Gazakonflikt Amnesty wirft Israel Kriegsverbrechen vor

Während einer israelischen Bombenoffensive im Gazakonflikt 2014 starben mindestens 135 Zivilisten. Menschenrechtler sprechen nun von Kriegsverbrechen. Israel weist die Anschuldigungen zurück.


Amnesty International wirft Israel vor, nach dem sogenannten "Schwarzen Freitag" im Gazakonflikt Kriegsverbrechen begangen zu haben. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Menschenrechtsorganisation hervor.

Am 1. August, einem Freitag, wurde der israelische Soldat Hadar Goldin während einer Feuerpause von Hamas-Kämpfern nahe der Stadt Rafah im Gazastreifen verschleppt. Die Armee erklärte ihn später für tot. In den Tagen nach der Entführung nahm Israel die Region massiv unter Beschuss. Amnesty zufolge wurden dabei mindestens 135 Zivilisten getötet.

"Es gibt starke Beweise dafür, dass Israel durch seine unerbittliche und massive Bombardierung von Wohngebieten in Rafah Kriegsverbrechen begangen hat", warf Philip Luther, Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms, der israelischen Armee vor. Das Land habe die Entführung Goldins verhindern wollen und deshalb "unverhältnismäßig und unterschiedslos" angegriffen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation.

Dieses Vorgehen habe eine "schockierende Missachtung ziviler Leben" offenbart, heißt es in dem Bericht. Womöglich handele es sich dabei auch um Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine unabhängige Untersuchung der Angriffe hat es nicht gegeben. Die Menschenrechtsaktivisten berufen sich in ihrem Bericht auf Augenzeugenberichte, Fotos, Videos und Satellitenaufnahmen.

Israel weist die Kritik zurück: Emmanuel Nachschon, der Sprecher des israelischen Außenministeriums, nannte den Bericht auf Twitter eine "Demonstration der Scheinheiligkeit und Doppelmoral". Das Außenministerium erklärte, die Angriffe in Rafah seien keine direkte Reaktion auf das Verschwinden des Soldaten gewesen. Außerdem habe Amnesty die Aggressionen der palästinensischen Seite komplett ausgeblendet.

Im Sommer 2014 hatten Israel und militante Palästinenser 50 Tage lang gekämpft. Mehr als 2200 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden in den Gefechten getötet. Amnesty hatte der israelischen Armee, aber auch mehreren radikalen Palästinensergruppen in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit den militärischen Auseinandersetzungen vom vergangenen Jahr zur Last gelegt. Auch die Uno hatte die beiden Konfliktparteien scharf kritisiert.

Netanyahu will 300 Siedlerwohnungen bauen

Israel verfolgt seit längerem eine fragwürdige Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland - jetzt hat das Land den Bau von 300 Siedlerwohnungen genehmigt. Weiterhin seien die Planungen für 504 Wohnungen im besetzten Ostjerusalem genehmigt worden, erklärte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet sämtliche Siedlungen in den besetzten Gebieten als völkerrechtswidrig. Die Regierung unter US-Präsident Barack Obama hatte Israels Siedlungspolitik als eines der größten Hindernisse für einen Friedensvertrag zwischen Israelis und Palästinensern bezeichnet.

kry/AFP/dpa

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