Gefangenenaustausch Israel beweint seine toten Soldaten

Schreckliche Gewissheit in Israel: Die Hisbollah hat zwei schmucklose schwarze Särge übergeben, in denen laut der Terror-Organisation die Leichen der vor zwei Jahren entführten Soldaten Goldwasser und Regev liegen. Die Angehörigen sind schockiert - und die Anhänger der Hisbollah jubeln.


Nakura/Jerusalem - Die letzten Hoffnungen sind dahin: Ehud Goldwasser und Eldad Regev, vor zwei Jahren von der Schiitenmiliz Hisbollah entführt und seither vermisst, sind tot. Die Hisbollah übergab die Leichen der beiden Soldaten an israelische Rechtsmediziner, die die Identität der Toten überprüfen sollen. Die Leichen sollen gegen fünf libanesische Gefangene ausgetauscht werden, die in Israel inhaftiert waren.

Der Fernsehsender Hisbollah TV zeigte am Mittwochmorgen zwei Särge, die vermutlich die sterblichen Überreste der Soldaten enthielten. Die schlichten schwarzen Särge wurden an der libanesisch-israelischen Grenze in Fahrzeuge des Roten Kreuzes verladen. Die Hisbollah hatte sich nie über das Schicksal der Soldaten geäußert, Israel war aber seit längerem davon ausgegangen, dass die beiden tot sind.

Ende der Hoffnung

Für die Angehörigen kam die Nachricht dennoch wie ein Schock. Wartende Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn der beiden toten Israelis brachen in Tränen aus, als sie im Fernseh die Übergabe der Särge sahen. "Zwei lange Jahre der Sorge, des Leides und großen Schmerzes sind heute zu Ende gegangen", heißt es in einer Stellungnahme der Familien von Eldad Regev und Ehud Goldwasser. "Leider haben wir unsere Söhne als Leichen und nicht als Lebende zurückbekommen." Einige Trauergäste sprachen vom einem schwarzen Tag für Israel und schworen der Hisbollah Rache.

DNA-Tests sollen nun endgültig ihre Identität klären. Die sterblichen Überreste seien in einem schlechten Zustand, sagte der Hisbollah-Repräsentant Wafi Safa. Goldwasser und Regev hätten während der Entführung am 12. Juli 2006 schwere Verbrennungen erlitten.

Die Gefangennahme der Soldaten löste 2006 den einmonatigen Krieg aus, bei dem es den israelischen Streitkräften aber nicht gelang, sie zu befreien. Nach der Identifizierung sollen die beiden Soldaten gegen die fünf libanesischen Gefangenen ausgetauscht werden.

"Der Libanon vergießt Freudentränen"

Unter den Hisbollah-Kämpfern, die freikommen sollen, ist der wegen Mordes an vier Israelis, zu mehrfacher lebenslanger Haft verurteilte Samir Kantar. Außerdem will Israel gemäß einem internen Papier des Bundeskanzleramts die sterblichen Überreste von mehr als 190 libanesischen und palästinensischen Kämpfern übergeben, darunter auch die sterblichen Überreste von acht Hisbollah-Kämpfern aus einem früheren Libanon-Krieg.

Darüber hinaus wolle Israel als Zeichen des guten Willens eine Anzahl palästinensischer Gefangener freilassen. Über die Zahl entscheidet Israel, heißt es in dem Papier.

Die Hisbollah verpflichtete sich den Angaben zufolge, zusätzlich zu den Leichen der beiden israelischen Soldaten einen Bericht über die eigenen Bemühungen zu übergeben, das Schicksal des 1986 in einem Kampfflugzeug abgeschossenen Offiziers Ron Arad aufzuklären.

Auf der libanesischen Seite der Grenze bereiten sich die Anhänger der Hisbollah schon auf ein Freudenfest vor. Von einer Plattform aus soll eine Musikkapelle die Freigelassenen begrüßen. Auf ein Schild hat jemand neben das Foto einer weinenden Israelin geschrieben "Israel vergießt Tränen des Schmerzes" - und daneben "Der Libanon vergießt Freudentränen".

ffr/AP/dpa/AFP

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