Gazastreifen Israel debattiert über Video von Schuss auf Palästinenser

Israel diskutiert infolge der Massendemos am Gazastreifen über ein Video: Darin zielt ein Scharfschütze auf einen offenbar unbewaffneten Mann - und bejubelt den Treffer. Unklar ist, wann die Aufnahme entstand.

Grenzkonflikt am Gazastreifen
AFP

Grenzkonflikt am Gazastreifen


Seit zwei Wochen kommt es immer wieder zu gewaltsamen Demonstrationen am Gazastreifen. Die israelische Armee tötete bislang 32 Palästinenser und verletzte mehr als 2800, die meisten davon durch Tränengas. Nun sorgt ein Video für Aufsehen, das den Schuss eines israelischen Scharfschützen auf einen Palästinenser an der Grenze zum Gazastreifen zeigen soll.

In dem kurzen Film ist zu sehen, wie ein Soldat auf einen offenbar unbewaffneten Mann zielt und schießt. Der Mensch fällt zu Boden und Kameraden des israelischen Schützen reagieren mit Freudenschreien. "Dieser Hurensohn", ruft einer von ihnen auf Hebräisch.

Es ist unklar, ob die Aufnahmen während der jüngsten Massenproteste an der Gaza-Grenze aufgenommen wurden. Auch was mit dem Palästinenser geschah, ist unklar. Die Aufnahmen zeigen, wie andere Menschen zu ihm rennen, um ihm zu helfen.

Kritik von Menschenrechtsorganisation

Die israelische Armee teilte am Montag mit, das Video zeige offenbar einen Vorfall, der sich vor einigen Monaten ereignet habe. Man werde ihn gründlich untersuchen. Der israelische Journalist Or Heller, der für den TV-Sender "Kanal 10" arbeitet, hatte das Video auf seinem Twitteraccount am Montag veröffentlicht.

Die israelische Menschenrechtsorganisation Betselem verurteilte "die illegalen Befehle, die Soldaten anweisen, auf Menschen zu schießen, die niemanden gefährden". Es habe Hunderte solcher Vorfälle an der Gaza-Grenze gegeben.

Der arabische Abgeordnete Aiman Auda schrieb bei Twitter, das Video sei zutiefst erschütternd. "Die Freudenrufe darüber, dass ein Leben genommen wurde und was aussieht wie eine Hinrichtung von jemandem, der keine Gefahr darstellte."

"Ich bin auf der Seite der Soldaten"

Gilad Erdan, Minister für innere Sicherheit im Kabinett von Premier Benjamin Netanyahu, schrieb am Dienstag nun bei Twitter: "Ich unterstütze unsere Soldaten, die Tag und Nacht mit Hamas-Terroristen zu tun haben und ihr Leben an unserer südlichen Grenze gefährden".

Erziehungsminister Naftali Bennett sagte dem Armeeradiosender, es könne nicht angehen, dass Leute, die in Tel Aviv sitzen, Soldaten im Feld wegen ihrer Äußerungen verurteilen. "Ich bin auf der Seite der Soldaten, wir schicken sie dorthin und es ist ihr Verdienst, dass Zehntausende Gaza-Einwohner, darunter sehr viele Terroristen, nicht nach Sderot oder Aschkelon eindringen", sagte Bennett.

Ofir Akunis, als Minister unter anderem für das Wissenschafts- und Technologieressort zuständig, sagte dem Armeeradiosender, es sei klar, dass "solche Dinge nicht passieren sollten". Er fügte aber auch hinzu, niemand habe das Motiv des Menschen gekannt, der sich dem Grenzzaun genähert habe.

dop/dpa

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