Gaza-Streifen: Demonstranten bewerfen Ban Ki Moon mit Schuhen

Es hagelte Steine und Schuhe, das Symbol der Verachtung: Die Wagenkolonne des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon ist im Gaza-Streifen von wütenden Demonstranten attackiert worden. Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte.

REUTERS

Tel Aviv - Für Diplomaten gibt es wohl kein heikleres Terrain als den Nahen Osten. Doch nur selten bekam ein Politiker aus dem Ausland bei einem Besuch in Israel oder Palästina die Wut der Konfliktparteien so unmittelbar zu spüren wie nun Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Dutzende Palästinenser griffen am Donnerstag den Konvoi Bans bei der Einfahrt in den Gaza-Streifen an. Sie bewarfen die Wagen mit Steinen und Schuhen.

Augenzeugen berichteten, mehrere Dutzend Angehörige von palästinensischen Häftlingen hätten in der Nähe des Eres-Grenzübergangs auf den Uno-Generalsekretär gewartet. Als die Wagenkolonne vorbeifuhr, sei sie von den Objekten getroffen worden. Es war zunächst unklar, ob auch das Auto, in dem Ban saß, angegriffen wurde. Verletzt wurde aber niemand. Der Konvoi wurde von Polizeiwagen der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas begleitet.

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Gaza: Schuhe fliegen auf den Uno-General
Die Palästinenser wollten damit ihren Zorn darüber demonstrieren, dass internationale Politiker sich nicht ausreichend für ihre Angehörigen in israelischen Gefängnissen einsetzen. Gegenwärtig sitzen noch etwa 4000 sogenannte Sicherheitshäftlinge in Israel in Haft. Die Demonstranten trugen Plakate, auf denen sie Ban vorwarfen, Politik für Israel zu machen.

Der hatte am Mittwoch Palästinenser und Israelis zu einer Fortsetzung ihrer Gespräche aufgerufen. Ein palästinensischer Staat sei "lange überfällig", sagte Ban nach einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Die Zwei-Staaten-Lösung könne nur durch Verhandlungen erreicht werden, sagte Ban. Beide Seiten sollten an direkten Gesprächen teilnehmen und Provokationen unterlassen, die den Dialog gefährden könnten.

Den Gefallen taten ihm zumindest die Dutzend Palästinenser nicht, die auf seinen Konvoi warteten.

Ban war unterwegs nach Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen, wo er ein Bauprojekt einweihen wollte, das von den Vereinten Nationen unterstützt wird.

Vor Bans Besuch war es zu neuer Gewalt gekommen. Die israelische Armee griff in der Nacht zum Donnerstag Ziele im nördlichen Gaza-Streifen an, wie ein Armeesprecher bestätigte. Es habe sich allerdings nur um "Abschreckungsschüsse" gehandelt. Israels Militär reagierte damit auf neue Raketenangriffe militanter Palästinenser. Vier Raketen seien am Mittwoch im Grenzgebiet um den Gaza-Streifen eingeschlagen, sagte der Sprecher. Ban wollte am Donnerstag auch das israelische Grenzgebiet besuchen.

Er war am Montag zu Vermittlungsgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern in den Nahen Osten gereist. Die Friedensgespräche liegen seit September 2010 auf Eis.

fab/dpa/AFP

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1. ....
schlammschlacht 02.02.2012
Zitat von sysopEs hagelte Steine und Schuhe, das Symbol der Verachtung: Die Wagenkolonne des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon ist im Gaza-Streifen von wütenden Demonstranten attackiert worden. Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte. Gaza-Streifen: Demonstranten bewerfen Ban Ki Moon mit Schuhen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812905,00.html)
Ja, der SPON und seine "Schreibweise" gegen Ende des Artikels: .....Israels Militär reagierte damit auf neue Raketenangriffe militanter Palästinenser. Vier Raketen seien am Mittwoch im Grenzgebiet um den Gazastreifen eingeschlagen, sagte der Sprecher...... In der Überschrift des Artikels: ....Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte.... Wenn Israel sich also gegen einen Angriff verteidigt ist Israel der Angreifer?
2. ...
deus-Lo-vult 02.02.2012
Zitat von sysopEs hagelte Steine und Schuhe, das Symbol der Verachtung: Die Wagenkolonne des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon ist im Gaza-Streifen von wütenden Demonstranten attackiert worden. Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte. Gaza-Streifen: Demonstranten bewerfen Ban Ki Moon mit Schuhen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812905,00.html)
Jawoll! So macht man auf seine Probleme aufmerksam und sich nachhaltig Freunde, die sich für die Belange einsetzen... Und diesen Leuten sollen wir helfen?
3. Beim Spiegel müsste es immer
atherom 02.02.2012
Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte. Gaza-Streifen: Demonstranten bewerfen Ban Ki Moon mit Schuhen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812905,00.html)[/QUOTE] einen Hinweis auf das Kleingedruckte geben: Zuvor sind ja wieder Raketen auf Israel abgeschossen worden. Dann erschiene der "gerechte" Zorn der Schuhwerfer im neutraleren Licht. Übrigens: der Schuhwurf als Zeichen der Verachtung wurde in Iraq, gegen Bush angewandt. Kann mir ein Leser mitteilen, ob es diese tapfere Geste auch früher, zum Beispiel gegen Saddam gab?
4. Gaza
hubertrudnick1 02.02.2012
Zitat von sysopEs hagelte Steine und Schuhe, das Symbol der Verachtung: Die Wagenkolonne des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon ist im Gaza-Streifen von wütenden Demonstranten attackiert worden. Die Stimmung war aufgeheizt, weil israelisches Militär zuvor palästinensische Ziele angegriffen hatte. Gaza-Streifen: Demonstranten bewerfen Ban Ki Moon mit Schuhen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812905,00.html)
In dieser Konstellation wird dort in Gaza nie Frierden geben können, dazu sind all die Interssen zu unterschiedlich.
5. .... wenn es wir denn täten....
iskin 02.02.2012
Zitat von deus-Lo-vultJawoll! So macht man auf seine Probleme aufmerksam und sich nachhaltig Freunde, die sich für die Belange einsetzen... Und diesen Leuten sollen wir helfen?
dann hätten wir einige Probleme weniger im Nahen Osten. Und wie sollen die Palästinenser auf ihre Probleme aufmerksam machen, wenn die Mainstream-Medien diese totschweigen?
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