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Gaza-Streifen: Proteste gegen Kopftuch-Vorschrift für Anwältinnen

Eine neue Kleiderordnung im Gaza-Streifen sorgt für heftige Proteste von Anwälten und Menschenrechtlern: Das von der radikal-islamischen Hamas beherrschte Oberste Gericht verlangt von palästinensischen Anwältinnen, vor Gericht künftig ein Kopftuch zu tragen.

Gaza - Nicht nur das Kopftuch ist Pflicht - Anwältinnen, die vor dem Obersten Gericht in Gaza auftreten, müssen auch ein langes Kleid tragen, das Arme und Beine bedeckt. So hat es der oberste Richter Abdel Rauf al-Chalabi entschieden. Gegen die Bestimmung laufen Anwälte und Menschenrechtler Sturm.

Die Entscheidung verstoße gegen die individuelle Freiheit und die Rechte der Frauen, kritisierte das palästinensische Zentrum für Menschenrechte. Die Organisation bezeichnete die Kleidervorschrift als Gesetzesverstoß und "ungerechtfertigte Einmischung" in die Angelegenheit der Anwälte. Der Präsident der Anwaltskammer, Salamat Bessissu, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP, sein Verband lehne die Neuregelung ab. Der palästinensische Menschenrechtsverband verurteilte die Forderung am Sonntag als Verstoß gegen die persönliche Freiheit und die Rechte der Frauen.

Die Regelung soll den Angaben zufolge zum 1. September in Kraft treten. Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas sieht kein Gesetz verletzt. Die Regierung habe "nicht die geringste neue Entscheidung" getroffen, die gegen ein Gesetz verstoße, sagte er. Es handele sich nicht um einen Versuch, die Freiheit im Gaza-Streifen insgesamt einzuschränken. Darüber hinaus sei es auch keine neue Entscheidung.

Die überwiegende Mehrheit der Frauen im islamisch dominierten Gaza-Streifen am Mittelmeer trägt bereits Kopftuch. Seit der gewaltsamen Übernahme der Kontrolle vor zwei Jahren bemüht sich die Hamas um eine stärkere Umsetzung islamischer Religionsgesetze in allen Bereichen des Lebens.

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