Gaza-Konflikt Israel dementiert Entführung eines Soldaten durch die Hamas

Die Hamas brüstet sich mit der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen. Israels Regierung bestreitet die Gefangennahme. Der Uno-Botschafter des Landes sagt: "Die Gerüchte sind unwahr."


Gaza/New York - Es ist der Albtraum der israelischen Gesellschaft: Ein Soldat, der Kämpfern der palästinensischen Hamas in die Hände fällt. Glaubt man den militanten Extremisten, ist genau das am Wochenende passiert: Die Kassam-Brigaden, der militante Arm der Hamas, behaupten, einen israelischen Soldaten in ihre Gewalt gebracht zu haben.

"Der israelische Soldat Schaul Aaron ist in den Händen der Kassam-Brigaden", sagte ein Sprecher der Gruppe mit dem Kampfnamen Abu Ubaida am Sonntagabend im Fernsehen. Als angeblichen Beweis für die Entführung präsentierten die Islamisten Ausweise und Dokumente, die der Soldat bei sich getragen haben soll.

Doch Israels Regierung bestreitet, dass einer ihrer Soldaten in der Gewalt der Hamas ist. "Diese Meldung ist nicht wahr. Es gibt keinen entführten israelischen Soldaten", sagte Uno-Botschafter Ron Prosor am Rande der Sitzung des Uno-Sicherheitsrates in New York.

Uno-Sicherheitsrat fordert Feuerpause

Die Hamas hatte zuletzt im Jahr 2006 einen israelischen Soldaten verschleppt. Gilad Schalit wurde 2011 im Austausch gegen 1.027 in Israel inhaftierte Palästinenser freigelassen.

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Gaza-Konflikt: Die angebliche Entführung

Der Uno-Sicherheitsrat hat die Konfliktparteien zu einem schnellen Waffenstillstand aufgefordert. "Wir sind sehr besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet", sagte Ruandas Uno-Botschafter Eugene-Richard Gasana, in diesem Monat Präsident des Rates. "Wir rufen alle Seiten auf, alles Notwendige zum Schutz der Zivilisten zu tun und das internationale Völkerrecht zu achten." Der Rat verlangte zudem eine sofortige Einstellung aller Feindseligkeiten.

US-Außenminister John Kerry reist am Montag nach Kairo, um Bemühungen um eine Feuerpause zu unterstützen. Die USA und ihre internationalen Partner seien "zutiefst besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation und des Verlustes von weiteren unschuldigen Menschenleben", hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Washington . "Wir glauben, dass es so bald wie möglich eine Feuerpause geben sollte - eine, die den im November 2012 erreichten Waffenstillstand wiederherstellt."

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza sind seit Beginn der israelischen Militäroperation mindestens 501 Palästinenser getötet und 3135 weitere verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen bislang 18 Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben. Rund 80 Armeeangehörige wurden nach Angaben des israelischen Rundfunks verletzt.

Unter den am Sonntag getöteten israelischen Soldaten waren auch zwei US-Bürger. Der 24 Jahre alte Max Steinberg und der 21 Jahre alte Sean Carmeli dienten in der Golani-Brigade, einer Eliteeinheit des Militärs.

syd/dpa/AFP

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interessierterleser1965 21.07.2014
1. Dauerhaften Frieden
wird auch diese Bodenoffensive nicht bringen, genau wie die anderen Bodenaktionen zuvor auch. Dauerhafter Frieden kann nur durch einen gerechten Ausgleich der Interessen im Rahmen einer 2 Staaten Lösung erreicht werden. Dafür müssen beide seiten schmerzliche Kompromisse eingehen. Hierzu sehe ich besonders bei Israel, aber auch bei der Hamas, keine Bereitschaft.
kogno 21.07.2014
2. "Entführung"?
Zitat von sysopAFPDie Hamas brüstet sich mit der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen. Israels Regierung bestreitet die Gefangennahme. Der Uno-Botschafter des Landes sagt: "Die Gerüchte sind unwahr." http://www.spiegel.de/politik/ausland/gazastreifen-israel-bestreitet-entfuehrung-von-soldat-durch-die-hamas-a-982031.html
Wenn ein Soldat im Kampf vom Gegner festgenommen wird, so nennt man das doch "Gefangennahme", nicht "Entführung". Aus durchsichtigen Gründen sagen israelische Stellen jedoch "Entführung" und alle deutschen Medien übernehmen diese Sprachregelung automatisch, vielleicht aus moralischen Gründen. Der Holocaust, denken die deutschen Meinungsführer irrtümlich, verpflichtet uns immer auf das israelische Narrativ und die iraelische Sprachregelung. Übrigens hat das israelische Militär zur selben Zeit als der UNO-Botschafter Israels "die Gerüchte" dementierte erklärt: "Wir untersuchen noch."
notty 21.07.2014
3.
Zitat von sysopAFPDie Hamas brüstet sich mit der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen. Israels Regierung bestreitet die Gefangennahme. Der Uno-Botschafter des Landes sagt: "Die Gerüchte sind unwahr." http://www.spiegel.de/politik/ausland/gazastreifen-israel-bestreitet-entfuehrung-von-soldat-durch-die-hamas-a-982031.html
Im Gegensatz zur Ukraine, wo von der westlichen Presse nach Blauhelmen gerufen wird, geschieht NICHTS dergleichen in puncto Gaza und dem andauernden Sterben dort. Das Janus-Gesicht der westlichen Presse ist wiederum deutlich zu sehen, die Moral scheint vielschichtig.....wie immer.
Christian Weiss 21.07.2014
4. Utopisch
Zitat von interessierterleser1965wird auch diese Bodenoffensive nicht bringen, genau wie die anderen Bodenaktionen zuvor auch. Dauerhafter Frieden kann nur durch einen gerechten Ausgleich der Interessen im Rahmen einer 2 Staaten Lösung erreicht werden. Dafür müssen beide seiten schmerzliche Kompromisse eingehen. Hierzu sehe ich besonders bei Israel, aber auch bei der Hamas, keine Bereitschaft.
Sie sehen "besonders" bei Israel keine Bereitschaft? Ihnen ist schon klar, dass weder Fatah noch Hamas die Existenz Israels anerkennen. Und auch die ach so friedlichen Demonstranten in Europa tragen Transparente mit "Palestine from the river to the sea" herum. Ohne eine klares Bekenntnis zum Existenzrecht Israels wird es keinen palästinensischen Staat geben, weil Israel ohne diese Zusicherung keinen zulassen kann. Zudem müsste ein palästinensischer Staat ein gewisses Mass an Lebensfähigkeit und Stabilität erreichen. Auch da ist mehr als zweifelhaft, ob das gelingt.
frankyfourfingers 21.07.2014
5.
"Wenn ein Soldat im Kampf vom Gegner festgenommen wird, so nennt man das doch "Gefangennahme", nicht "Entführung". Aus durchsichtigen Gründen sagen israelische Stellen jedoch "Entführung" [...] " @kogno Eine Entführung untersteht der Vorsätzlichkeit, mit welcher die Hamas bereits einige Tage zuvor gehandelt hat, als sie israelischen Boden versuchten zu betreten, ausgerüstet mit Handschellen & Beruhigungsmitteln (Vgl. entsprechender SPON Artikel).
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