Gaza-Konflikt Hoffen auf zwölf Stunden Feuerpause

Zwölf Stunden lang wollen Israel und die Hamas im Gaza-Konflikt die Waffen ruhen lassen. Am frühen Morgen trat die Vereinbarung in Kraft. Wenige Stunden vor der Pause wurden nach Angaben von Palästinensern noch 18 Menschen durch einen Panzerbeschuss getötet.


Gaza - Seit 7 Uhr MESZ gilt eine zwölfstündige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Beide Seiten hatten sich darauf am Freitagabend verständigt. In einer Mitteilung der israelischen Armee hieß es, Soldaten würden auch während der Feuerpause geheime Tunnel der Islamisten suchen und zerstören. Sollten Raketen abgeschossen oder sie selbst angegriffen werden, werde sie zurückschlagen. Im Gazastreifen lebende Zivilisten, die das Militär aufgefordert habe, ihre Häuser angesichts bevorstehender Angriffe zu verlassen, sollten es "unterlassen zurückzukehren".

Wenige Stunden vor Beginn der Feuerpause tötete die israelische Armee in der Nacht zum Samstag im Gazastreifen nach Angaben von Ärzten 19 Palästinenser, darunter vier Kinder und ein Sanitäter. Die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive gegen den Gazastreifen am 8. Juli stieg nach dem jüngsten Luftangriff auf 888. Am Freitagabend wurden außerdem zwei israelische Soldaten getötet. Insgesamt wurden damit auf Seiten Israels 37 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Das Sicherheitskabinett unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor eine von US-Außenminister John Kerry vorgeschlagene mehrtägige Waffenruhe "einstimmig abgelehnt", wie der israelische Fernsehender Channel 1 TV berichtete. Verteidigungsminister Mosche Jaalon hatte seine Soldaten sogar aufgefordert, sich für eine "bedeutende Ausweitung der Bodenoffensive" im Gazastreifen bereitzuhalten.

Kerry traf am Samstag zu internationalen Beratungen über den Gaza-Konflikt in Paris ein. Aus Diplomatenkreisen in der französischen Hauptstadt verlautete am Freitagabend, der französische Außenminister Laurent Fabius werde neben Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch seine Kollegen aus Großbritannien, Italien, Katar und der Türkei sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton empfangen.

Es gehe darum, die derzeit kursierenden internationalen Vorschläge für eine Waffenruhe, allen voran die ägyptische Initiative, zusammenzuführen, um "möglichst schnell" die Bedingungen für eine Waffenruhe im Gazastreifen auszuarbeiten, hieß es aus den Kreisen.

als/dpa/AFP/Reuters

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mupatz 26.07.2014
1. Hybris
Es doch ganz einfach: wenn ich es schaffe 12 Stunden meine Waffen ruhen zu lassen, dann kann ich es auch für 12 Tage, 12 Wochen, 12 Monate, 12 Jahre und so weiter... Warum aber wird diese meine mit Verlaub naive Vorstellung nicht eintreten? Richtig, weil es hier nicht um Leben und Leben lassen geht, nicht darum Israel ein Leben neben Palästina und anderen arabischen Staaten geht, vielmehr um den Machtpoker alt gedienter Israelischer und Arabischer Staatenlenker. Warum nicht mal eine neue Generation ranlassen welche mehr Ideen hat, kreativer ist? Gott/Allah hab sie alle selig die Israelis und Palästinenser. Amen
Klaus.Freitag 26.07.2014
2. Hoffnungslose Situation
Zunächst wäre es schon informativ, unter welchen Umständen wiederum 19 Menschen von der israelischen Armee, darunter vier Kinder getötet wurden. Man muss desweiteren gespannt sein. ob die Waffenruhe tatsächlich hält. So, wie es aussieht, verspricht sich die israelische Armee hiervon, dass sie nun für einige Stunden ungestört in Gaza operieren kann und nach Tunneln suchen darf, während die Hamas dem zusehen soll. Auch die Bevölkerung darf während der Waffenruhe nicht in ihre Häuser zurück, so die israelische Armee. Dies klingt leider nicht nach einer stabilen Waffenruhe, sondern nach einer zeitweisen Kapitulationsforderung der Hamas gegenüber. Ob die Hamas dem Treiben der israelischen Armee in ihrem Machtbereich tatenlos zusehen wird, muss leider bezweifelt werden. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der internationale Druck auf Israel, das völlig unverhältnismäßige Vorgehen in Gaza, dem zu fast 80 % palästinensische Zivilisten zum Opfer fallen, zu beenden, größer wird. Das brutale Vorgehen Israels ist mal wieder Beleg dafür, dass es in Israel an klugen politischen Köpfen ebenso wie am Willen zu einem gerechten frieden mit den Palästinensern erheblich mangelt und wie schon seit Jahrzehnten nicht die Denker und Visionäre, sondern die Militärs die "Politik" in Israel bestimmen. Hinzu kommt eine erhebliche (Rechts-)Radikalisierung weiter Teile der israelischen Gesellschaft und die faktische Machtübernahme der Staatsgeschäfte durch ultranationale und -religiöse (Siedler-)Kreise, denen an einem Ausgleich mit den Palästinensern natürlich nicht gelegen ist. Die wieder einmal an den Tag gelegte Brutalität Israels mit fast 900 Toten und tausenden von Verletzten auf palästinensischer Seite zeigt eine Rücksichtslosigkeit, die wenig Hoffnung auf Frieden in der Region lässt. Betrachtet man dann noch die zum Teil hochexplosive Situation in den Nachbarländern, zunächst Ägypten, dann aber vor allem Syrien, das mehr und mehr im Würgegriff der ISIS, die deutlich brutaler und gefährlicher als die Hamas agiert, zu versinken droht, dürften Friedenshoffnungen nur noch von maßlosen Optimisten gehegt werden - denn, dass sich ISIS bei seinem Vormarsch auf Syrien und Irak beschränken wird, glaubt niemand, der die Situation im Nahen Osten kennt. Stattdessen ist zu vermuten, dass sich die im Besitz erheblicher Waffenarsenale befindliche ISIS nach Erreichung ihrer kurzfristigen Ziele einem anderen Ziel widmen wird - nämlich dem Kampf gegen Israel. Es sollte somit das ureigenste Interesse Israels sein, endlich eine Einigung mit allen relevanten palästinensischen Gruppen (also Fatah und Hamas) zu erzielen, um einer weiteren Radikalisierung der gedemetügten Palästinenser den Boden zu entziehen. Mit der jetzigen "Politik" Israels steuert sowohl Israel selbst wie der gesamte Nahe Osten einer gewaltigen Katastrophe entgegen.
tinosaurus 26.07.2014
3. Feuerpause
wäre auf jeden Fall gut und zu begrüßen. Trotzdem kann ich das perfide Vorgehen der Hamas nicht nachvollziehen. Und die unschuldigen Zivilisten müssten doch auch erkennen, dass Hamas tote Zivilisten braucht und sie gezielt opfert. Sonst würden sie keine Raketen in Schulen oder Krankenhäusern verstecken und von das aus abfeuern.Was hat denn Israel für eine Wahl, wenn es täglich beschossen wird und wenn ihnen das Existenzrecht abgesprochen wird?
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