Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gazastreifen: Israelische Militärverwaltung offiziell beendet

Die israelische Armee hat die israelische Flagge im Gazastreifen eingeholt und damit symbolisch 38 Jahre Besatzung des palästinensischen Küstengebiets beendet. Streit gibt es um die Synagogen in den ehemals besetzten Gebieten. Das israelische Kabinett sprach sich gegen einen Abriss aus, die Palästinenser aber planen die Zerstörung der Gebäude.

Soldaten holen die israelischen Fahnen im Gazastreifen ein
AP

Soldaten holen die israelischen Fahnen im Gazastreifen ein

Jerusalem - Israelische Soldaten holten am Abend die Nationalflagge an den Ruinen der jüdischen Siedlung Neve Dekalim ein und sangen ihre Nationalhymne. "Dies ist der Anfang eines neuen Kapitels", sagte Brigadegeneral Aviv Kotschavi. Generalmajor Dan Harel sprach von einer historischen Gelegenheit für eine bessere Zukunft für Israelis und Palästinenser gleichermaßen.

Kotschavi rief die Soldaten auf, beim endgültigen Abzug keinesfalls die Nerven zu verlieren und Gewalt nach Möglichkeit zu vermeiden. Zuvor waren vier Palästinenser, darunter ein zwölfjähriger Junge, von Schüssen verletzt worden, nachdem sie sich der verlassenen Siedlung Gusch Katif zu stark genähert hatten.

Nach der kurzen Abschlusszeremonie, die zahlreiche Palästinenser lediglich als Zuschauer beobachteten, zogen die ersten der rund 5000 noch verbliebenen israelischen Soldaten in Militärkonvois aus dem Gazastreifen ab. Als letzter soll morgen Kotschavi als bisheriger Kommandeur der dortigen Truppen das Gebiet über den Grenzübergang Kissufim verlassen und das dortige Tor formell abschließen. Zuvor hatte das Kabinett von Ministerpräsident Ariel Scharon den Abzug der Soldaten offiziell beschlossen.

Verbleib der Synagogen birgt Konfliktstoff

Streit gibt es zwischen Israelis und Palästinensern über den Verbleib der Synagogen in den ehemals besetzten Gebieten. Die Palästinenserführung kündigte am Sonntagabend den Abriss der Gebäude an. Die Autonomiebehörde habe die Entscheidung getroffen, alle von den Israelis aufgegebenen Gebäude, darunter die Synagogen, zu zerstören, sagte ein Sprecher des palästinensischen Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Nur ein ehemaliger israelischer Stützpunkt bleibe erhalten, weil er den palästinensischen Sicherheitskräften im Süden des Gazastreifens als Hauptquartier dienen solle.

Die Minister im israelischen Kabinett hatten zuvor mit 14 zu zwei Stimmen gegen die Zerstörung votiert. Nach dem Beschluss sollen 24 der 26 Synagogen im Gazastreifen stehen bleiben. Verteidigungsminister Schaul Mofas hatte der Zeitung "Maariv" gesagt, als zuständiger Minister werde er empfehlen, die Gebäude stehen zu lassen, um so den Abzug bis Montag zu beenden. Außenminister Silvan Schalom hatte in einem Telefongespräch Uno-Generalsekretär Kofi Annan aufgefordert, sich für den Schutz der Synagogen einzusetzen. In einer Erklärung Schaloms hieß es, der Umgang mit den Gotteshäusern sei ein "moralischer Test" für die Palästinenserführung.

Kabinettsminister Kaim Ramon warnte im Armeerundfunk vor schrecklichen Folgen für die bilateralen Beziehungen, sollten die Synagogen von den Palästinensern abgerissen werden. Letztere hatten bereits erklärt, dass die Gebäude geplanten Baumaßnahmen im Gazastreifen im Weg stehen. Andererseits fürchten sie aber internationale Kritik, wenn sie die Gotteshäuser zerstören. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat protestierte gegen die aufgezwungene Verantwortung für die jüdischen Synagogen sowie gegen die Schließung des Grenzübergangs Rafah zu Ägypten. Aus Protest sagten die palästinensischen Behörden die geplante Übergabezeremonie ab.

Der palästinensische Kabinettsminister Sufia Abu Saideh fügte hinzu, solange der Grenzübergang Rafah geschlossen bleibe, betrachte man den Gazastreifen weiterhin als besetzt, zumal Israel immer noch den Luft- und Seeraum kontrolliere. Israel will einer Öffnung des Rafah-Übergangs erst zustimmen, wenn die Palästinenser die dortigen Einrichtungen entschieden verbessert haben.

Ägypten stationiert Soldaten an der Grenze

Ägypten stationierte gestern wie vereinbart zunächst 200 Soldaten entlang der Grenze. Die Regierungen in Jerusalem und Kairo haben sich auf die Entsendung von insgesamt 750 ägyptischen Soldaten verständigt, die nach dem israelischen Rückzug die Übergänge sichern sollen.

Israel drohte den Palästinensern harte Gegenmaßnahmen an, falls es nach dem Gaza-Abzug zu Übergriffen kommen sollte. Die Reaktion werde weitaus schärfer ausfallen als bisher, sagte der Chef für Militäroperationen, Generalmajor Jisrael Siv, im Rundfunk. "Schon eine Stunde, nachdem wir das Gebiet verlassen haben, wird es einen strategischen Wandel in unserer Antwort auf jeden Terrorversuch geben", sagte der General.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: