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Syrien-Krise: China sorgt sich um Weltkonjunktur

US-Zerstörer "USS Barry" im Mittelmeer: Die Vorbereitungen für einen Angriff auf Syrien laufen Zur Großansicht
REUTERS

US-Zerstörer "USS Barry" im Mittelmeer: Die Vorbereitungen für einen Angriff auf Syrien laufen

Die chinesische Regierung sträubt sich gegen einen Militärschlag gegen Syrien: Ein Angriff würde den Ölpreis in die Höhe treiben und die globale Wirtschaft empfindlich schwächen, warnt der Finanzminister der Volksrepublik. Im Mittelmeer wird allerdings schon aufgerüstet.

St. Petersburg - China fürchtet, dass ein Militärschlag gegen das syrische Regime schwerwiegende Konsequenzen für die Weltwirtschaft haben könnte. Eine solche Strafaktion hätte "definitiv negative Auswirkungen" und würde zum Beispiel einen Anstieg der Ölpreise auslösen, sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao beim Gipfel der Industrie- und Schwellenländer (G-20) in St. Petersburg. Die Ölpreise sind wegen der Syrien-Krise bereits gestiegen; Experten fürchten, dass der Trend sich fortsetzt. Einen Überblick über die Risiken für die Ölversorgung in Nahost finden Sie hier.

Ein Zuwachs der Ölpreise um zehn US-Dollar dämpfe das weltweite Wachstum um ein Viertel, warnte Zhu. Sein Fazit: "Eine Lösung durch politische und diplomatische Kanäle ist die einzig angemessene Lösung der Syrien-Frage."

China sträubt sich bereits seit längerem gegen einen Angriff. Die USA planen eine militärische Strafaktion, weil das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad am 21. August offenbar Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat. Hunderte Menschen starben bei dem Angriff.

US-Präsident Barack Obama plant, den US-Kongress über einen Militärschlag abstimmen zu lassen. Er setzt darauf, beim G-20-Gipfel weitere internationale Unterstützer für seinen Kurs zu finden. Frankreichs Präsident François Hollande weiß er an seiner Seite. Allerdings ist eine Mehrheit der Franzosen gegen die Aktion, auch die Nationalversammlung debattiert heftig. In Großbritannien hat das Parlament einem militärischen Eingreifen bereits einen Riegel vorgeschoben. Es war eine deftige Niederlage für Premierminister David Cameron, der den USA bereits seine Unterstützung signalisiert hatte.

Die Stimmung in St. Petersburg dürfte wegen der Syrien-Frage angespannt sein. Denn Gastgeber Wladimir Putin, Russlands Präsident, ist wie China entschieden gegen einen Militärschlag gegen seinen Verbündeten Assad. Putin bezeichnete die Behauptung, Assad habe Giftgas eingesetzt, als "absurd". Er tritt für eine diplomatische Lösung ein, machte jedoch bislang nicht mit diplomatischen Initiativen zur friedlichen Beendigung des blutigen Bürgerkriegs in Syrien auf sich aufmerksam.

Obama wird deshalb in St. Petersburg versuchen, Putin beim G-20-Gipfel zu umgehen. Separat trifft er sich mit Hollande und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Kriegsschiffe im Mittelmeer

Obwohl über einen Militärschlag noch nicht entschieden ist, wird im Mittelmeer aufgerüstet. Dort sind mehrere US-Kriegsschiffe unterwegs, von denen aus Raketenangriffe auf Ziele im Anrainerstaat Syrien möglich wären. Auch die russische Regierung hat ihre Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch Italien zwei Kriegsschiffe vor die libanesische Küste schickt, um im Falle eines Militärschlags gegen Syrien die italienischen Unifil-Blauhelme im Libanon verteidigen zu können. Der Zerstörer "Andrea Doria" und die Fregatte "Maestrale" seien auf dem Weg in die Region, berichten italienische Medien. Rom befürchte, dass sich der Konflikt um Syrien ausweiten und etwa die Uno-Blauhelme im Libanon Ziel von Vergeltungsangriffen der Hisbollah werden könnten. Die Unifil-Blauhelme sind im Süden vor der Grenze zu Israel stationiert, auch deutsche Einheiten sind dabei.

