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13. Juli 2014, 08:52 Uhr

Schießerei mit Hamas

Israel schickt Elitetruppe in den Gazastreifen

Erstmals seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen hat das Militär nun Kämpfer am Boden in das Palästinensergebiet geschickt. Die Elitesoldaten lieferten sich eine Schießerei mit Kämpfern der Hamas.

Gaza/Jerusalem - Im Gazastreifen haben sich israelische Kommandotruppen der Marine eine Schießerei mit der radikal-islamischen Hamas geliefert. Es war das erste Gefecht dieser Art am Boden seit Beginn der israelischen Offensive in dem Palästinensergebiet. Zum Kampfverlauf gab es widersprüchliche Angaben. Das israelische Militär erklärte, die Elitesoldaten hätte ein Ziel im Norden Gazas angegriffen, von dem aus wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Die Soldaten seien beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Die Hamas dagegen erklärte, sie habe die Soldaten vor der Küste beschossen und verhindert, dass sie an einem Strand der Region Sudanjia an Land gingen. Laut Palästinensern wurden drei Hamas-Kämpfer getötet.

Nach Angaben eines Armeesprechers wurden bei dem Angriff am Sonntag vier israelische Soldaten leicht verletzt. Die Abschussanlage der Hamas wurde laut einem Bericht der Streitkräfte zerstört. Die Operation sei beendet, teilte das israelische Militär via Twitter mit. Die israelische Regierung hat wiederholt erklärt, dass eine Bodenoffensive gegen die militante Hamas noch immer eine Option sei. Es seien bereits rund 20.000 Reservisten mobilisiert worden.

Die israelischen Luftangriffe gingen auch am frühen Sonntagmorgen weiter. Die Polizei von Gaza sprach von 17 Angriffen allein in der Zeit zwischen 4 Uhr und 5 Uhr. Dabei wurden nach Angaben der palästinensischen Rettungskräfte ein 14-jähriger Jugendlicher und eine 44-jährige Frau getötet. Auch eine 80-Jährige sei unter den Opfern, teilte der Sprecher der örtlichen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, am Sonntag via Twitter mit.

163 Menschen sind bereits gestorben

Seit Beginn der "Operation Schutzrand" vor sechs Tagen kamen demnach auf palästinensischer Seite 163 Menschen ums Leben. Allein am Samstag, dem blutigsten Tag seit Beginn der Kämpfe, wurden demnach 56 Palästinenser getötet. 1085 Menschen seien verletzt worden, teilte al-Kidra mit.

Auf israelischer Seite gab es nach offiziellen Angaben knapp ein Dutzend Verletzte. Israel geht seit Dienstag mit schweren Luftangriffen gegen die Hamas im Gazastreifen vor, um deren anhaltende Raketenangriffe zu stoppen.

Die Armee hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 1220 Ziele im Palästinensergebiet bombardiert. Den Angaben zufolge gingen mehr als 783 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder, weitere 143 seien von der Raketenabwehr abgefangen worden. Die Raketen der Hamas sind tiefer im Land eingeschlagen als je zuvor. Auch am Samstag heulten die Alarmsirenen in Israel. Hamas-Kämpfer feuerten erneut mehrere Raketen auf Tel Aviv und andere Ziele ab. In der Großstadt suchten viele Menschen Schutzräume und andere gesicherte Zonen auf. Am Sonntagmorgen wurden Raketen auf den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv abgefeuert. Die Raketenabwehr fing die Geschosse ab, andere landeten auf unbewohntem Gebiet.

Israel stellt sich auf "lange Tage des Kämpfens" ein

Beobachtern zufolge könnte im Gazastreifen eine weitere schwere Angriffswelle der Armee bevorstehen. Denn Israels Armee rief die Einwohner des nördlichen Gazastreifens über Flugblätter dazu auf, ihre Wohngebiete bis zum Mittag zu räumen. Die meisten Raketen auf Israel würden aus dieser Gegend um Beit Lahia abgefeuert, erklärte der israelische Militärsprecher Peter Lerner.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte laut Medienberichten, Israel bereite sich auf weitere "lange Tage des Kämpfens" vor. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die Armee werde solange weiter die Hamas-Kämpfer und ihre Stellungen im Gazastreifen angreifen, bis die Islamisten keine Raketen mehr Richtung Israel abfeuerten.

mmq/AFP/Reuters/dpa

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