Krieg in Gaza Das zynische Spiel mit der Feuerpause

Zu Beginn des wichtigsten islamischen Festes sind im Gazastreifen 200.000 Menschen auf der Flucht. 1,2 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Trotzdem passt Israel und der Hamas eine Waffenpause nicht ins Kalkül.

Aus Tel Aviv berichtet

AFP

Dieser Sonntag hat der langen Geschichte des Nahost-Konflikts ein neues, irrwitziges kleines Kapitel hinzugefügt. Beide Seiten - Israel und die Hamas - haben im Verlauf des Tages einseitige Waffenruhen verkündet - mit dem Ergebnis, dass die Kämpfe am Nachmittag unvermindert weitergingen.

Zunächst hatte Israel kurz nach Mitternacht eine 24-stündige Feuerpause bis Sonntagabend verkündet. Davon wollte die Hamas aber nichts wissen und feuerte in den Morgenstunden mehrere Raketen auf Ortschaften im Süden Israels ab. Daraufhin nahm die israelische Armee ihre Militäroperation im Gazastreifen wieder auf.

Am Mittag dann der plötzliche Sinneswandel der Hamas. Die palästinensischen Extremisten erklärten sich nun doch zu einer eintägigen Waffenruhe bereit. "In Anbetracht der Lage unserer Bevölkerung sowie aus Anlass des Endes des Fastenmonats sind alle Fraktionen des Widerstands übereingekommen, eine 24-stündige Feuerpause zu unterstützen", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri.

Die Hamas kalkuliert mit zivilen Opfern im Gazastreifen

Doch darauf wollte Israel nun nicht mehr eingehen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnte nun eine Waffenruhe ab. Die Islamisten hätten bewiesen, dass ihren Zusagen nicht zu trauen sei. "Die Hamas hält sich noch nicht einmal an ihre eigene Feuerpause. Sie beschießen uns sogar, während wir hier miteinander sprechen", sagte der Premier am Nachmittag in einem CNN-Interview.

So geht dieser Krieg in seine vierte Woche. Mehr als tausend Palästinenser sind den israelischen Angriffen im Gazastreifen zum Opfer gefallen, Israel beklagt insgesamt 46 Tote. Nach Angaben der Uno sind innerhalb des Gazastreifens 200.000 Menschen auf der Flucht, mindestens 25.000 Palästinenser haben ihr Zuhause ganz verloren, weil ihre Häuser im Krieg zerstört wurden. 1,2 Millionen Menschen haben gar keinen oder nur begrenzten Zugang zu Trinkwasser.

Den Hamas-Führern scheint das egal zu sein. Sie lassen weiter Raketen auf Israel abfeuern. Die zivilen Opfer unter der eigenen Bevölkerung, die jeder weitere Kriegstag fordert, kalkulieren sie bewusst mit ein. Die Extremisten wissen, dass mit der wachsenden Zahl Toter im Gazastreifen der diplomatische Druck auf Netanjahu steigt, einem Waffenstillstand zuzustimmen.

Große Mehrheit der Israelis ist gegen einen Waffenstillstand

Doch Israel sieht seine wichtigsten Kriegsziele noch nicht erreicht. Nach Angaben der Armee existieren unter der Grenze zwischen palästinensischem Gebiet und Israel noch immer zahlreiche Tunnel, die zerstört werden müssten. Außerdem hat Netanjahu wiederholt die Demilitarisierung des Gazastreifens zum Ziel der Militäroffensive "Fels in der Brandung" ernannt. Die Entwaffnung der Hamas und mit ihr verbündeter Truppen erscheint jedoch selbst bei einer Wiederbesetzung des Küstenstreifens als unlösbare Aufgabe - und Netanjahu hat eine dauerhafte Präsenz seiner Truppen in Gaza kategorisch ausgeschlossen.

Im Gegenzug für eine Demilitarisierung Gazas stellte der israelische Premier vage "soziale und wirtschaftliche Erleichterungen" für die 1,8 Millionen Palästinenser in Aussicht. Ob damit eine Aufhebung der seit 2007 geltenden Blockade des Gebiets gemeint ist, ließ Netanjahu offen. Das Ende eben dieser Abriegelung durch Israel und Ägypten ist eine der Bedingungen der Hamas für einen dauerhaften Waffenstillstand.

