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Gefangen in Bagram: Deutscher wollte Rasierer kaufen - wegen Terrorverdachts eingesperrt

Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Der afghanisch-stämmige Gholam Ghaus Z. aus Wuppertal sitzt seit drei Monaten im US-Luftwaffenstützpunkt Bagram bei Kabul ein. Die Amerikaner halten den 41-Jährigen für einen Terroristen - die Deutschen für harmlos.

Hamburg - Er war zu einem Verwandtenbesuch in Afghanistan unterwegs - aber seine Reise endete in Gefangenschaft: Seit Anfang Januar halten US-Militärs den aus Wuppertal stammenden Gholam Ghaus Z., 41, ohne triftigen Grund in Bagram gefangen.

US-Soldaten bei einer Zeremonie in Bagram: "Fataler Einkaufsbummel"
AP

US-Soldaten bei einer Zeremonie in Bagram: "Fataler Einkaufsbummel"

"Ich kann ihnen bestätigen, dass sich ein deutscher Staatsangehöriger in amerikanischem Gewahrsam in Afghanistan befindet", sagte Außenminister Steinmeier am gestrigen Samstag Reuters-TV in Dortmund und bestätigte damit einen entsprechenden SPIEGEL-Bericht. "Wir bemühen uns gegenüber der amerikanischen Regierung um Freilassung." Der Mann werde von der deutschen Botschaft betreut.

Nach SPIEGEL-Informationen war Z., ein Deutscher afghanischer Herkunft, unter Terrorismusverdacht festgenommen worden, als er in einem Supermarkt der US-Militärs einen Rasierapparat kaufen wollte. Für die Amerikaner waren unter anderem Banknoten verschiedener Währungen im Gesamtwert von 1000 Euro und Telefonkarten aus mehreren Ländern Indizien dafür, dass der ledige Deutsche ein muslimischer Terrorist sein könnte. Stundenlange Verhöre konnten diesen Verdacht allerdings nicht erhärten, vielmehr wirkte Z. verwirrt und machte widersprüchliche Angaben.

Beamte des Bundesnachrichtendienstes befragten den Frührentner im Gefängnis von Bagram, das Bundesamt für Verfassungsschutz überprüfte seine Lebensumstände in Deutschland. "Das war alles total sauber", sagte eine hochrangiger Sicherheitsexperte. Es sei ein "fataler Einkaufsbummel" gewesen.

Ein US-Militärsprecher vom Stützpunkt Bagram ließ Fragen nach dem Gefangenen unbeantwortet. Nach seinen Angaben sind die Familie, die afghanische Regierung und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz informiert. Über diesen Rahmen hinaus gebe es keine Informationen.

Deutsche Geheimdienstler und Diplomaten befürchten nun "einen neuen Fall Kurnaz". Der Bremer Murat Kurnaz, 26, war von US-Militärs viereinhalb Jahre grundlos unter anderem im Gefangenenlager Guantanamo festgehalten worden. Das Schicksal des Wuppertalers Z. belastet die deutsch-amerikanischen Beziehungen.

So verlangen die US-Behörden nach SPIEGEL-Informationen von der Bundesregierung "umfassende Sicherheitsgarantien" für den Fall seiner Freilassung, die, so ein deutscher Sicherheitsexperte, einer "Komplettüberwachung" gleichkämen und nicht erfüllbar seien. Bei einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier Anfang März in Brüssel versprach seine amerikanische Amtskollegin Condoleezza Rice, den Fall zu prüfen.

hen/rüd/AP/Reuters

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