Gaza-Streifen: Israel soll palästinensischen Bauern erschossen haben

Es ist der erste Zwischenfall seit der Waffenruhe: Israelische Soldaten sollen im Gaza-Streifen nach Angaben von Palästinensern einen Bauern erschossen haben. Israel spricht dagegen lediglich von Warnschüssen, die abgegeben worden seien.

Israelischer Soldat am Gaza-Streifen: Wie lange hält die Waffenruhe? Zur Großansicht
Getty Images

Israelischer Soldat am Gaza-Streifen: Wie lange hält die Waffenruhe?

Gaza-Stadt - Israelische Soldaten haben palästinensischen Angaben zufolge an der Grenze zum Gaza-Streifen einen Palästinenser getötet. 25 weitere Menschen seien am Freitag verletzt worden. Es war der erste bekanntgewordene Zwischenfall seit der am Mittwochabend in Kraft getretenen Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

Bei dem erschossenen Palästinenser soll es sich um einen 21 Jahre alten Bauern handeln. Die Männer seien erstmals seit dem Ende der Kämpfe wieder zu ihren Feldern im Süden des Gaza-Streifens in der Nähe des Grenzzauns gegangen, als sie unter Feuer gerieten. In anderen Angaben hieß es, die Gruppe habe sich der Grenze zu Israel genähert, um dort Teile eines beschädigten israelischen Militärfahrzeugs einzusammeln. Dabei hätten israelische Soldaten das Feuer eröffnet.

Das israelische Militär betonte, seit Donnerstag habe es Unruhen mit mehreren hundert Palästinensern an dem Zaun gegeben. Einige hätten Löcher in die Absperrung geschnitten und seien auf israelisches Gebiet vorgedrungen. Sie seien festgenommen worden. Die Soldaten hätten jedoch nur Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Die Hamas warf Israel eine Verletzung der Waffenruhe vor, die am Mittwochabend in Kraft getreten war. Israel hatte sich mit den Radikalislamisten darauf verständigt, die Luftangriffe im Gaza-Streifen im Gegenzug für einen Stopp des Raketenbeschusses auf das eigene Territorium einzustellen.

Zuvor hatte die israelische Armee die Festnahme von "55 militanten Palästinensern" im Westjordanland verkündet, denen sie "terroristische Aktivitäten" vorwarf. Vor einer Polizeiwache in Ost-Jerusalem kam es zudem zu Zusammenstößen zwischen Hunderten palästinensischen Jugendlichen und der Polizei, nachdem eine Palästinenserin festgenommen worden war, die versucht haben soll, einen israelischen Grenzwächter zu erstechen.

Israel schränkt Zugang zum Tempelberg ein

In der Nähe von Hebron im Westjordanland zerstörten nach palästinensischen Angaben jüdische Siedler rund 400 Olivenbäume. Er habe die offenbar am Vortag ausgerissenen Pflanzen am Donnerstag im Dorf Hawara vorgefunden, sagte ihr Eigentümer Dschamil Hoschijeh der Nachrichtenagentur AFP. Auf einem Schild habe geschrieben gestanden: "Gruß aus Tel Aviv" und "Gruß aus Beerscheba", offensichtlich eine Anspielung auf die jüngsten Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen auf diese beiden Städte. Die israelische Armee bestätigte auf Anfrage, es seien bis zu 400 entwurzelte Olivenbäume entdeckt worden. Hierzu seien Ermittlungen eingeleitet worden.

Aus Sicherheitsgründen schränkt Israel am Freitag den Zugang zum Tempelberg für die Palästinenser ein. Nur Männer über 40 Jahren, die über von den israelischen Behörden ausgestellte Ausweispapiere verfügten, dürften den Bereich in Ost-Jerusalem betreten. Für Frauen sei der Zugang dagegen nicht beschränkt, erklärte die Polizei am Donnerstagabend. Außerdem würden zahlreiche Sicherheitskräfte an gefährdeten Orten in der Altstadt postiert. Auf dem Tempelberg erhebt sich neben dem Felsendom auch die al-Aksa-Moschee, das drittwichtigste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina.

Anschlag auf Bus in Tel Aviv: Verdächtige festgenommen

Die israelischen Behörden haben bei den Ermittlungen zum Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv mehrere Verdächtige festgenommen. Darunter befinde sich ein Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft, der den Sprengsatz in dem Fahrzeug platziert haben soll, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Außerdem seien mehrere Palästinenser mit Verbindungen zur radikalislamischen Hamas und zu der militanten Gruppe Islamischer Dschihad im besetzten Westjordanland in Gewahrsam genommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, den Hauptverdächtigen rekrutiert zu haben, um den Anschlag auszuführen.

Ein Polizeisprecher ergänzte, die Ermittlungen liefen noch, und es sei mit weiteren Festnahmen zu rechnen. Bei dem Bombenanschlag am Mittwoch waren 15 Menschen verletzt worden.

als/dpa/AFP/dapd/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Gaza-Konflikt 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Waffenruhe: Jubel und Trauer im Gaza-Streifen

Fotostrecke
Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite