Gaza-Streifen Fatah spricht von Krieg gegen Hamas

17 Tote bei schweren Kämpfen in den vergangenen Stunden im Gaza-Streifen und ein Granatenangriff auf das Haus von Ministerpräsident Hanija: Die Fatah von Präsident Abbas spricht inzwischen von einem Krieg mit der rivalisierenden Hamas.


Gaza - Maher Mikdad, Sprecher der Fatah, benutzte das Wort Krieg, um die schweren Kämpfe zwischen seiner Organisation und der Hamas zu beschreiben. In einer Botschaft der Fatah wurden alle Mitglieder aufgerufen, alle politischen und militärischen Führer der Hamas anzugreifen.

Gaza: Bewaffnete überwachen die Beerdigung von Mohammed al-Swerke, einem Mitglied der Sicherheitstruppe von Präsident Abbas
REUTERS

Gaza: Bewaffnete überwachen die Beerdigung von Mohammed al-Swerke, einem Mitglied der Sicherheitstruppe von Präsident Abbas

Für Empörung sorgte bei der Partei des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas vor allem der Überfall auf den Fatah-Funktionär Dschamal Abu al-Dschedijan, der gestern Abend im nördlichen Gaza-Streifen aus seinem Haus gezerrt und mit 45 Schüssen getötet wurde. Insgesamt kamen gestern und heute früh 17 Menschen ums Leben. Mehr als 60 weitere wurden nach Angaben von Ärzten verletzt.

Auf das Haus des palästinensischen Regierungschefs Ismail Hanija, der zur radikal-islamischen Hamas gehört, wurde am Morgen eine Granate abgefeuert. Das Gebäude sei beschädigt, aber niemand verletzt worden, sagte ein Regierungsvertreter.

Zuvor hatten sowohl Abbas als auch Hanija erneut zur Einstellung der Kämpfung aufgerufen, doch verhallten ihre Appelle ungehört. Auch scheiterten die Versuche, eine neue Waffenruhe zu vereinbaren.

Der Chef einer ägyptischen Vermittlerdelegation drohte den verfeindeten Gruppen, die palästinensische Bevölkerung gegen sie zu mobilisieren, sollten sie die Kämpfe nicht einstellen.

Er habe die Führer der kämpfenden Gruppen für den Mittag in sein Büro bestellt, sagte der ägyptische Delegationsleiter General Burhan Hamad in Gaza. "Wir sollten uns auf die totale Einstellung dieser beschämenden Kämpfe einigen", sagte er. Ansonsten drohte er, tausende Palästinenser auf die Straße zu führen, um gegen Hamas und Fatah zu demonstrieren.

Zu heftigen Schießereien zwischen Angehörigen der Fatah und der Hamas kam es auch in Bet Hanun im Norden des Gaza-Streifens, obwohl beide Gruppen sich zuvor unter ägyptischer Vermittlung auf eine Feuerpause geeinigt hatten. Bereits am Vortag waren bei Kämpfen mindestens drei Palästinenser getötet worden.

Um den innerpalästinensischen Konflikt zu bereinigen, wurde die Fatah im März an der Regierung beteiligt. Im Streit über die Kontrolle der Sicherheitskräfte flammten Mitte Mai aber neue Kämpfe zwischen Fatah und Hamas auf. Seitdem kamen dabei mehr als 80 Menschen ums Leben.

asc/AP/dpa

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