Gaza-Streifen: Islamisten töten italienische Geisel

Grausames Ende einer Entführung im Gaza-Streifen: Wenige Stunden, nachdem eine radikalislamische Gruppe einen Italiener verschleppt hatte, ist seine Leiche entdeckt worden. Der Mann hatte sich als Friedensaktivist für die Palästinenser engagiert.

Gaza-Stadt - Im Gaza-Streifen ist ein Italiener entführt und wenige Stunden später getötet worden. Als verantwortlich für die Tat gilt eine Gruppe radikaler Islamisten. Die Leiche des Mannes sei in der Nacht zum Freitag auf einer Straße in Gaza gefunden worden, teilte ein Sprecher der Hamas mit. In anderen Meldungen hieß es, der 36-Jährige sei von seinen Entführern getötet worden, als Sicherheitskräfte das Versteck stürmten. Der pro-palästinensische Friedensaktivist war von einer bislang unbekannten Gruppe von Salafisten verschleppt worden.

Den Angaben zufolge wurde der Italiener erstickt. Zwei seiner mutmaßlichen Entführer seien festgenommen worden. Bei dem Opfer soll es sich um den Journalisten und Schriftsteller Vittorio A. handeln, der sich für die pro-palästinensische Internationale Solidaritätsbewegung (ISM) engagierte. Es war die erste Entführung eines Ausländers im Gaza-Streifen seit vier Jahren.

In einem auf YouTube veröffentlichten Video hatten die Geiselnehmer zuvor mit der Ermordung des Italieners gedroht, sollte ihre Forderung nach Freilassung von mehreren im Gaza-Streifen inhaftierten Salafisten nicht erfüllt werden. Sie setzten der verfeindeten Hamas-Führung unter Ismail Hanija dafür eine Frist bis Freitag 16.00 Uhr MESZ.

Ein Sprecher der Hamas-Regierung im Gaza-Streifen verurteilte die "abscheuliche" Tat. Die restlichen Mitglieder der Gruppe würden aufgespürt und zur Verantwortung gezogen, sagte er im Fernsehen. Die palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland hatte bereits zuvor die Entführung verurteilt. "Diese Tat hilft der Sache des palästinensischen Volkes nicht - im Gegenteil, sie schadet ihr", hieß es in einer Erklärung aus Ramallah.

Im Gaza-Streifen, den die radikalislamische Hamas seit 2007 kontrolliert, gibt es fünf größere Salafistengruppen, die alle für eine strenge Form des sunnitischen Islam eintreten. Sie sind mit der Hamas verfeindet. Eine Gruppe von Salafisten hatte 2007 den BBC-Reporter Alan Johnston entführt. Die Hamas half bei der Befreiung des Journalisten nach viermonatiger Gefangenschaft.

Als ein Salafist bei einer Predigt in Rafah 2009 zur Schaffung eines islamistischen Emirats im Gaza-Streifen aufrief, stürmten Sicherheitskräfte der Hamas die Moschee. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen starben 24 Menschen.

ler/AFP/dpa

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1. Salafisten
Mr.Threepwood 15.04.2011
Der pro-palästinensische Friedensaktivist war von einer bislang unbekannten Gruppe von Salafisten verschleppt worden. ist pierre vogel nicht auch salafist? ohne zynisch klingen zu wollen, aber einen pro-palästinensischen europ. friedensaktivisten zu töten, ist mehr als ein eigentor für die sache der palästinenser und den islam allgemein. was wollen diese menschen eigentlich? krieg, frieden, einfach nur sinnlos morden oder doch sharia für alle?
2. Weitsicht
Hubatz 15.04.2011
Diese Tat zeugt nicht grade von Weitsicht. Mit dem grossen Feind Isreal vor der Tür sollte man meinen, die Muslime da unten hätten wenigstens soviel Grips, sich zu solidarisieren statt sich in Splittergruppen zu bekämpfen. Naja, zeugt mal wieder von der Beschränktheit dieser Religion :)
3. Ein
Spiegeleii 15.04.2011
gutes Beispiel sich aus Sachen rauszuhalten die einen nichts angehen. Friedensaktivist, Friedensmissionen ich kanns nicht mehr hören. Italiener gehören nach Italien und wenn die woanders rumlaufen dann als Gäste. Der Kampf gegen das Unrecht in Palestina ist Sache der Palestinenser. Aber er hats ja nur gut gemeint. Das Gegenteil von Gut - ist - gut gemeint.
4. Robuste Antwort
sentinel1986 15.04.2011
Zitat von sysopGrausames Ende einer Entführung im Gaza-Streifen: Wenige Stunden, nachdem*eine radikalislamische Gruppe einen Italiener verschleppt hatte, ist seine Leiche entdeckt worden. Der Mann hatte sich als Friedensaktivist für die Palästinenser engagiert.**** http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757156,00.html
Salafisten, Dschihadisten etc,tc, wenn sie sich nur gegenseitig bekämpfen, wäre das eine Sache; so hilft wirklich nur eine robuste Antwort, um den islamistischen Sonderweg im Gaza-Streifen ein Ende zu bereiten.
5. ...
plana 15.04.2011
Angesichts solch barbarischer Gewalt ausgelöst durch religiösen Wahn eines Rudels Irrer fehlen mir die Worte. Salafisten - ist das nicht diese friedliebende Gemeinschaft welche sich in Mönchengladbach niederlassen wollte?
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Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.