Mandela-Gedenkfeier Jubel für Obama, Pfiffe für Zuma

Die Welt hat Abschied genommen: In einer stimmungsvollen Zeremonie feierten Freunde, Staatsgäste und Zehntausende Bürger Nelson Mandelas Leben. Für Aufsehen sorgte ein historischer Handschlag zwischen Barack Obama und Raúl Castro. Gereizt reagierte die Trauergemeinde auf Südafrikas Präsidenten Zuma.


Johannesburg - Mit einer fröhlichen Trauerfeier hat die Welt Abschied von Nelson Mandela genommen. Vier Stunden lang gedachten Freunde, Familie und Staatsgäste in Johannesburg im strömenden Regen des südafrikanischen Freiheitshelden. US-Präsident Barack Obama würdigte in einer persönlichen Rede Mandela als einen "Giganten der Geschichte". "Mandela bewirkte auch, dass ich ein besserer Mensch werden wollte", sagte Obama im FNB-Fußballstadion in Soweto. Mandela sei der letzte große Freiheitskämpfer des 20. Jahrhunderts gewesen.

Der am Donnerstag im Alter von 95 Jahren Verstorbene habe in seinem Leben die Südafrikaner miteinander versöhnt und Millionen Menschen in aller Welt inspiriert.

Zur Trauerfeier kamen Staats- und Regierungschefs aus rund 90 Ländern. Zahlreiche Redner würdigten Mandela, der während des Apartheid-Regimes 27 Jahre in Haft saß, als einen der großen Helden des 20. Jahrhunderts. Auch Obamas Vorgänger George W. Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter waren vor Ort. Bundespräsident Joachim Gauck, Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Premier David Cameron waren ebenfalls unter den Gästen. (Lesen Sie die Höhepunkte der Feier im Minutenprotokoll nach.)

Obama verspätet sich - und wird bejubelt

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Trauerfeier für Mandela: Abschied von Madiba
Obama, der von seiner Frau Michelle begleitet wurde, war wegen der scharfen Sicherheitsbestimmungen fast zwei Stunden zu spät im Stadion erschienen. Allerdings hatte die Veranstaltung auch nicht wie geplant um 11 Uhr Ortszeit, sondern eine Stunde später begonnen. Obama wurde mit Jubel begrüßt, auch seine Rede kam gut bei den Zuschauern an.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte Mandela in seiner Rede einen "Helden für die Welt" und "Vater Südafrikas". Angehörige Mandelas hatten den Verstorbenen zuvor als Halt und Fels der Familie gewürdigt.

Historischer Handschlag

Ganz im Geiste Mandelas kamen sich am Rande der Zeremonie auch alte Feinde näher: Obama schüttelte auf dem Weg zum Rednerpodium die Hand von Kubas Präsidenten Raúl Castro, der dies lächelnd akzeptierte.

Es war das erste Mal seit der kubanischen Revolution, dass es zu solch einer Geste zwischen Präsidenten der beiden Länder kam. Die Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba sind seit Jahrzehnten angespannt. Washington hält seit mehr als 50 Jahren eine Wirtschaftsblockade gegen den Inselstaat aufrecht.

Der jetzige südafrikanische Präsident Jacob Zuma wurde von der Menge im Stadion ausgebuht. Zumas Amtszeit wird von zahlreichen Skandalen und Korruptionsaffären überschattet, die im Gegensatz zu Mandelas Wirken stehen. Zuma ist seit 2009 im Amt. Bei seiner Ansprache war das Stadion nicht einmal mehr zur Hälfte gefüllt. Viele waren nach der Rede Obamas bereits gegangen. Zuma nannte Mandela einen "einzigartigen Mann". Südafrika habe "einen großen Mann verloren, den jedermann liebte und noch immer liebt".

Nach der Trauerfeier wird Mandela in Pretoria aufgebahrt, wo er 1994 als erster Schwarzer den Eid für das Präsidentenamt leistete. Er soll am Sonntag in seiner Heimatstadt Qunu am Ostkap beerdigt werden.

fab/dpa/Reuters

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