Grenze zu Israel Hunderte Palästinenser bei Protesten im Gazastreifen verletzt

Drachen mit Brandbomben, scharfe Schüsse, Tränengas: An der Grenze zu Gaza ist der Konflikt zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften wieder eskaliert. Es gibt zahlreiche Verletzte.

Aktivisten mit Palästinenser-Flagge
AP

Aktivisten mit Palästinenser-Flagge


An der Grenze zum Gazastreifen ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Israelische Soldaten schossen auf palästinensische Demonstranten und setzten Tränengas ein. Dabei wurden nach Angaben von Sanitätern zahlreiche Menschen verletzt, über die genauen Zahlen gibt es abweichende Angaben.

Nach palästinensischer Darstellung wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters rund 350 Menschen verletzt, die meisten durch Tränengas. 50 Palästinenser hätten Schussverletzungen erlitten, drei seien durch Schüsse israelischer Soldaten lebensgefährlich verletzt worden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet hingegen unter Berufung auf das palästinensische Gesundheitsministerium von insgesamt 1143 Verletzten. Davon seien 83 Personen von scharfer Munition getroffen worden.

Einige Palästinenser steckten Reifen in der Nähe der Grenze in Brand, um durch den Rauch den Scharfschützen auf der anderen Seite die Sicht zu nehmen. Demonstranten schossen nach eigenen Angaben mit Steinschleudern zwei israelische Beobachtungsdrohnen ab. Die Armee bestätigte lediglich den Absturz. Sie sprach von schätzungsweise 7000 palästinensischen Demonstranten an fünf Orten entlang der Grenze.

Die Demonstrationen dauern bereits seit dem 30. März an. Teils Zehntausende Palästinenser protestieren für einen Zugang in die von ihnen beanspruchten Teile Israels. Bei den wiederkehrenden Zusammenstößen mit israelischen Soldaten sind im vergangenen Monat mindestens 43 Palästinenser getötet worden. Menschenrechtsorganisationen und die Uno kritisierten das Vorgehen Israels. Es ist der schlimmste Gewaltausbruch seit dem Gazakrieg 2014.

Lenkdrachen mit Brandbomben auf Israel gesteuert

Palästinensische Aktivisten schickten erneut Lenkdrachen mit Brandbomben über die Grenze nach Israel. In den vergangenen Wochen waren laut israelischen Medien durch Drachen mit brennenden Stofffetzen bereits mehrfach Felder im Süden Israels in Flammen aufgegangen.

Protest an der Grenze zu Gaza
AFP

Protest an der Grenze zu Gaza

Die israelische Regierung wirft der radikalislamischen Hamas vor, die Demonstrationen organisiert zu haben. Die Hamas benutze Zivilisten als menschliche Schutzschilde und bringe Minderjährige wissentlich in Gefahr, hieß es. Die Soldaten würden die Grenze gegen die islamistischen Kämpfer verteidigen. Die israelischen Scharfschützen hätten klare Anweisungen, erst nach mehreren Warnungen zu schießen und auch dann nur auf die Beine.

Israel feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum. Die Gründung eines palästinensischen Staates wird in Friedensgesprächen seit 1993 diskutiert. Momentan liegen die Verhandlungen jedoch auf Eis.

Die Proteste sollen noch bis zum 15. Mai dauern. An dem Tag gedenken die Palästinenser der Vertreibung Hunderttausender Menschen während des Nahost-Krieges 1948.

apr/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.