-Brigaden Dschamal Abu al-Dschedian, teilten Krankenhausmitarbeiter und Sprecher der Fatah mit. In einem dramatischen Anruf bei einem Radiosender flehte eine Frau aus dem Haus um Hilfe.

Das Blutvergießen im Gazastreifen ging ungeachtet einer neuen Waffenruhe weiter. Nach unterschiedlichen Angaben wurden am Montag bis zu zwölf Palästinenser getötet - darunter mehrere verletzte Fatah-Mitglieder, die in einem Krankenhaus erschossen wurden. "Jeder schießt hier auf jeden", berichtete ein Arzt aus dem Beit-Hanoun-Krankenhaus im nördlichen Gazastreifen über die Kämpfe zwischen Mitgliedern der Hamas und Fatah. Ein Hamas-Mitglied, zwei Fatah-Kämpfer und eventuell eine weitere Person seien getötet, 19 weitere verletzt worden, sagten Angestellte des Krankenhauses.

Bereits früher am Tage musste eine Kabinettssitzung der Regierung abgebrochen werden, weil das Regierungsgebäude ins Kreuzfeuer eines Gefechts zwischen bewaffneten Kämpfern kam. Auf politischer Ebene sitzen beide rivalisierenden Organisationen als Koalitionspartner am Regierungstisch. Wegen der Schüsse flohen Minister beider Seiten aus dem Gebäude.

Auch das Haus von Ministerpräsident Ismail Hanija wurde beschossen, ebenso das von der Hamas geleitete Ministerium für Jugend und Sport. Sowohl Fatah als auch Hamas riefen ihre Anhänger zur Ruhe auf - auch, um zehntausenden Schülern die gefahrlose Teilnahme an den Abschlussprüfungen zu ermöglichen. "Das ist eine Schande für unser Volk", sagte Präsident Mahmud Abbas beim Besuch einer Schule im Westjordanland.

tno/AP/dpa/Reuters



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