Johannes P., 28, Oberleutnant aus Husum, stationiert in Prizren, Kosovo

Mein erster Eindruck vom Kosovo war: Das ist wirklich ein Land nach dem Bürgerkrieg. Und ein Land mit enormen Kontrasten. Der Süden ist malerisch schön und erinnert mich an die Toskana. Eine unberührte Schönheit, die aber überall tragische Spuren des Krieges trägt. Hier gibt es noch immer Minenfelder, viele Ruinen.
Als Besucherführer der Bundeswehr komme ich viel herum. Ich führe Gruppen - vom General bis zur Fachaufsicht - auch in den Norden des Kosovo. Dort leben viele Serben, die die Regierung in Pristina nicht anerkennen und keine Soldaten auf ihrem Gebiet haben wollen. Im Juni sind zwei Bundeswehrsoldaten bei Auseinandersetzungen um eine illegale Straßensperre verletzt worden. Wir merken, dass die Bevölkerung uns im Norden nicht wohlgesonnen ist - da habe ich manchmal schon ein mulmiges Gefühl.
Dies ist mein erster Einsatz im Ausland. Vorher habe ich viel mit meiner Freundin und meiner Familie gesprochen und sie darauf vorbereitet. Es ging nicht so sehr um die Gefahren vor Ort, sondern um die Tatsache, dass ich mal wieder weg bin. Ich bin viel auf Lehrgängen, es ist normal, dass ich nicht zu Hause bin. Das weiß man ja vorher, aber das macht es nicht einfacher.
Ein Riesenvorteil ist, dass wir hier im Feldlager Prizren eine passable Internetverbindung haben und telefonieren können. Ich telefoniere täglich mit meiner Freundin, mit meinen Eltern spreche ich einmal in der Woche. Hier im Feldlager Prizren sind wir gut ausgestattet, das ist auf den verschiedenen Beobachtungsposten ganz anders. Dort gibt es keine Heizung, und die Soldaten wärmen sich an Feuertonnen. Zurzeit schneit es bei uns heftig, der Schnee liegt schon 20 Zentimeter hoch. Für die Kameraden draußen ist das sehr unangenehm.
Ich bin seit Mitte September hier und bleibe bis Anfang Februar. Ich fühle mich eigentlich sehr wohl, aber gerade in der Vorweihnachtszeit denke ich schon an zu Hause. Hier im Feldlager der Kfor in Prizren steht an der einen oder anderen Ecke ein Weihnachtsbaum, vorige Woche hatten wir sogar einen Weihnachtsmarkt. Aber das geht an mir vorbei. Weihnachten bedeutet für mich, Zeit mit meiner Freundin und meiner Familie zu verbringen. Letztens habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Tage gezählt habe.








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