Gefangenen-Krise Blair stellt Iran indirekt 48-Stunden-Ultimatum

Während Iran in der Gefangenen-Krise erste Signale der Entspannung sendet, verschärft Großbritannien die Tonart: Die nächsten 48 Stunden seien für eine diplomatische Lösung "ziemlich entscheidend", sagte Premier Blair - ansonsten werde der Druck erhöht.


London - Nach den Worten von Großbritanniens Premier Tony Blair bemüht sich seine Regierung mit diplomatischen Mitteln um die Freilassung der 15 in Iran festgehaltenen Marineangehörigen auf friedlichem Wege. Wenn dies aber nicht möglich sei, müsse Großbritannien eine deutlich schärfere Gangart einlegen, sagte Blair ohne auf Einzelheiten einzugehen während einer Veranstaltung seiner Labour-Partei in Glasgow.

Der britische Premier Blair: "Härtere Position"
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Der britische Premier Blair: "Härtere Position"

In den Bemühungen um die Freilassung der Briten könnten "die nächsten 48 Stunden recht entscheidend sein", sagte Blair zuvor in einem Rundfunkinterview. Dabei würdigte er ausdrücklich Äußerungen des iranischen Spitzenpolitikers Ali Laridschani, wonach auch Teheran eine diplomatische Lösung anstrebe.

Einem Bericht der britischen Zeitung "Independent" zufolge handelt es sich bei der Gefangenahme der 15 Briten um eine Art Rachefeldzug der Iraner. Ein fehlgeschlagener Versuch der USA, im Januar zwei hochrangige iranische Sicherheitsleute während eines Besuchs im Irak zu entführen, sei der Auslöser für die jetzige Krise gewesen. Dafür müssten die Briten nun büßen.

Die US-Streitkräfte hatten am 11. Januar in Arbil fünf Iraner festgenommen, die sie der Spionage bezichtigten. Sie sind bis heute in US-Haft. Das eigentliche Ziel der Amerikaner waren dem "Independent" zufolge jedoch zwei ganz andere Männer aus dem innersten Zirkel der iranischen Sicherheitskreise gewesen. Bei einem von ihnen soll es sich um den stellvertretenden Präsidenten des iranischen Nationalen Sicherheitsrates, Mohammed Jafari, gehandelt haben. Er sei zu einem Besuch beim irakischen Präsidenten Dschalal Talabani im Nachbarland gewesen.

Nun deutet sich aber in Iran ein entspannterer Kurs an. Der Vorsitzende des iranischen Sicherheitsrats hatte gestern gesagt, er sehe keinen Grund, die Soldaten vor Gericht zu stellen. "Unsere Priorität ist es, das Problem auf diplomatischem Wege zu lösen. Wir haben kein Interesse, diese Sache weiter zu verkomplizieren", hatte Laridschani dem britischen Sender Channel 4 gesagt. Die britischen Soldaten hätten möglicherweise einfach nur einen Fehler begangen, als sie am 23. März mit ihren Booten in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen seien.

Dies könne man durchaus zugeben, sagte Laridschani. Möglich wäre auch die Einsetzung einer Kommission zur Klärung der Streitfrage, ob die Briten auf iranischem Gebiet waren, als sie festgenommen wurden. Die Soldaten waren im Mündungsgebiet des Schatt al-Arab von iranischen Revolutionsgarden gefangen genommen worden.

Iran hatte gestern erstmals seit Beginn der Krise von "positiven Zeichen" in der Handlungsweise der Briten gesprochen. Deshalb sollten vorerst keine weiteren Videos der britischen Soldaten veröffentlicht werden. Zuvor hatten Teheraner Medien berichtet, alle 15 in Iran gefangenen Marinesoldaten hätten vor der Kamera ihre Schuld gestanden.

hen/ler/dpa/AP/Reuters



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