Konflikt an Grenze zu Israel Tote und Hunderte Verletzte bei neuen Gaza-Protesten

Die schweren Ausschreitungen an der Grenze zu Israel halten an: Es gibt drei neue Todesopfer und Hunderte Verletzte. Mehrere Menschen schweben noch in Lebensgefahr.


Bei massiven Protesten an der Grenze zu Israel sind im Gazastreifen erneut mehrere Palästinenser getötet worden. Das teilte ein Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums mit. Mehr als 1000 weitere Palästinenser wurden den Angaben zufolge verletzt, mehrere davon lebensgefährlich.

Rund 20.000 Palästinenser waren nach Angaben der israelischen Armee an Ausschreitungen entlang der Grenze beteiligt. Viele schleuderten Steine in Richtung Israel und verbrannten Tausende Autoreifen. Damit erzeugten die Palästinenser an mehreren Orten eine "Rauchwand". Ziel war es, Scharfschützen auf der israelischen Seite der Grenze die Sicht zu erschweren.

Israels Armee wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, sie wolle im Schutz der Rauchschwaden Anschläge an der Grenze verüben. Unterdessen warnte Israel vor schweren Umwelt- und Gesundheitsschäden durch die Aktion. Beim Verbrennen von Autoreifen werden Schadstoffe freigesetzt.

Bundesregierung zeigt sich besorgt

Die radikalislamische Hamas hatte vor einer Woche den "Marsch der Rückkehr" gestartet, insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen andauern. Es ist bereits jetzt der schlimmste Ausbruch von Gewalt seit 2014, schon vor Freitag hatte es 22 Todesopfer gegeben. Allein am Karfreitag waren bei Konfrontationen 18 Palästinenser getötet worden, zwei starben später an ihren Verletzungen. Zwei weitere wurden bei Vorfällen im Grenzbereich am Dienstag und am Donnerstag getötet.

Israelische Soldaten schossen nach Armeeangaben gezielt auf palästinensische Rädelsführer. Die meisten der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser.

Die Bundesregierung zeigte sich angesichts der Unruhen besorgt über möglicherweise gezielte Schüsse der israelischen Armee auf Palästinenser. Alle Maßnahmen zur Verteidigung von Israels Sicherheitsinteressen müssten "verhältnismäßig" sein, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes: "Demonstranten dürfen nicht beschossen werden", betonte er. Ebenso dürfe auf palästinensischer Seite das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest nicht missbraucht werden.

Anlass der Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein "Recht auf Rückkehr". Israel lehnt dies ab.

Video: Mein Gaza - Leben im größten Gefängnis der Welt

dbate.de

aev/dpa/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.