Tel Aviv - Für Diplomaten gibt es wohl kein heikleres Terrain als den Nahen Osten. Doch nur selten bekam ein Politiker aus dem Ausland bei einem Besuch in Israel oder Palästina die Wut der Konfliktparteien so unmittelbar zu spüren wie nun Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen.
Dutzende Palästinenser griffen am Donnerstag den Konvoi Bans bei der Einfahrt in den Gaza-Streifen an. Sie bewarfen die Wagen mit Steinen und Schuhen.
Augenzeugen berichteten, mehrere Dutzend Angehörige von palästinensischen Häftlingen hätten in der Nähe des Eres-Grenzübergangs auf den Uno-Generalsekretär gewartet. Als die Wagenkolonne vorbeifuhr, sei sie von den Objekten getroffen worden. Es war zunächst unklar, ob auch das Auto, in dem Ban saß, angegriffen wurde. Verletzt wurde aber niemand. Der Konvoi wurde von Polizeiwagen der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas begleitet.
Der hatte am Mittwoch Palästinenser und Israelis zu einer Fortsetzung ihrer Gespräche aufgerufen. Ein palästinensischer Staat sei "lange überfällig", sagte Ban nach einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Die Zwei-Staaten-Lösung könne nur durch Verhandlungen erreicht werden, sagte Ban. Beide Seiten sollten an direkten Gesprächen teilnehmen und Provokationen unterlassen, die den Dialog gefährden könnten.
Den Gefallen taten ihm zumindest die Dutzend Palästinenser nicht, die auf seinen Konvoi warteten.
Ban war unterwegs nach Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen, wo er ein Bauprojekt einweihen wollte, das von den Vereinten Nationen unterstützt wird.
Vor Bans Besuch war es zu neuer Gewalt gekommen. Die israelische Armee griff in der Nacht zum Donnerstag Ziele im nördlichen Gaza-Streifen an, wie ein Armeesprecher bestätigte. Es habe sich allerdings nur um "Abschreckungsschüsse" gehandelt. Israels Militär reagierte damit auf neue Raketenangriffe militanter Palästinenser. Vier Raketen seien am Mittwoch im Grenzgebiet um den Gaza-Streifen eingeschlagen, sagte der Sprecher. Ban wollte am Donnerstag auch das israelische Grenzgebiet besuchen.
Er war am Montag zu Vermittlungsgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern in den Nahen Osten gereist. Die Friedensgespräche liegen seit September 2010 auf Eis.
fab/dpa/AFP
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