Neue US-Botschaft in Jerusalem Verletzte und Tote bei Protesten im Gazastreifen

Stunden vor der Eröffnung der neuen US-Botschaft in Jerusalem eskaliert im Gazastreifen die Gewalt. Bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär wurden viele Palästinenser verletzt, es soll Todesopfer geben.

DPA

Bei schweren Protesten im Gazastreifen sind am Montag an der Grenze zu Israel 16 Palästinenser getötet worden. Dies meldete das Gesundheitsministerium in dem Palästinensergebiet. Mehr als 500 Menschen seien verletzt worden, teilte die Behörde weiter mit.

Nach Angaben der Hamas wollten Zehntausende Palästinenser im Grenzbereich protestieren. Dort setzten sie am Montagvormittag Reifen in Brand, dichter schwarzer Rauch stieg auf. Kleine Gruppen näherten sich steinewerfend dem schwer bewachten Grenzzaun zu Israel. Nach Berichten von Augenzeugen versuchten mehrere Männer, den Grenzzaun zu Israel zu durchschneiden.

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Proteste im Gazastreifen: Brennende Reifen, fliegende Steine

Davor hatte die israelische Regierung zuvor noch gewarnt: Die Demonstranten würden ihr Leben riskieren, wenn sie "versuchen, den Grenzzaun zu beschädigen, oder Soldaten sowie Zivilisten angreifen würden", hieß es. Auch in Flugblättern, die das Militär über dem Gazastreifen abwarf, wurde davon abgeraten.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu nannte die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem einen "bewegenden Tag für das Volk Israel und den Staat Israel". Er zitierte am Montag bei Twitter aus der Bibel: "Als der Herr die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende."

Größter Streitpunkt im Nahostkonflikt

Seit Ende März sind bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze sind mindestens 42 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Wegen der befürchteten Ausschreitungen am Montag hatte Israels Armee die Zahl ihrer Soldaten an der Grenze verdoppelt.

Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates (Mehr Details zu dem Thema finden Sie hier).

Dessen ungeachtet soll die Einweihungszeremonie der neuen US-Botschaft am Montag um 16 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) mit rund 800 geladenen Gästen stattfinden. Trump selbst ist nicht nach Jerusalem gereist. Dafür wird aber eine hochrangige Delegation des Weißen Hauses an den Feierlichkeiten teilnehmen. Dazu zählen unter anderem Trumps Tochter und Beraterin Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner. Auch US-Vizeaußenminister John Sullivan und US-Finanzminister Steven Mnuchin sind nach Jerusalem gekommen.

vks/dpa/AFP

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