Gedenken an Zweiten Weltkrieg Kaczynski wirft Sowjetunion "Messerstich in den Rücken" vor

Polens Präsident hat bei der Gedenkfeier zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs scharfe Töne gegen die frühere Sowjetunion angeschlagen: Stalin habe Polen mit dem Einmarsch der Roten Armee im September 1939 einen tödlichen Stoß versetzt, sagte Lech Kaczynski.


Westerplatte - Es ist ein Tag des Gedenkens, aber Lech Kaczynski hat bei der polnischen Feier zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf versöhnliche Worte verzichtet. Stattdessen erinnerte der polnische Präsident mit scharfen Worten an die Aggression der früheren Sowjetunion gegen sein Land im September 1939.

Am 17. September habe Polen einen "Messerstich in den Rücken" erhalten, sagte Kaczynski bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges auf der Westerplatte bei Danzig am Dienstag. "Diesen Stoß hat das bolschewistische Russland versetzt", betonte Polens Staatsoberhaupt. Er verwies auf den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 als Ursache des sowjetischen Vorgehens. Am 17. September 1939 war die Rote Armee in Polen einmarschiert.

Kaczynski hob hervor, dass die polnischen Soldaten den deutschen Angreifern noch Widerstand leisteten, als die Rote Armee am 17. September 1939 in Ostpolen einmarschierte. Sie hätten standhaft und heldenhaft gekämpft. Kaczynski verglich den sowjetischen Mord an polnischen Offizieren in Katyn mit dem Holocaust. Es gebe einen Vergleich dieser Verbrechen, obwohl ihr Ausmaß sehr verschieden gewesen sei: "Juden starben, weil sie Juden waren. Polnische Offiziere starben, weil sie polnische Offiziere waren", sagte der Präsident. Im Wald von Katyn und an zwei anderen Orten hatte der sowjetische Geheimdienst rund 15.000 polnische Offiziere ermordet.

Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sprach vom "Überfall" Hitler-Deutschlands und der Sowjetunion auf Polen. Er versicherte allerdings, sein Land wolle das Gedenken nicht gegen andere verwenden. Tusk warnte davor, die Geschichte zu vergessen oder zu fälschen. "Ohne aufrichtiges Gedenken werden weder Europa noch Polen oder die Welt jemals in Sicherheit leben können", sagte Tusk in einer Ansprache auf der Westerplatte.

Die Gedenkfeierlichkeiten am Ehrendenkmal hatten gegen 4.45 Uhr begonnen. Die Ehrenkompanie spielte die Nationalhymne. Vorher gab es eine kurze Einführung in die Geschichte der Vorkriegszeit. Mit dem Beschuss des zur Festung ausgebauten polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte durch das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" hatte am 1. September 1939 der Krieg begonnen.

Die Hauptzeremonie findet am Nachmittag auf der Westerplatte mit internationaler Beteiligung statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält zu Beginn der Gedenkfeier eine Rede, davor nimmt sie an einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Verteidiger teil.

Insgesamt sind etwa 20 Regierungschefs eingeladen, unter ihnen der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, der Franzose François Fillon und der Schwede Fredrik Reinfeldt, der derzeitig die EU-Ratspräsidentschaft innehält. Die USA sind durch den Nationalen Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, James Jones, vertreten.

Die Westerplatte gilt als der wichtigste polnische Erinnerungsort.

hen/dpa/AFP



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