Gaza Uno verurteilt Gewalt - Abbas setzt Friedensgespräche aus

Die Dringlichkeitssitzung endete mit einer klaren Botschaft: Der Uno-Sicherheitsrat hat die Eskalation der Gewalt in Nahost aufs Schärfste verurteilt - aber die Kämpfe gehen auch heute weiter. Radikale Palästinenser griffen Israel mit Raketen an, israelische Kampfjets fliegen schwere Luftangriffe.


New York/Gaza - Der dringliche Appell blieb ungehört: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Israelis und Palästinenser zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgefordert. "Ich rufe alle Seiten dazu auf, weitere tödliche Zusammenstöße zu vermeiden", sagte er vor dem Uno-Sicherheitsrat, der in New York zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetreten war.

Nach der fünfstündigen Sitzung verurteilte das Gremium die Gewalt der vergangenen Tage: "Wir verurteilen die palästinensischen Raketenangriffe und verlangen die unverzügliche Einstellung dieser terroristischen Handlungen, die keinen Zweck haben, außer israelische Zivilisten in Gefahr zu bringen und das palästinensische Volk ins Unglück zu stürzen", sagte Ban in der öffentlichen Sitzung des Sicherheitsrates. Jedoch verurteile er, auch wenn er Israels Recht zur Selbstverteidigung anerkenne, die "unverhältnismäßig überzogene Gewaltanwendung", die so viele Zivilisten - darunter viele Kinder - getötet und verletzt habe.

Ein Ende der Gewalt ist aber nicht in Sicht: Die israelische Luftwaffe setzte ihre Luftangriffe heute den fünften Tag in Folge fort. Der israelische Rundfunk meldete heute Morgen, die schweren Luftangriffe im Rahmen der Operation "Heißer Winter" sollten noch einige Tage fortgesetzt werden. Gegenwärtig sei jedoch nicht vorgesehen, zusätzlich mit Bodentruppen in den Gaza-Streifen einzudringen. Bei den jüngsten Angriffen wurde nach palästinensischen Angaben am frühen Morgen auch der Amtssitz des früheren Ministerpräsidenten Ismail Hanija in Gaza schwer beschädigt. Nach Berichten des israelischen Onlinedienstes Y-Net bestätigte die Armee den Angriff.

Hanija war im Sommer vergangenen Jahres von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas entlassen worden, nachdem die radikal-islamische Hamas die Macht im Gaza-Streifen gewaltsam an sich gerissen hatte. "Israel hat eine rote Linie überschritten", zitierte Y-Net einen Hamas-Sprecher nach dem Angriff.

Auch die militanten Palästinenser setzten heute ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Der israelische Rundfunk meldete, eine Rakete sei in der israelischen Stadt Netivot eingeschlagen.

Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums kamen bei den israelischen Angriffen im Gazastreifen allein gestern 60 Palästinenser ums Leben. Mehr als 200 wurden verletzt. Es handele sich um die höchste Opferzahl bei einem israelischen Militäreinsatz seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967.

Israelische Soldaten waren mit Panzern in die Stadt Dschabalija eingerückt. Dort kam es zu Kämpfen mit militanten Palästinensern. Auch wurden wiederholt Luftangriffe geflogen. Unter den Opfern waren nach palästinensischen Angaben mindestens elf Kinder.

Als Reaktion auf die israelische Militäroffensive im Gazastreifen hat Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas die Friedenverhandlungen ausgesetzt. Dies teilte ein Sprecher von Abbas am Sonntag mit.

Chefunterhändler Ahmed Kureia habe dies der israelischen Außenministerin Zipi Liwni mitgeteilt, bestätigte Liwnis Sprecher Arye Mekel. Israel bedauere diese Entscheidung, die in die Hände der Hamas spiele. Mekel betonte allerdings, dass die Friedensverhandlungen jederzeit wieder aufgenommen werden könnten.

hen/dpa/AP/AFP

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