Israels Militäroffensive Zahl der Todesopfer bei Gaza-Bombardement steigt

Israel setzt seine Luftangriffe auf den Gaza-Streifen mit aller Härte fort - immer mehr Zivilisten kommen dabei nach palästinensischen Angaben ums Leben. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangt von beiden Seiten ein sofortiges Ende der Gewalt und setzt auf die Vermittlung Ägyptens.


Gaza - Die Gewalt in Nahost geht weiter: Die israelische Armee hat am Montag erneut heftige Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen geflogen. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste insgesamt zehn Zivilisten sowie zwei Feldkommandeure der Bewegung Islamischer Dschihad getötet. 30 Menschen wurden verletzt.

Bei einem Luftangriff auf ein Auto in Deir al-Balach wurden Berichten zufolge unter anderem drei Menschen getötet. Kurz darauf starben im Süden des Gaza-Streifens zwei weitere Menschen bei Luftangriffen. Zwei Häuser wurden Berichten zufolge vollständig zerstört. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben. 42 weitere Menschen seien verletzt worden. Rettungsmannschaften suchten noch nach zwölf bis 15 weiteren Menschen, die unter den Trümmern vermutet wurden.

Israelische Kampfflugzeuge hätten am Montag auch die Reste einer ehemaligen Anlage der nationalen Sicherheitsbehörden in Gaza bombardiert, sagte ein palästinensischer Sprecher. Dabei sei ein Kind von herumfliegenden Granatsplittern tödlich verletzt worden. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, seit Beginn des Militäreinsatzes am Mittwoch seien 88 Palästinenser getötet und rund 700 weitere verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Wafa berichtete von 90 Toten.

Fotostrecke

9  Bilder
Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten
In den israelischen Städten im Umkreis des Gaza-Streifens blieb es in der Nacht überwiegend ruhig. Am Morgen gab es jedoch in nahe gelegenen Ortschaften wieder Luftalarm. Seit Mittwoch haben militante Palästinenser etwa 1000 Raketen auf Israel abgefeuert, drei Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt.

Die israelische zivile Luftfahrtbehörde hat wegen der Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen die Flugrouten von und nach Tel Aviv verlegt. Starts und Landungen auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion seien dadurch aber nicht beeinträchtigt, hieß es.

Westerwelle reist noch am Montag nach Israel

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will noch am heutigen Montag in den Nahen Osten reisen, um sich um ein Ende der Gewalt zu bemühen. Am Abend trifft Westerwelle in Tel Aviv zunächst den israelischen Außenminister Avigdor Lieberman. Am Dienstag sind nach Angaben des Auswärtigen Amts Gespräche mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas und mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geplant. Am Wochenende hatte Westerwelle die Lage in Gaza und Südisrael als extrem gefährlich bezeichnet und mit Abbas telefoniert. Die Außen- und Verteidigungsminister der EU beraten an diesem Montag in Brüssel unter anderem über den Gaza-Konflikt.

Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon verlangte von beiden Seiten eine sofortige Waffenruhe. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden. Ban wird am Montag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet, wo er die ägyptischen Vermittlungsbemühungen unterstützen will. Am Dienstag will Ban nach Israel weiterreisen.

Mursi hatte am Sonntag unter anderem mit Hamas-Chef Chalid Maschaal konferiert. Ob die Gespräche am Montag weitergehen, war unklar. Unbestätigten Berichten israelischer Medien zufolge traf mittlerweile auch eine Delegation aus Jerusalem in Kairo ein. Bundesaußenminister Guido Westerwelle will am Montag ebenfalls in die Region reisen.

Beide Konfliktparteien fordern ein Ende der gegnerischen Angriffe: Der israelische Vize-Außenminister Dani Ajalon sagte dem Zweiten Israelischen Fernsehen am Montag: "Unsere kategorische Forderung ist ein vollständiger Stopp der Raketenangriffe." Es müsse im Rahmen einer Waffenruhe auch dafür gesorgt werden, dass die radikalislamische Hamas im Gaza-Streifen sich nach Ende der Konfrontationen nicht wieder neu bewaffnen könne. Die radikalislamische Hamas fordert als Bedingung für eine Waffenruhe ein Ende der israelischen Angriffe im Gaza-Streifen und der gezielten Tötungen sowie eine Aufhebung der Blockade des Palästinensergebiets.

