Getötete Teenager Israel fliegt Luftangriffe im Gazastreifen

Kampfjets der israelischen Luftwaffe haben in der Nacht zahlreiche Objekte im Gazastreifen unter Beschuss genommen. Nach der Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen kam es in Jerusalem zu neuen Demonstrationen.

Angriff auf Gaza-Stadt: Zahlreiche Ziele attackiert
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Angriff auf Gaza-Stadt: Zahlreiche Ziele attackiert


Jerusalem - Israels Luftwaffe hat in der Nacht zum Donnerstag zahlreiche Ziele im Gazastreifen und in Gaza-Stadt angegriffen. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Rettungs- und Sicherheitskräfte neun Palästinenser verletzt, einer davon schwer. Wie die Streitkräfte mitteilten, wurden mehr als 20 Raketen abgefeuert und 15 Hamas-Ziele angegriffen. Darunter seien versteckte Raketenabschusseinrichtungen und Waffenlager gewesen.

Von dem abgeschotteten Küstenstreifen am Mittelmeer waren nach Angaben des israelischen Militärs zuvor zehn Raketen abgeschossen worden, von denen eine in einem Wohnhaus der grenznahen israelischen Stadt Sderot eingeschlagen sei. Innerhalb von 24 Stunden wurden demnach 18 Projektile aus dem Gazastreifen abgeschossen.

Nach der Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen in Ost-Jerusalem haben am Mittwochabend zudem Tausende Demonstranten im Gazastreifen gegen das Verbrechen protestiert. Zu der Massenversammlung, an der rund 3000 Menschen teilnahmen, hatte die radikalislamische Hamas aufgerufen, die von Israel als Terrororganisation betrachtet wird.

Der ehemalige Hamas-Regierungschef Ismail Hanijeh rief zur Solidarität mit den Palästinensern im besetzten Westjordanland auf und forderte von der internationalen Gemeinschaft, gegen die "Verbrechen" der Israelis vorzugehen.

Der 16-jährige Mohammed Abu Chdeir war am Mittwochmorgen an einer Straßenbahnhaltestelle im arabischen Stadtteil Schuafat in Ost-Jerusalem in ein Auto gezwungen worden, laut Augenzeugen von drei Israelis. Einige Stunden später wurde seine Leiche im Westteil der Stadt an einem Waldrand entdeckt.

Verdacht auf Mord aus Rache

Es könnte sich laut israelischen Medien um einen Racheakt gehandelt haben. Schließlich ereignete sich das Verbrechen nur einen Tag nach der Beerdigung von drei jüdischen Religionsschülern, die ihrerseits im Westjordanland verschleppt und ermordet worden waren. In Jerusalem gab es daraufhin antiarabische Ausschreitungen rechter Israelis sowie gewaltsame Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei.

Die Europäische Union äußerte sich "extrem besorgt über die jüngsten Entwicklungen, die das Risiko einer Eskalation erhöhen". Die Behörde der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton verurteilte die Ermordung des palästinensischen Jugendlichen und forderte, "die Verantwortlichen hinter dieser Tat müssen zur Rechenschaft gezogen werden".

jok/AFP/dpa

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