Gefecht von Samarra Niedergewalzte Autos, Hunderte Einschusslöcher

Es waren die schwersten Kämpfe seit dem Sturz Saddams: Nach einem ausgeklügelten Zeitplan hatten die Widerstandskämpfer in den schwarzen Uniformen der "Fedajin Saddam" gestern zwei US-Nachschubkonvois angegriffen. Doch die US-Armee schlug gnadenlos zurück, am Ort der Überfälle sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld.


Bild der Verwüstung: Zerstörte Autos in Samarra
REUTERS

Bild der Verwüstung: Zerstörte Autos in Samarra

Plötzlich war wieder Krieg: Sprengkörper detonierten, Panzer verschossen schwere Granatmuniton, dutzende von Maschinengewehren zerhackten die Stille des Sonntags. Im Norden des Irak tobte gestern die schwerste Schlacht zwischen Widerstandskämpfern und der US-Armee seit dem Sturz von Ex-Diktator Saddam Hussein im April. Als die Aufständischen je einen Konvoi östlich und westlich der Stadt Samarra angriffen, bezogen die US-Soldaten Stellung. Nach Augenzeugenberichten gelang es ihnen, die Kommandos der Aufständischen zurückzuschlagen.

Die beiden Konvois hätten Lieferungen der seit Anfang Oktober ausgegebenen neuen Banknoten zu zwei Geldinstituten in Samarra gebracht, sagte der Sprecher der US-Truppen im Irak, General Mark Kimmitt, am Montag auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Weil es bei allen vier früheren Transporten dieser Art in den vergangenen drei Wochen bewaffnete Zwischenfälle gegeben habe, seien die beiden Konvois von einer Panzereinheit mit 93 Soldaten gesichert worden. Die Fahrzeugkolonnen seien zeitgleich an zwei Stellen in der rund 110 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt angegriffen worden.

Die Iraker hätten zunächst Sprengsätze gezündet und dann das Feuer aus Gewehren und mit Mörsern auf die Militärfahrzeuge eröffnet. Zeugen berichten, dass die Amerikaner daraufhin willkürlich in der Gegend herumgeschossen hatten. Erfolgreich - so die Version der US-Armee: Zunächst hatte das Militär von 46 Toten beim Gegner gesprochen, dann wurde die Zahl auf 54 erhöht. 18 Iraker seien verletzt und sieben weitere festgenommen worden.

Von Panzern niedergewalzte Autos, Hunderten von Einschusslöcher: Schwere Kämpfe in Samarra
DPA

Von Panzern niedergewalzte Autos, Hunderten von Einschusslöcher: Schwere Kämpfe in Samarra

Laut des arabischen Senders al-Dschasira gab es bei den Kämpfen acht Tote. Der Polizeichef der 110 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt, Oberst Ismail Mahmud Mohammed, sagte, es seien acht Zivilisten getötet worden, darunter ein iranischer Pilger. 45 Zivilisten seien verletzt worden.

Einem Fotografen der "Europäischen Presse-Agentur" (epa) gelang es, sich am Ort des Gefechts umzusehen. Ihm bot sich am Montag ein Bild der Verwüstung. Er teilte mit, von Panzern niedergewalzte Autos gesehen zu haben und Wohngebäude mit Hunderten von Einschusslöchern.

Samarra: US-Soldaten positionieren sich nach einem Angriff auf ihren Konvoi
AP

Samarra: US-Soldaten positionieren sich nach einem Angriff auf ihren Konvoi

Irakische Offizielle in Samarra sprachen von einer regelrechten Schlacht. Sie bestritten amerikanische Angaben, wonach lediglich fünf US-Soldaten verletzt worden seien, keiner von ihnen lebensgefährlich. Auch ein Zivilist, der in einem der Konvois reiste, soll Verletzungen erlitten haben. Drei Gebäude, die den Angreifern als Deckung gedient hätten, wurden zerstört. Das US-Militär machte keine Angaben über zivile Opfer auf irakischer Seite.



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