Gaza-Streifen Israel bombardiert Grenze während Steinmeier-Besuchs

Außenminister Steinmeier ist zu Beginn seiner dreitägigen Nahost-Mission in eine brenzlige Situation geraten: Zwei israelische Raketen schlugen im Gebiet zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen ein, als der SPD-Politiker den Grenzübergang Rafah besuchte. Steinmeier blieb unverletzt.


Rafah - Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ sich gerade auf ägyptischer Seite auf der Dachterrasse des Abfertigungsgebäudes von einem Grenzkommandeur über die Lage informieren, als auf der anderen Seite des Übergangs im Gaza-Streifen ein israelischer Kampfjet zu hören war. Unmittelbar danach schlug direkt hinter der Grenze eine Rakete in so kurzer Distanz ein, dass die Scheiben des Gebäudes vibrierten.

Steinmeier in Rafah: "Natürlich spüren und hören wir, dass da hinten noch gekämpft wird"
DPA

Steinmeier in Rafah: "Natürlich spüren und hören wir, dass da hinten noch gekämpft wird"

Nach dem Einschlag der Rakete war eine Stichflamme und ein Feuerball zu sehen, danach stieg eine schwarze Rauchsäule auf. Die Druckwelle der Detonation war bis auf die Dachterrasse zu spüren. Der Minister zeigte keine erkennbare Regung.

"Natürlich spüren und hören wir, dass da hinten noch gekämpft wird", sagte Steinmeier. "Die humanitäre Lage ist bedrückend. Wir sehen Krankenwagen in kurzen Abständen vorbeifahren." Auf die Frage, wann er mit einem Waffenstillstand rechne, sagte Steinmeier: "Ich kann es im Augenblick nicht sagen." Es sei richtig, seine Erschütterung über die Toten und Verletzten zu zeigen, "aber die europäischen Außenminister müssen mehr tun, damit aus den Deklarationen mehr wird".

Nach Angaben von Augenzeugen gab es auch unmittelbar vor der Ankunft Steinmeiers einen Einschlag auf der Seite des Gaza-Streifens direkt hinter dem Grenztor. So nah am Grenzübergang seien die Angriffe der israelischen Luftwaffe in den vergangenen Tagen nicht gewesen.

Die Überwachung der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Waffenstillstand. Steinmeier reiste mit dem Ziel an, diese Voraussetzungen schaffen zu helfen. Zuvor hatte er dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak personelle und technische Hilfe Deutschlands zur Absicherung der Grenze und damit zur Unterbindung des Waffenschmuggels nach Gaza angeboten.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte
Eine deutsche Expertengruppe soll in wenigen Tagen nach Ägypten reisen. Der Waffenschmuggel nach Gaza, der die islamistische Hamas offenbar in die Lage versetzt, Israel mit Raketen zu beschießen, läuft vielfach durch Tunnelsysteme, die unter der Grenzlinie hindurchführen.

Nach diplomatischen Angaben werden durch die Tunnel allerdings auch häufig Lebensmittel und Schlachttiere zur Versorgung der Bevölkerung geschmuggelt. Waffen werden demnach auch übers offene Meer angeliefert. Dieser Schmuggel sei kaum kontrollierbar, weil die Waffen offenbar in verschlossenen Fässern ins Meer geworfen würden. Die Fässer trieben dann oftmals nicht nur an der Küste des Gazastreifens sondern auch in Ägypten an.

chs/AP/AFP

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