Nur ist die Bereitschaft in der israelischen Öffentlichkeit für ein Entgegenkommen kaum vorhanden. In den Nachrichten laufen immer wieder die Bilder der von der Hamas errichteten Tunnel. Das Labyrinth der Gänge zieht sich über Kilometer, die Tunnel sind mit dicken Betonwänden verkleidet. "Sie hätten mit dem geschmuggelten Zement lieber Häuser und Schulen bauen sollen als Tunnel, um uns anzugreifen", kommentiert der Nachrichtensprecher. Deshalb ist die Unterstützung für den Kriegskurs der Regierung weiter groß. Laut einer am Sonntag veröffentlichten repräsentativen Umfrage lehnen 86,5 Prozent der Israelis ein Kriegsende zum jetzigen Zeitpunkt ab.

So geht das Leiden der Menschen im Gazastreifen weiter. Am Sonntagabend verkündeten islamische Geistliche, dass die Neumondsichel gesichtet worden sei. Das bedeutet, dass der Ramadan vorbei ist und am Montag Id al-Fitr gefeiert wird - das Fest des Fastenbrechens. Eigentlich werden zu diesem Anlass Festessen bereitet und die Kinder beschenkt. Für die meisten Menschen in Gaza wird es einfach nur ein weiterer Tag ohne Hoffnung auf Besserung.

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Seite 1
bstark 27.07.2014
1.
Zitat von sysopAFPZu Beginn des wichtigsten islamischen Festes sind im Gazastreifen 200.000 Menschen auf der Flucht. 1,2 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Trotzdem passt Israel und der Hamas eine Waffenpause nicht ins Kalkül. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gazastreifen-israel-und-hamas-wollen-keine-feuerpause-zu-eid-al-fitr-a-983138.html
Feuerpause will doch keine der beiden Seiten. Netanjahu muss auch seinen rechten Block in der Regierung mit viel mehr Toten Palästinenser in Schach halten. Das Gemetzel wird wohl leider noch ein Weilchen dauern.
pommer123 27.07.2014
2. Warum
Warum gibt es in Europa eigentlich keine Demonstrationen von Muslimen gegen das barbarische Handeln der Hamas? Schade, wäre mal eine schöne Geste der Völkerverständigung.
stupamundi 27.07.2014
3. Feuerpause
Zitat von sysopAFPZu Beginn des wichtigsten islamischen Festes sind im Gazastreifen 200.000 Menschen auf der Flucht. 1,2 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Trotzdem passt Israel und der Hamas eine Waffenpause nicht ins Kalkül. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gazastreifen-israel-und-hamas-wollen-keine-feuerpause-zu-eid-al-fitr-a-983138.html
Es ist schon ein merkwürdiger Gebrauch des Wortes -Feuerpause-, wenn während dieser Zeit die Angriffe auf die Tunnel weitergehen, und die israelische Armee der Meinung ist, die Hamas würde das so hinnehmen. Normallerweise ruht in einem so bezeichneten Zeitraum jeglicher Waffengebrauch, auf beiden Seiten- alles Andere ist ein Bruch der Vereinbarung. Aber inzwischen dürfte klar sein, die Hamas und die jetzige Israelische Regierung haben ein gemeinsames Interesse- und das heißt nicht Frieden!
lukaslauboeck 27.07.2014
4. Die....
Streiten sich sogar noch darum wer zuerst aufhört zu schiessen. Wäre eigentlich lustig---- eigentlich. Das Leid der Bevölkerung muss aufhören, es kann nicht mehr mit militärischer Logik und politischem Kalkül fortgesetzt werden, es geht nicht mehr darum, wer Recht hat. Es muss von Aussen Druck auf die Streithähne ausgeübt werden, bevor der Konflikt sich über die ganze Welt ausbreitet. Die Anfänge bekommen wir ja schon in Europa zu spüren.
ibekn 27.07.2014
5. Ist Zustand.
Ich kann nicht verstehen warum alle diesen Ist Zustand bewerten also das was gerade passiert sei es aus Sicht Israels oder aus Sicht der Hamas. Wenn man verstehen will warum das passiert was passiert muss man logischerweise in die Geschichte zurück gehen nur dann kann man sich ein Urteil bilden.
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