Auch die Bundeswehr bereitet sich auf eine Eskalation vor, wenngleich Deutschland eine Beteiligung an einem Angriff auf Syrien strikt ablehnt. Laut Bundeswehr sind die in der Region eingesetzten Soldaten, die in der Südtürkei Raketenabwehrstellungen betreiben und bei der Unifil-Mission Seekontrollen durchführen, auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Die deutsche Fregatte "Sachsen" hält sich zudem im Mittelmeer bereit, um zum Beispiel bei einer Verschlechterung der Lage im Libanon Deutsche und andere Ausländer in Sicherheit zu bringen. Ebenso wird intern geprüft, ob man Jordanien für den Fall von Giftgasangriffen aus Syrien mit Material unterstützen kann.

Zusätzlich kreuzt derzeit das deutsche Flottendienstboot "Oker" vor der syrischen Küste. Mit hochsensibler Abhörtechnik kann es weit ins Krisengebiet hinein Telefonate und Funkverkehr abhören, an Bord befinden sich auch Spezialisten und zwei Container mit Technik des Bundesnachrichtendienstes.

kgp/Reuters/dpa

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insgesamt 106 Beiträge
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1. Endlich
donnerfalke 05.09.2013
---Zitat--- China warnt vor Folgen eines Militärschlags gegen Syrien ---Zitatende--- Na endlich, und Obama weiß dass mit China nicht zu spassen ist. Seine letzte Bettelei in China dass Chinesen den Dollar nicht kaputt machen hat dort auch kaum einer beachtet. Lustig.
2. Brandgefährlich
warndtbewohner 05.09.2013
aber was macht denn unser BND dort. Da haben wir nun wirklich nichts verloren..
3.
Coroner 05.09.2013
Zitat von sysopREUTERSDie chinesische Regierung sträubt sich gegen einen Militärschlag gegen Syrien: Ein Angriff würde den Ölpreis in die Höhe treiben und die globale Wirtschaft empfindlich schwächen, warnt der Finanzminister der Volksrepublik. Im Mittelmeer wird allerdings schon aufgerüstet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gefahr-fuer-weltwirtschaft-china-warnt-vor-folgen-von-militaerschlag-a-920533.html
Unsere Regierung sollte gewarnt sein. Falls ein westliches Land Syrien angreift, wären auch deutsche Schiffe, die nach Syrien hereinhorchen und die gesammelten Daten dann an die Kommandostellen der US-Marine weiterleiten, Kriegspartei. Sie wären in diesem Fall legitime Ziele für die syrische Verteidigung.
4. USA gegen BRICS ?
RudiLeuchtenbrink 05.09.2013
Gefahr für Weltwirtschaft: China warnt vor Folgen von Militärschlag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/gefahr-fuer-weltwirtschaft-china-warnt-vor-folgen-von-militaerschlag-a-920533.html)[/QUOTE] Es wird immer nicht berichtet bei SPON das auch die restlichen BRICS Staaten gegen einen Krieg sind. Zum Ausgang des Gipfels stehen dann USA,GB,F,D,K, gegen den Rest der zivilisierten Welt. Obama bekommt heute eine rote Karte und Frau Merkel wird die Welt, wie in Kopenhagen, nicht mehr verstehen.
5.
UnitedEurope 05.09.2013
Ob da eine Fregatte reicht, um in Notfall dt. Soldaten und Zvilisten da rausholen zu können? Aber schön, dass man wenigstens versucht sich selber um seine Leute zu kümmern und man sich nicht, wie so oft, auf die Amerikaner verlässt.
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