Gefechte im Gaza-Streifen Uno fordert Israel auf, Zivilisten zu schonen

Es ist Israels größte Offensive seit Jahren. Im Gaza-Streifen kamen durch die Operation "Regenbogen" mindestens 20 Palästinenser ums Leben. US-Präsident Bush zeigt sich "beunruhigt". Der Nahost-Beauftragte der Uno fordert von Israel den Schutz für palästinensische Zivilisten ein.


"Operation Regenbogen" im Gaza-Streifen: Größte israelische Offensive seit Jahren
AFP

"Operation Regenbogen" im Gaza-Streifen: Größte israelische Offensive seit Jahren

New York - Terje Roed-Larsen, Nahost-Beauftragte der Vereinten Nationen, hat nach dem Beginn der Offensive im Süden des Gaza-Streifens Israel aufgefordert, bei seinen Angriffen palästinensische Zivilisten zu schonen. Israel müsse sich als Besatzungsmacht an die Normen des internationalen Rechts halten, hieß es in einer in New York verbreiteten Erklärung Roed-Larsens. Die Lage in Gaza wird auch den Uno-Sicherheitsrat beschäftigen. Die Offensive hat bisher mindestens 20 Palästinensern das Leben gekostet, darunter offenbar zwei unbeteiligte Kinder. Mehr als 50 wurden verletzt.

Im Namen der arabischen Staaten forderte Jemens Uno-Botschafter Abdullah Alsaidi den Sicherheitsrat auf, auf die "andauernden israelischen Verletzungen des internationalen Rechts" zu reagieren. Der Sicherheitsrat müsse der Zerstörung palästinensischer Häuser im Flüchtlingslager Rafah, die bereits gestern von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der amerikanischen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice kritisiert worden war, Einhalt gebieten.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat nannte die israelische Offensive ein "großes Massaker", das von der internationalen Gemeinschaft nicht geduldet werden dürfe. Die Arabische Liga bezeichnete das israelische Vorgehen als "Kriegsverbrechen". Das Eindringen in das Lager Rafah habe die "ethnische Säuberung und die kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes zum Ziel", erklärte die Arabische Liga nach einer Dringlichkeitssitzung in Kairo.

Bush besorgt

US-Präsident George W. Bush äußerte sich besorgt über die jüngste israelische Offensive. Er rief Israelis und Palästinenser auf, nach Wegen zu suchen, um den Friedensprozess voranzutreiben. "Die Gewalt im Gazastreifen ist beunruhigend und unterstreicht die Notwendigkeit, dass alle beteiligten Parteien jede Möglichkeit zur Förderung des Friedens beim Schopf ergreifen", sagte der Präsident.

Dutzende israelische Panzer und Truppentransporter waren in der Nacht zum Dienstag kurz nach Mitternacht in das Flüchtlingslager Rafah eingedrungen. Dabei seien sie aus der Luft von Kampfhubschraubern unterstützt worden, berichteten Augenzeugen. Die Truppen begannen den Berichten zufolge mit der Zerstörung von Gebäuden im Grenzbereich zu Ägypten. Tausende von Palästinensern flohen aus ihren Häusern.

Palästinensische Ärzte berichteten, die Armee habe Krankenwagen daran gehindert, Schwerverletzte aus dem umkämpften Gebiet zu bergen. Unter den Toten waren nach Angaben des örtlichen Krankenhauses elf Zivilisten, darunter drei Kinder. Zwei Jugendliche, ein Geschwisterpaar, wurden Augenzeugenberichten zufolge erschossen, als sie auf dem Dach ihres Hauses Wäsche abhängen, beziehungsweise die Tauben füttern wollten.

Die israelische Armee gab an, es seien nur palästinensische Kämpfer getötet worden. Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte, die Offensive in Rafah sei zeitlich nicht begrenzt. Ziel des Einsatzes sei nicht die Zerstörung von Palästinenserhäusern. Vielmehr gehe es um die Bekämpfung des illegalen Waffenschmuggels durch Grenztunnel. Eine Armeesprecherin sagte, die Truppen wollten nur solche Häuser zerstören, in denen sich ein Tunneleingang befände oder aus denen geschossen werde. Israelische Medien hatten zuvor berichtet, die Truppen wollten in Rafah hunderte Häuser zerstören, um die Pufferzone zu Ägypten auszuweiten, nachdem dort vergangene Woche fünf israelische Soldaten getötet worden waren.

Im Bemühen um eine Lösung des Nahostkonflikts rief der jordanische König Abdullah II. unterdessen Palästinenserpräsident Arafat indirekt dazu auf, Ministerpräsident Ahmed Kurei mehr Verantwortung zu geben. Arafat solle "einen langen Blick in den Spiegel werfen" und darüber nachdenken, "Macht abzugeben", sagte Abdullah gegenüber der "New York Times". Vielleicht könne eine Umverteilung der Macht die derzeitigen Hindernisse im Dialog zwischen den USA und den Palästinensern überwinden helfen.

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