Sorge vor einer israelischen Bodenoffensive

Beim bislang blutigsten Angriff der israelischen Streitkräfte seit Beginn der jüngsten Offensive waren am Sonntag mindestens elf palästinensische Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern waren palästinensischen Angaben zufolge vier Kinder und fünf Frauen. Sie starben, als eine israelische Rakete in einem zweigeschossigen Haus in einer Wohngegend von Gaza-Stadt einschlug, in dem das israelische Militär einen Extremisten vermutete.

Bis Sonntagabend hat Israel Armeeangaben zufolge 1100 Ziele in dem von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen angegriffen. Die andauernde Gewalt nährt Sorgen vor einer israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Operation im Gaza-Streifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Tausende Reservisten werden nach Armeeangaben auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet. Bis zu 75.000 Israelis müssen mit einer Einberufung rechnen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Sonntag, eine Fortsetzung der Militäroperation sei "selbstverständlich".

anr/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefanbodensee 19.11.2012
1. Dauerbaustelle ....
Das wird nie aufhören, mal wird es intesiver sein, mal weniger intensiv - aber es wird nie aufhören. Ein ewiger Brandherd im Nahen Osten und eine ewiger Schandfleck im Umgang miteinander .....und keine Lösung in Sicht. Weder die Hams noch Israel verhalten sich korrekt, sondern rechtfertigen Ihr Handeln mit der jeweils gegenerischen Handlung, ein Perpetuum Mobile der pefidesten Art. Nur Leid, Tod, Krieg, Hass, Gefangenschaft und so weiter und so fort. Auf diesem Boden wird bis auf Weiteres keine Friedenspflanze wachsen können ...
beer&sauerkraut 19.11.2012
2. Verhältnismäßigkeit ???
Auch in diesem Krieg scheint die Verhältnismäßigkeit nicht zu stimmen. Im letzten Krieg waren es officiell 1300 Menschen auf Palästinensischer Seite, was immer das auch heißen mag. Die Raketen auf Israelischer Seiten fordern meist nur Verletzte und sind kaum gezielt steuerbar. Angesichts der Zahlen stellt sich die Frage wer hier eigentlich Krieg möchte?
twister13 19.11.2012
3. Normative Kraft des faktischen
Man muss jetzt eigentlich nur abwarten. Der Hamas muss bei diesem Bombardement und der Anzahl der Raketenangriffe auf Israel irgendwann die Munition, sprich die Raketen ausgehen. Dann kehrt Ruhe ein und man kann sich an den Verhandlungstisch setzen. Was mich aber schon mal interessieren würde ist wie die Hamas diese groteske Anzahl an Waffen bekommt. Entweder Schmuggel von der Seeseite, oder durch Tunnel von Ägypten, oder offiziell über den ägyptischen Grenzübergang, mit schönen Grüssen von den Muslimbrüdern und einem roten Schleifchen. Auf jeden Fall sollten die Verantwortlichen der Hamas nie wieder behaupten dass Israel die Lieferung von lebensnotwendigen Gütern in den Gaza Streifen behindern würde. Wer in der Lage ist diese irrwitzige Anzahl an Raketen zu schmuggeln, der sollte auch in der Lage sein alles andere zu schmuggeln.
blattmacher_i 19.11.2012
4. Israel muss handeln!
Es liegt an Israel, diese unglaublichen Szenen zu beenden. Der internationale Druck auf diesen Staat, der die besetzten Gebieten unter dem Vorwand der Selbstverteidigung terrorisiert, kann nicht groß genug sein.
Leserbrief 19.11.2012
5. Berichterstattung
die Berichterstattung ist zuwenig professionell. Ist doch klar, dass Journalisten in Gaza keine Kämpfer zeigen dürfen, sondern primär Kinder. Manchmal kommen die Fotos auch aus Syrien.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.