Konflikte an Grenze zu Israel Mehrere Tote bei Gaza-Protesten

Bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten sind neun Palästinenser gestorben, berichten Behörden aus dem Gazastreifen. Israel hat nun Reifenlieferungen in das Gebiet gestoppt, um das Legen von Bränden zu erschweren.

Protestierende Palästinenser
REUTERS

Protestierende Palästinenser


Bei den blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften an der Grenze des Gazastreifens sind nach jüngsten palästinensischen Angaben neun Menschen getötet worden. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde in Gaza teilte am Samstag weiter mit, unter den Toten vom Vortag seien auch ein palästinensischer Journalist und ein 16-Jähriger.

Bei den neuen Massenprotesten von Palästinensern am Freitag wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 400 Menschen verletzt. Unter den Verletzten bei den Protesten gegen die Vertreibung sind demnach auch sechs palästinensische Journalisten. Die Reporter hätten Warnwesten getragen, die sie als Pressevertreter kenntlich gemacht hätten, teilte der Palästinensische Journalistenverband mit.

Wegen der Massenproteste unterbindet Israel die Einfuhr von Autoreifen in das Palästinensergebiet. Eine für Sonntag vorgesehene Lieferung sei gestrichen worden, sagte ein Offizieller im Gazastreifen.

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Um Scharfschützen die Sicht zu erschweren, hatten Demonstranten zuvor an der Grenze zu Israel Hunderte Reifen in Brand gesetzt. Dann attackierten sie israelische Sicherheitskräfte. Die israelischen Sicherheitskräfte setzten riesige Ventilatoren und Wasserwerfer gegen die Rauchschwaden ein.

Die radikalislamische Hamas hatte vor einer Woche den "Marsch der Rückkehr" gestartet, insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen andauern. Es ist bereits jetzt der schlimmste Ausbruch von Gewalt seit 2014, schon vor Freitag hatte es 22 Todesopfer gegeben.

Allein am Karfreitag waren bei Konfrontationen 18 Palästinenser getötet worden, zwei starben später an ihren Verletzungen. Nach Armeeangaben schossen israelische Scharfschützen gezielt auf Palästinenser, die sich der Grenzanlage näherten, und die Armee setzte Drohnen ein, um Tränengas zu versprühen.

Die Massenproteste sollen noch bis Mitte Mai dauern. Israel feiert am 14. Mai den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Am gleichen Tag soll die US-Botschaft auf Beschluss von US-Präsident Donald Trump nach Jerusalem umziehen.

Mehr als 700.000 Palästinenser wurden im Zuge der israelischen Staatsgründung vertrieben. Sie fordern ein Rückkehrrecht auf ihr enteignetes Land.

hda/AFP

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