Nach dem Gaza-Krieg Leben in Trümmern

Vor einem halben Jahr endete der Gaza-Krieg, hunderttausend Menschen blieben in zerbombten Ruinen zurück. Der Wiederaufbau beginnt nur zögerlich - viele hausen noch immer im Schutt.

AP

Eigentlich sollte man denken, dass es kaum noch schlimmer werden könnte. Schon vor dem letzten Krieg im Sommer 2014 war die Lage für viele Menschen in Gaza schwierig. Doch die Not ist seitdem noch größer geworden.

Über 100.000 Palästinenser, davon die Hälfte Kinder, haben in dem Krieg ihr Zuhause verloren. Viele Gebäude wurden zerbombt oder schwer zerstört. Insgesamt leben rund 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen.

Seit einem halben Jahr herrscht Waffenruhe, doch an einen Wiederaufbau ist nicht zu denken. Zement ist ein Luxusgut im Gazastreifen. Israel und Ägypten beschränken die Waren, die in das Gebiet geliefert werden dürfen. Israel fürchtet, dass die Hamas Baumaterial für neue Tunnel unter der Grenze statt für Häuser verwenden könnte. Zudem fehlt in Gaza das Geld.

"Die Menschen schlafen wortwörtlich im Schutt. Kinder sind wegen Unterkühlung gestorben", sagte Robert Turner, Leiter des Uno-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) für Gaza, im Januar. Die internationale Gemeinschaft habe nach dem Krieg 4,8 Milliarden Euro versprochen, aber davon sei bisher nahezu nichts ausgezahlt worden, klagte Turner.

In dem fast zweimonatigen Krieg wurden mehr als 2200 Palästinenser getötet, zwei Drittel von ihnen Zivilisten. Über 18.000 Häuser wurden zerbombt oder schwer zerstört. Bauern verloren in dem Krieg ihre Tiere, Selbstständige ihre Läden.

Noch immer hausen zehntausend Menschen in Klassenzimmern

Viele Menschen im Gazastreifen sind wütend - auf die rivalisierenden Palästinenserfraktionen Hamas und Fatah, auf die Uno, auf Israel, auf Ägypten. Doch was bleibt ihnen übrig? Sich gegen die Hamas aufzulehnen, ist lebensgefährlich. Den Gazastreifen verlassen können sie nicht. Die Grenzen sind nahezu dicht; nur wenige dürfen ausreisen.

Im September 2014 kamen Hunderte Palästinenser aus Gaza ums Leben, als ihr Flüchtlingsboot sank. In der Hoffnung auf ein besseres Leben hatten sie bis zu 5000 Dollar pro Person an Schmuggler bezahlt, um sich durch Tunnel nach Ägypten bringen zu lassen und von dort per Schiff nach Europa.

Die meisten Palästinenser, die ihr Zuhause verloren haben, sind bei Verwandten untergekommen. Oft teilen sich nun mehrere Familien dichtgedrängt eine Wohnung. Manche Menschen sind in ihre Ruinen zurückgekehrt, auch wenn diese jederzeit einfallen und sie begraben könnten.

Über zehntausend Menschen hausen noch immer in Uno-Schulen. Nachts schlafen sie auf dünnen Matratzen, die sie in den Klassenzimmern ausbreiten.

Gazakrieg 2014

ras

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