Gaza Palästinenser jubeln über unbefristete Waffenruhe

Feuerwerk statt Raketenbeschuss: Israel und die Palästinenser haben sich auf einen unbefristeten Waffenstillstand verständigt. Im Gaza-Streifen jubeln Tausende auf den Straßen - und feiern sich als Sieger.


Ramallah/Kairo/Gaza-Stadt - Sieben Wochen lang erschütterten den Gaza-Streifen heftige Gefechte, nun jubeln Palästinenser über den unbefristeten Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas. In Gaza-Stadt feierten Tausende Menschen die überraschende Einigung auf den Straßen - unter anderem mit Freudenschüssen und Feuerwerk.

Am frühen Abend war bekannt geworden, dass sich beide Seiten unter Vermittlung Ägyptens darauf geeinigt haben, bis auf Weiteres einander nicht mehr zu bekämpfen- der Waffenstillstand trat um 18 Uhr in Kraft. Unter anderem soll nun die Blockade des Gaza-Streifens teilweise aufgehoben werden, um humanitäre Hilfe durchzulassen. Zudem werde die Fangzone für palästinensische Fischer im Mittelmeer auf sechs Meilen ausgeweitet, erklärte der ägyptische Außenminister Samih Schukri. Bei indirekten Gesprächen zwischen beiden Seiten würden weitere strittige Punkte verhandelt.

Am Abend zeigten sich erstmals seit Beginn des Konflikts ranghohe Vertreter der Hamas und der Gruppierung "Islamischer Dschihad" wieder öffentlich. Anführer beider Organisationen hielten am Abend Siegesreden vor Tausenden Anhängern in Gaza-Stadt. Mahmud al-Sahar von der Hamas kündigte den Bau eines eigenen Hafens sowie eines Flughafens für das Küstengebiet an und drohte für den Fall von Attacken auf den Flughafen mit Gegenangriffen.

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Gaza: Palästinenser feiern "Sieg"
Die Palästinenser streben nun laut der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ein fest terminiertes Ende der israelischen Besatzung an, der Uno-Sicherheitsrat soll das demnach ermöglichen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte bereits am Samstag eine diplomatische Initiative angekündigt und eine genauere Erläuterung seiner Pläne angekündigt.

"Dies ist eine Gelegenheit, keine Gewissheit"

Kurz zuvor hatte die radikalislamische Hamas die Waffenruhe bereits als eigenen "Sieg" interpretiert. "Wir haben geschafft, was all die arabischen Armeen nicht geschafft haben", sagte ein Sprecher der Hamas. Damit bezog er sich auf frühere militärische Niederlagen arabischer Staaten gegen die israelische Armee. In Ramallah war für den Abend auch eine Sitzung der Spitzengremien von PLO und der Fatah-Partei von Abbas anberaumt worden.

Erfreut über den Waffenstillstand zeigte sich US-Außenminister John Kerry. Die USA hofften auf eine "langlebige und nachhaltige" Übereinkunft, teilte er mit. Alle Beteiligten seien aufgerufen, sich nun an die Vereinbarung zu halten. "Uns allen ist klar, dass dies eine Gelegenheit ist, keine Gewissheit." Washington stehe für die dringend benötigten Hilfslieferungen an die Menschen im Gaza-Streifen bereit. Kerry lobte Ägypten für seine Vermittlerrolle in dem Konflikt.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Einigung im Gaza-Konflikt begrüßt. "Es liegt nun an beiden Seiten, dieser Verantwortung gerecht zu werden", erklärte Ban. Nach "50 Tagen des menschlichen Leides und der furchtbaren Zerstörung" brauchten die Menschen Entlastung. "Die Kinder in Gaza und in Israel müssen das neue Schuljahr ohne das Geräusch von Raketen und von Luftschlägen beginnen können."

Am 8. Juli hatte das israelische Militär eine Offensive begonnen - als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Palästinensergebiet. Mit dem letzten israelischen Militärschlag vor der Waffenruhe am Dienstag war die Zahl der palästinensischen Opfer auf 2137 gestiegen. Nach Uno-Angaben waren darunter 491 Kinder und 253 Frauen. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten, drei israelische Zivilisten und ein thailändischer Landarbeiter getötet.

Gazakrieg 2014

mxw/AFP/dpa/Reuters/AP

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