Nahostkonflikt Israel fliegt Luftangriffe in Gaza

Mit Kampfjets und Panzern hat Israel Ziele der Hamas im Gazastreifen bombardiert und damit auf den Tod eines israelischen Soldaten reagiert. Mehrere Palästinenser kamen ums Leben.

Demonstrationen im Gazastreifen
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Demonstrationen im Gazastreifen


Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas sind fünf Menschen gestorben. Nach tödlichen Schüssen militanter Palästinenser an der Grenze auf einen Soldaten bombardierte Israels Armee mit Kampfjets und Panzern etliche Ziele im Gazastreifen. Mindestens vier Palästinenser wurden im südlichen Teil des Küstenstreifens getötet, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Nach Angaben der militärischen Abteilung der Hamas waren drei der Getöteten Mitglieder der Organisation. Einwohner berichteten von mehreren schweren Explosionen in der Stadt Gaza. Israels Luftwaffe habe dort Hamas-Militärposten angegriffen.

Die israelische Armee bestätigte einen "großflächigen Angriff israelischer Kampfjets gegen Hamas-Militärziele im gesamten Gazastreifen". Es seien 15 Militärziele im Hauptquartier eines Hamas-Bataillons in Saitun im Norden des Gazastreifens getroffen worden.

Uno-Gesandter: "Schritt zurück vom Abgrund gehen"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beriet am Freitagabend bei einer Dringlichkeitssitzung in Tel Aviv mit der Militärführung über das weitere Vorgehen. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte zuvor gesagt, die Hamas dränge Israel mit aller Macht zu einer "breiten und schmerzhaften Militäroffensive".

Ein israelischer Armeesprecher drohte dem Gaza-Chef der Hamas direkt über Twitter. Der für Mitteilungen in arabischer Sprache zuständige Militärsprecher Avichai Adrai veröffentlichte einen Beitrag mit dem Bild von Yehia Sinwar, dem Gaza-Chef der Hamas. "Wo bin ich? Was erwartet mich?", stand darauf.

Sinwar habe die Einwohner des Gazastreifens durch "dumme Schritte" in Schwierigkeiten gebracht, hieß es weiter. "Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass niemand, der an Terrorismus beteiligt ist, Immunität genießt." Israel hatte in der Vergangenheit mehrere führende Hamas-Mitglieder gezielt getötet.

Der Uno-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow, der sich zuletzt gemeinsam mit Ägypten intensiv um eine Beruhigung der Lage bemüht hatte, schrieb in einem dramatischen Appell bei Twitter: "Alle in Gaza müssen einen Schritt zurück vom Abgrund gehen. Nicht nächste Woche. Nicht morgen. Jetzt sofort!" Jene, die "Palästinenser und Israelis provozieren wollen, einen weiteren Krieg zu führen, dürfen keinen Erfolg haben", schrieb Mladenow.

Erneut Demonstrationen an der Gaza-Grenze

In dem Konflikt fordern die Palästinenser ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Im Sommer 2014 hatten Israel und die Hamas sich 50 Tage lang Kämpfe geliefert. 2250 Palästinenser wurden getötet oder starben später an ihren Verletzungen, auf der israelischen Seite gab es 74 Tote.

Am Freitag war es entlang der Gaza-Grenze erneut zu Demonstrationen gekommen. Nach Augenzeugenberichten verbrannten Palästinenser Reifen, versuchten den Grenzzaun zu Israel zu beschädigen und schickten Branddrachen und -ballons auf israelisches Gebiet. Nach Angaben von Sanitätern wurden mehrere Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt.

ans/dpa



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